Sa

19

Nov

2011

Eingelebt?

Mit einem letzten Blogartikel möchte ich mein Auslandsjahr an dieser Stelle abschließen, die Homepage wird aber natürlich erhalten bleiben, genauso wie meine Erinnerungen an dieses Jahr mir immer in Erinnerung bleiben werden. Ich bin nun wieder 10 Wochen hier in Deutschland und habe mich eigentlich wieder gut eingelebt. Es wird, da bin ich mir sicher, aber noch eine Weile gehen, bis ich mich richtig angekommen fühle. Jedoch muss ich sagen, dass ich es schlimmer erwartet hätte. Natürlich denke ich täglich an Bolivien, schaue mir Bilder an oder höre bolivianische Musik. Meine Kinder und Jugendlichen fehlen mir sehr, zum Glück weiß ich, dass es ihnen gut geht, da ich noch in Kontakt mit der Einrichtung und mit Freunden bin. In Freiburg fühle ich mich auch sehr wohl, auch das Studium macht mir Spass, auch wenn mir das Lernen und konzentrierte Arbeiten noch sehr schwer fällt. Da werde ich noch ein bisschen Zeit brauchen. Es hat schon wieder in kurzer Zeit ein komplett neuer und anderer Lebensabschnitt begonnen, das heißt, man muss sich wieder auf neue Menschen und Umstaende einstellen. Es ist auf jeden Fall nicht leicht. Mit meinem Vortrag am letzten Sonntag im Josefshaus über mein Freiwilligenjahr konnte ich vielen einen Eindruck vermitteln. Ich freue mich noch immer rießig, dass so viele gekommen sind und eine hohe Spendensumme zusammengekommen ist. Vielen Dank. Es hat mir selbst großen Spass gemacht, über meine Erfahrungen zu erzählen. Ich denke, dass ich es an passender Stelle auch wiederholen werde. Demnächst fahre ich auf das Vorbereitungsseminar meiner Entsendeorganisation für die neuen Freiwilligen und werde da meine Erfahrungen und Eindrücke weitergeben. Auch mit der Stiftung und besonders mit dem Projekt in Tirani stehe ich in regelmäßigem Kontakt, was mich sehr glücklich macht, dass dies möglich ist. Natürlich werde ich alle so schnell wie möglich wieder für einige Wochen besuchen, zu sehr vermisse ich sie. Es ist ein Jahr, dass mich in besonderer Weise geprägt hat. Ich habe den Schritt noch kein bisschen bereut und kann auch allen nur weiterempfehlen, den Schritt über den Tellerrand hinaus zu wagen. Für Informationen stehe ich immer gerne zur Verfügung. 

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen bedanken, die regelmäßig meinen Blog gelesen und meine Bilder angeschaut haben. Es hat viel Freude bereitet, die Homepage zu gestalten und zu aktualisieren. Mit den Worten unserer Stiftungspräsidentin Schwester Karoline Mayer möchte ich den letzten Blogeintrag abschließen:

"El secreto siempre es el amor. Das Geheimnis ist immer die Liebe."

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Mo

03

Okt

2011

Im Land der Inka! 17-tägige Rundreise durch Peru.

Meine Abschlussreise nach der Beendigung meines Dienstes in Cochabamba führte mich in Boliviens Nachbarstaat Peru. Wenn man an Peru denkt, hat man zwangsläufig zuerst die Bilder der Inkahauptstadt Machu Picchu vor Augen, tatsächlich hat Peru aber viel mehr zu bieten. Auf dem Weg zur peruanischen Grenze, die ich am 20. August passierte, schaute ich mir noch die Ruinenstätte von Tiwanaku in Bolivien an, da ich das ganze Jahr keine Zeit hatte, sie zu besuchen. Mein erster Stopp in Peru war dann Puno am Titikakasee, wo ich mir die Schilfinseln der Uros angeschaut habe. Das Volk der Uros lebt seit mehreren hundert Jahren auf dem Titikakasee einige Kilometer vom Festland entfernt auf ihren Schilfinseln, die sie von Jahr zu Jahr durch eine ausgeklügelte Bautechnik vergrößerten. Leider strömen heute die Kinder und Jugendliche dieses Stammes aufs Festland, um bessere Bildungs- und Arbeitschancen zu haben, weshalb das Volk vom Aussterben bedroht ist. Ich habe den Titikakasee ein zweites Mal sehr genossen, es ist unglaublich, wie groß er ist. Trotzdem muss ich sagen, dass der bolivianische Teil des Sees mir im April besser gefallen hat. Danach ging es weiter nach Cusco, in die Hauptstadt des ehemaligen Inkareiches. Cusco zeichnet sich sehr durch die kolonialen Bauten aus, aber ab und zu entdeckt man Spuren des alten Inkareiches, ein ganz besonderer Mix. In Cusco verbrachte ich fünf Tage, um ein bisschen auszuspannen. Natürlich habe ich auch die Projekte unserer Stiftung in Cusco angeschaut und ich wurde dort sehr herzlich empfangen. So war es gar nicht schlimm, dass ich meine Abschlussreise durch Peru alleine unternommen habe, traf ich doch überall Leute, die mich ein wenig auf meiner Reise begleiteten. Neben der Stadt Cusco habe ich noch Pisaq, eine andere Kleinstadt, und natürlich Machu Picchu besichtigt. Auch wenn die Menschenmassen auf Machu Picchu, der weltbekannten Inkaruinenstätte, enorm waren, war es für mich natürlich der Reisehöhepunkt, auch ein Höhepunkt meiner gesamten Zeit in Südamerika. Leider steigen die Preise im Moment ins Unermessliche, da die Nachfrage sehr groß ist. Man kann schon sagen, dass die Touristen da ein wenig ausgenutzt werden, was sie nicht davon abhält, die Ruinen zu besuchen. Von Cusco bin ich dann in Richtung Lima, der Hauptstadt Perus, aufgebrochen. Die Busfahrt dauerte 20 Stunden, die längste, die ich je erlebt habe. Ich muss aber sagen, dass die Zeit echt schnell vorbeiging. In Lima erwartete mich leichter Regen und ein bewölkter Himmel, sodass der Stadtrundgang mir nicht so gefiel. Bei Nacht allerdings haben mir die beleuchteten Kirchen und Plätze sehr gut gefallen. Viel, das muss zugegeben werden, hatte die Hauptstadt Perus allerdings nicht zu bieten, weshalb ich nach einem Tag auch noch einmal ins Andenhochland aufbrach. In Huaraz, einem kleinen Städtchen in der sogenannten "peruanischen Schweiz", konnte ich noch einmal zwei Tage ausspannen. Schneebedeckte Gipfel um mich herum, Sonnenschein und ein angenehmenes Klima bescherten mir tolle Tage. Am ersten Tag habe ich eine Tour zu einer Lagune unternommen, wo ich viele nette Leute aus aller Welt kennengelernt habe, am zweiten Tag gönnte ich mir einen Nachmittag in einem Thermalbad, einem peruanischen, einfachen selbstverständlich, mit rotbraun gefärbtem Wasser, das heilend wirken sollte. Landschaftlich war Huaraz für mich das Highlight Perus, mag ich doch das Hochland und die Berge sehr. Über Lima ging es am nächsten Tag nach Ica, einer Stadt an der Küste, von wo aus ich die Halbinsel Paracas besuchte und zum ersten Mal seit langem wieder am Meer gewesen bin. Am nächsten Tag war ich an der Oase Huacachina, die inmitten eines kleinen Wüstengebietes liegt. Gerade der Sonnenuntergang war sehr beeindruckend. Die letzten beiden Tage meines Urlaubes verbrachte ich in Arequipa und im Colca-Canyon. Arequipa war für mich die schönste Stadt Perus, wobei ich nicht genau sagen kann, warum ich so denke. Das Flair hat mir einfach sehr gut gefallen. Der Colca-Canyon, der 5 Busstunden von Arequipa entfernt liegt, ist tiefer als der Grand-Canyon in den USA und einer der tiefsten der Welt. Bekannt ist der Canyon für die Andenkondore, die jeden Morgen über ihm kreisen. Der Kondor ist der größte Raubvogel der Welt und es gibt nur sehr wenige davon. Sie können eine Flügelspannweite von bis zu 3,20m erreichen. Ich hatte das Glück, welche über dem Canyon kreisen zu sehen. Leider kommt die Tiefe des Canyons und die Größe der Kondore auf den Fotos nicht gut heraus. Der Colca-Canyon war mein Abschluss in Peru, bevor es dann wieder nach Bolivien ging, wo mich noch vier Tage voller Stress erwarteten, bevor es zurück nach Deutschland ging. Auf meiner Peru-Reise hatte ich noch eimal die Möglichkeit, ein Land und die Leute sehr intensiv wahrzunehmen, da ich ja insgesamt 17 Tage unterwegs war. Es war ein gelungener Abschluss, hatte ich doch noch einmal viel Zeit das Jahr zu reflektieren und mich auf das Kommende vorzubereiten. Peru ist Bolivien sehr ähnlich, landschaftlich, kulturell aber auch die Menschen mit ihren Traditionen. Ich mag das Ursprüngliche, das Andere, weswegen diese beiden Länder mich am meisten beeindruckt haben. Ich kann eine Reise nur empfehlen, es ist eine wirklich wertvolle Erfahrung. 

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Fr

09

Sep

2011

Es ist soweit!

Es ist Freitag, der 9. September 2011. Mein letzter Tag hier in Bolivien geht solangsam zu Ende. EIn komisches Gefuehl. Am Dienstag Morgen bin ich von meiner zweiwoechigen Abschlussreise in Peru hier in Cochabamba angekommen. (Reisebericht und Bilder folgen) Auf der Reise hatte ich viel Zeit, ueber mein Jahr hier nachzudenken und mich schon ein bisschen auf Deutschland vorzubereiten. Die letzten vier Tage hier in Cochabamba waren sehr stressig. Die ganze Erholung aus dem Urlaub ist wieder verflogen. Aber es waren schoene Tage, ich konnte nochmal alle meine Freunde sehen oder werde sie gleich noch sehen, um mich nochmal zu verabschieden. Dann standen natuerlich noch ein paar Einkaeufe an, mussten noch Bilder sortiert und entwickelt werden, Abschiedskarten geschrieben und Abschiedsgeschenke eingepackt werden. Die Naechte waren kurz. Morgen frueh gehts um 8.30 hoffentlich planmaessig nach Santa Cruz, und von da aus nach Buenos Aires und dann Frankfurt. Ich hoffe, dass alles gut klappt und der Abschied morgen am Flughafen nicht so traenenreich wird. Heute hat es mich schon viele Traenen gekostet, meine Kinder und Jugendliche sowie Kollegen zurueckzulassen. Es zeigte mir, dass ich das Jahr richtig ausgenutzt habe und viele gute Freunde gefunden habe. Man verlaesst ein Leben und tritt in ein neues ein. Aber ich freue mich natuerlich auch sehr auf Deutschland, nach 13 Monaten. Ich bin sehr gespannt, wie sich alles entwickelt hat und ich mich einlebe. Es wird auf jedenfall noch ein letzter Eintrag folgen. Darauf koennt ihr gespannt sein. Mit lieben Gruessen, das letzte Mal aus Bolivien! Bis bald ...

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Mo

08

Aug

2011

Ein komisches Gefuehl ...

Ich kann es nicht glauben, dass ich nun schon ein Jahr hier in Bolivien bin und mir nur noch 5 Wochen bleiben, bevor es wieder nach Deutschland geht. Diesen Donnerstag feiern wir schon unseren Abschied hier in der Einrichtung mit dem Team und den Kindern, nur noch 2 Wochen werde ich arbeiten, bevor es nach Peru geht. Es ist ein komisches Gefuehl. Gestern hatten wir schon die Abschiedsmesse und das Abschiedsessen mit meinem Chor, in dem ich nun ein Jahr gesungen habe und sehr gute Freunde gefunden habe. Und das war nur der Anfang der vielen Abschiede. Am Samstag sind schon unsere Nachfolger hier in Cochabamba angekommen, die wir jetzt noch zwei Wochen begleiten und in das Projekt einfuehren koennen. Und auch sonst ist viel los, es bleibt fast keine freie Zeit. Und so schnell werden die naechsten fuenf Wochen auch vorbeigehen. 

Wie ich es mir vorgenommen habe, habe ich die letzten Wochen noch einmal voll ausgenutzt. Bei der Arbeit haben wir mit den Schulkindern ein Recycling-Projekt mitgestaltet, mit den Kindergartenkindern haben wir Kuchen gebacken und einen Eintagesausflug in die Stadt in 3 verschiedene Parks unternommen. Es war ein riesiges Erlebnis. Mit den Spenden, die ich Ihnen allen zu verdanken habe, konnte ich Matratzenueberzuege fuer den Kindergarten kaufen und das ganze Team ins Kino einladen. Man kann es kaum glauben, wie gluecklich sie danach waren, der Grossteil war vorher noch nie im Kino. Es wird mir so schwer fallen, meine Kindern und Jugenlichen, das Team sowie meine Freunde zu verlassen. Ein Jahr ist eine sehr lange Zeit, auch wenn sie sehr schnell vergangen ist. Deutschland ist noch so weit weg, es wird mich auch so viel Ungewisses erwarten. Aber ich bin ja darauf eingestellt und freue mich natuerlich auch sehr. Es wird sehr spannend.

 

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Di

28

Jun

2011

Hautnah mit Alligatoren, Delfinen, Anakondas, Piranhas und vielem mehr! Eine Woche in der Pampa und im Dschungel des bolivianischen Amazonasbeckens.

Nach den anstrengenden Projektvorbereitungen mit viel Stress war es Zeit, ein bisschen auszuspannen. Meine letzten beiden Urlaubstage habe ich zusammen mit den Feiertagen in der letzten Woche genutzt, das letzte Mal hier in Bolivien reisen zu gehen. Lange war ich mir nicht sicher, ob ich das Abenteuer Amazonastiefland wirklich riskieren sollte. Hatte ich doch ein bisschen Respekt vor giftigen Schlangen und Spinnen. Doch es hat mich dann doch zu stark gereizt. Letzten Sonntag bin ich dann zusammen mit Daniel, einem Freiwilligen aus dem anderen Projekt der Stiftung, nach La Paz gefahren. Fuer Montag waren Streiks im ganzen Land angekuendigt, sodass wir bis zuletzt nicht genau wussten, ob wir unsere Plaene wirklich auch verwirklichen koennen. Als wir am spaeten Abend in La Paz ankamen, wurde uns mitgeteilt, dass die Streiks kurzfristig abgesagt sind. Am naechsten Morgen konnten wir dann zum Glueck noch zwei Flugtickets nach Rurrenabaque ergattern, denn aufgrund der geplanten Streiks haben wir vorher nichts gebucht. Der Flug nach Rurrenabaque ins bolivianische Tiefland dauerte genau eine Stunde. Es war wieder einmal unglaublich, die Diversitaet von Bolivien zu sehen. Wir starteten auf 4000 Meter ueber dem Meeresspiegel in La Paz bei vllt. 10 Grad und landeten in Rurrenabaque auf 300 Meter bei feuchten 30 Grad im bolivianischen Dschungel. Der Flughafen ist nur eine Piste, es gibt kein Gebaeude. Den Tag haben wir in den Haengematten verbracht und auch noch unsere Tour in die Pampa fuer die naechsten drei Tage gebucht. Am Dienstag-Morgen ging es dann mit unserem Guide fuer drei Tage in die Pampa. Zuerst mit dem Jeep und dann mit einem kleinen Boot auf einem kleinen Fluss entlang zu unserer Uebernachtungsstaette. Auf dem Weg haben wir schon Alligatoren an den Ufern, Schildkroeten, Wasserschweine, Affen, fliegende Fische, Storche, Pelikane und eine Vielzahl anderer Vogelarten gesehen. Nach dem Beziehen unserer kleinen Huetten mit zum Glueck einem guten Moskitonetz haben wir uns den Sonnenuntergang angeschaut. In der Nacht konnte man mit Taschenlampen Krokodile aufspueren, da ihre Augen das Licht sehr stark reflektieren. Auf dem kurzen Weg haben wir bestimmt ein Dutzend an Alligatoren gesehen. Am naechsten Morgen ging es auf die Suche nach Anakondas. Wir hatten Glueck, nach ungefaehr zwei Stunden hat der Guide eine 3 Meter lange und 12 Kilo schwere Anakonda aufgespuert. Es war ein ganz besonderer Anblick, komischerweise sind die Anakondas ganz ruhige und faule Schlangen, die eigentlich nicht attackieren. Nach dem Mittagessen sind wir dann alle schwimmen gegangen, und zwar in dem Fluss, wo wir die ganze Zeit die Alligatoren gesehen haben. Grund waren die Delfine, die auch in diesem Gewaesser leben, und mit denen wir schwimmen wollten. Das Ganze hat mir schon Angst gemacht, kurz bevor wir ins Wasser gestiegen sind, habe ich am Ufer ein Krokodil schwimmen gehen sehen. Es heisst, dass die Delfine die Alligatoren vertreiben und wir deswegen beruhigt ins Wasser gehen koennen. Da das Wasser sehr trueb ist, konnte man nie so genau so sehen, von was man umgeben ist. Einige Delfine haben wir in ein paar Metern Entfernung immer kurz auftauchen sehen. Wie nahe ich ihnen wirklich war, kann ich nicht sagen. Ich weiss nur, dass das das Gefaehrlichste war, was ich je in meinem Leben gemacht habe, auf jeden Fall viel gefaehrlicher als die gefaehrlichste Strasse der Welt. Aber es hat sich gelohnt, Nervenkitzel pur. Am Donnerstag-Morgen sind wir frueh aufgestanden, um die Geraeusche der Tiere zu hoeren und den Sonnenaufgang zu sehen. Danach haben wir Piranhas gefischt. Ich hatte leider nicht so viel Glueck und habe nichts gefangen. Daniel konnte 3 Stueck aus dem Wasser holen, da war ich schon ein bisschen neidisch. Unser Guide hatte natuerlich 5 gefischt. So hatten wir zum Schluss eine stolze Anzahl an Piranhas, die wir auch gegessen haben. Der Geschmack laesst sehr zu wuenschen uebrig, er schmeckt eigentlich nur nach Flusswasser. Nach dem Mittagessen ging es dann zurueck nach Rurrenabaque. Auf dem Weg konnten wir noch einmal die unglaubliche Tierwelt der Pampa sehen. In Rurre angekommen, haben wir den restlichen Tag in Ruhe genossen. Am naechsten Morgen stand ja schon wieder die naechste Tour an. Wir wollten auch noch das andere Gesicht des Tieflandes sehen, den Urwald. Fuer zwei Tage haben wir eine Tour in den Madidi-Nationalpark unternommen, einem der artenreichsten Nationalparks der Welt. Im Dschungel ist es ein bisschen schwieriger, Tiere zu sehen, wenn man nur wenige Tage da ist. Man sieht mehr die Pflanzenwelt, die fuer mich fast genauso beeindruckend war. Am ersten Tag haben wir mit unserem Guia zu Fuss den Urwald erkundet. Wir haben den Blut- und Milchbaum sowie ein Mammutbaum mit einem unglaublichen Durchmesser, Wildsschweine, unterschiedliche Baumarten, verschiedene Affenarten und eine Vielzahl an Pilzen gesehen. In der Nacht haben wir dann eine Nachtwanderung unternommen auf der Suche nach Taranteln. Wir hatten Glueck und haben eine gesehen, ausserdem eine Puppe eines Schmetterlings und ein Opossum. Am naechsten Morgen stand eine weitere Wanderung an. Der Guide hat uns erklaert, mit welchen Pflanzen die Dschungelbewohner ihre Krankheiten heilen, wir haben Riessenameisen beobachtet und Spuren eines Jaguars gesehen. Nach dieser Wanderung ging es auch schon wieder zurueck mit dem Boot nach Rurrenabaque. Unsere Dschungel- und Pampatouren waren damit schon wieder vorbei. Die 5 Tage waren sehr beeindruckend und unterschiedlich, ich habe es nicht bereut, die Reise gemacht zu haben. Am Sonntag flogen wir dann mit dem Flugzeug nach La Paz, am Abend dann fuhren wir mit dem Bus nach Cochabamba zurueck. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie viele Facetten Bolivien zu bieten hat. Ich bin sehr froh, fast alle schon gesehen zu haben.

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Mo

27

Jun

2011

Una noche inolvidable - eine unvergessliche Nacht!

Es sollte eine unvergessliche Nacht fuer die Kinder und Jugenlichen der Hausaufgabenbetreuung werden. Und es war eine. Als mein Projekt in diesem Jahr habe ich mir eine Uebernachtung mit den Kids aus der Hausaufgabenbetreuung ueberlegt, noch nie zuvor gab es so etwas. Deswegen wollten wir zum ersten Mal diese Uebernachtung bei uns in der Einrichtung durchfuehren. Bei der Projektvorbereitung und Durchfuehrung hat mir das Team zu grossen Teilen geholfen. Es sollte fuer alle etwas Einzigartiges werden. Ziel war es, den Kindern und Jugendlichen die Moeglichkeit zu geben, auch ueber den normalen Alltag hinaus sich noch besser kennen zu lernen und ein Zusammengehoerigkeitsgefuehl zu entwickeln. Der Spass stand dabei an erster Stelle. Am Freitag, den 17. Juni ging es um 18 Uhr los. Eigentlich hatten wir mit 30 Kindern gerechnet, am Schluss waren es ungefaehr 50 Kinder. Zu Beginn haben wir die Kinder und Jugendlichen in 4 Grossgruppen eingeteilt, danach haben sie sich schon ihre Schlachtrufe ueberlegt, bis das Fleisch auf dem Grill fertig war. Es gab Wuerstchen und Fleisch, Reis mit Kaese, Kartoffeln aus dem Ofen und Salat. Fuer die Kinder ein wahres Festessen. Nach dem Essen wurde das Lagerfeuer entzuendet, Silke, meine Mitfreiwillige, hat mit ihrer Gitarre bolivianische Lieder gespielt. Die Jungs und Maedels waren begeistert und sangen, zu meiner Ueberraschung, eifrig mit. Nachdem unsere 4 Raeume zum Schlafen verteilt waren, zeigte ich eine Fotopraesentation der letzten 3 Jahre Hausaufgabenbetreuung in Tirani, die ich mit Hilfe von Fotos ehemaliger Freiwilligen zusammengestellt habe. Die Kinder haben sich sehr gefreut, sich auf dem ein oder anderen Bild wiederzuerkennen. Nach der Praesentation wurde dann in den vier Gruppen gegeneinander gespielt, das Highlight war die "Nacht der Talente", wo die Gruppen tanzen mussten. Und es haben sich wirklich viele junge Talente gezeigt, es war unglaublich, die Kreativitaet unserer Jugendlichen zu sehen. Um 12 Uhr wollten die Kinder dann von sich aus schlafen gehen, letztendlich waren sie dann doch bis 2 Uhr wach, es war ja schliesslich fuer sie auch das erste Mal, mit ihren Freunden die Nacht zu verbringen. Um 5 Uhr waren dann auch schon die ersten wach. Fuer uns Betreuer war es wenig Schlaf, jedoch waren wir schon darauf eingestellt. Zum Fruehstueck gab es dann Broetchen mit Marmelade, Muesli mit Joghurt, Kuchen, Ei, Orangensaft und heisse Schokolade. Ich wollte das Fruehstueck ein bisschen deutsch gestalten. Nach dem Fruehstueck wurde weiter gespielt, zuerst in den Grossgruppen, danach eine Spielerallye mit 8 Stationen in kleineren Gruppen. Wir waren echt alle ueberrascht, wie engagiert die Kinder mitgemacht haben. Das zeigt, dass es ihnen gefallen hat. Im normalen Alltag unter der Woche kommt das Spielen leider ein bisschen zu kurz, sodass sie das Angebot voll ausnutzten. Danach stand auch schon das Mittagessen an, Spaghetti Bolognese, die von unseren Koechinnen sehr lecker zubereitet wurden. Zum Abschluss gab es die Preisverleihung. Zufrieden und gluecklich gingen die Kinder nach Hause. Schon waehrend des Projektes haben sie gefragt, ob wir noch eine Nacht laenger bleiben koennen. In den Tagen nach dem Projekt haben sie immer wieder davon erzaehlt und wollten wissen, wann wir so etwas das naechste Mal machen. Den neuen Freiwilligen werde ich raten, dass sie im naechsten Jahr auch wieder eine solche Uebernachtung organisieren. Ich bin sehr froh, dass alles reibungslos geklappt hat, was ich hier in Bolivien nie gedacht haette. Ein grosser Dank gilt natuerlich dem Team, die mich in allem unterstuetzt haben. Ich kann sagen, dass wir alle zusammengewachsen sind und die Kinder und Jugendlichen diese erste Uebernachtung nie vergessen werden - una noche inolvidable! 

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So

22

Mai

2011

Die erschreckenden Folgen eines unzureichenden Gesundheitssystems.

Ein funktionierendes Gesundheitssystem ist fuer uns in Deutschland die Basis fuer jegliche Behandlungen. Trotzdem finden wir immer etwas, um uns ueber das System zu beschweren. Doch was passiert, wenn ein Staat ein unzureichendes Gesundheitssytem hat und viele Menschen in diesem Punkt auf sich selbst verantwortlich sind. Ich finde das Thema so spannend, dass ich es hier gerne einmal extra beleuchten moechte, auch aufgrund eines aktuellen Falls bei mir in der Einrichtung. Oft kommen die Kinder und Jugendliche krank in die Einrichtung, sei es Husten, eine Grippe oder andere kleinere Krankheiten. Nur wenige der Eltern bringen ihre Kinder zum Arzt, nur wenige kaufen Medikamente. Der Grund ist einfach. Der Grossteil der bolivianischen Landbevoelkerung ist nicht krankenversichert. Eine Arztbehandlung oder Medikamente koennen sich so nur die Wenigsten leisten, viele wollen auch ihr Kinder nicht zum Arzt bringen, haben Angst und sind skeptisch. So werden teilweise auch irgenwelche Naturheilkraeuter zur Hilfe genommen. Seit kurzem gibt es einige Programme des Staates fuer Kinder bis 5 Jahren oder schwangere Frauen, die Behandlungen kostenlos bekommen. Trotzdem fehlt es an allen Ecken und Enden. Die Stadtbevoelkerung, die das Geld zur Verfuegung hat, laesst sich privat versichern. Diese Beitraege kann und will sich ein armer Bauer natuerlich nicht leisten. Da fehlt es natuerlich auch an Aufklaerungsarbeit. Bei kleineren Dingen wird immer eine Loesung gefunden, wenn ein groesserer Eingriff bevorsteht, kann dieser meist nicht bezahlt werden. Ich moechte gerne ein bisschen die Geschichte des kleinen Manuels erzaehlen. Manuel ist 8 Jahre alt und der Sohn unserer Koechin Lourdes. Manuel ist nun schon seit 3 Jahren bei uns in der Hausaufgabenbetreuung, mittlerweile ist er in der dritten Klasse. Es ist ein sehr lebensfrohes Kind, er ist super integriert, ein verhaeltnissmaessig sehr guter Schueler und spielt hervoragend Fussball. Wenn man ihn so sieht, koennte man nicht meinen, dass er fast blind ist. Auf dem staerkeren Auge sieht er noch 5 Prozent, auf dem schwaecheren Auge 1 Prozent. Es steht fest, dass er ohne Eingriff in den naechsten Jahren vollstaendig erblinden wird. Vor vier Jahren hat sich die Familie zusammengerafft, um die erste Operation an einem Auge durchzufuehren, da er schon seit da an Sehkraft verliert. Ein Arzt, der wohl wie viele hier in Bolivien nicht an genuegend Kompetenz verfuegte, hatte Manuel als 4-Jaehrigen wie einen Erwachsenen operiert und somit das Auge ruiniert. Danach hatte die Familie kein Geld mehr, um eine zweite Operation zeitnah zu finanzieren. Eine Krankenversicherung, die eine solche Operation uebernimmt, gibt es nicht. In den letzten Monaten hat das Ganze dann eine Brisanz angenommen. Die Sehleistung hat sich nochmal dramatisch verschlimmert, die vollstaendige Erblindung steht kurz bevor. Da eine Operation nur bis zum 9. Lebensjahr Sinn macht, haben wir Freiwillige und das Team aus Tirani uns dazu entschieden, die Operation von Manuel finanziell zu unterstuetzen. Mit Aktiviaeten will auch die Gemeinde in Tirani einen Beitrag leisten, eine Institution aus der Stadt hat auch schon Hilfe angekuendigt. Ein solches Krankheitsbild mit einem folgenschweren operativen EIngriff zeigt auf, wo es hier in Bolivien wirklich noch fehlt. Die Gesundheit ist wohl das Wichtigste, was wir haben, und leider wird sie hier nicht geschuetzt. Diese Defizite machen mich traurig. Lourdes, so hart es klingen mag, blieb bisher nichts anderes uebrig, der Erblindung ihres Kindes zuzusehen. Manuels sehnlichster Wunsch ist es, wenigstens ein bisschen besser zu sehen. Aus eigener Kraft koennte die Familie diese Operation nie bezahlen. Und so geht es noch vielen Muettern und Vaetern hier in Bolivien. Besonders weit verbreitet sind die Folgenkrankheiten der Unterernaehrung, gegen die auch kaum etwas unternommen wird. Nach der neuesten Untersuchung bei uns im Kindergarten sind die Haelfte der Kinder in meiner Gruppe unterernaehrt, man muss sich das einmal vorstellen. Mit Vortraegen fuer die Eltern soll daran gearbeitet werden, ein Bewusstsein fuer eine gesunde und ausreichende Ernaehrung der Kinder zu schaffen, um Folgekrankheiten, die dann auch eine kostenintensive Operation erfordern wuerden, fruehzeitig zu verhindern. Ende Juni wird Manuel operiert, ich hoffe, dass dieses Mal der Eingriff erfolgreich ablaeuft und ihm so sein Augenlicht erhalten bleibt. Ich wuerde es mir so fuer ihn und seine Familie wuenschen. 

 

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Fr

06

Mai

2011

Ein unglaublich schoenes Land! 10-taegige Rundreise durch Bolivien.

Am 7. April war es soweit. Mein erster und einziger Besuch aus Deutschland kam in Cochabamba an. Fuer meine Eltern war seit meiner Zusage fuer mein Freiwilligenjahr klar, dass sie mich hier besuchen kommen. Auch mein Onkel Bernd hat sich diese Moeglichkeit nicht nehmen lassen, ein wirklich ganz anderes Land kennenzulernen. Ich war sehr gespannt, wie es sein wird, nach acht Monaten ein Teil meiner Familie wiederzusehen. Und ich kann sagen, es war super, mit ihnen zweineinhalb Wochen hier in meinem Gastland zu verbringen. Natuerlich hatte ich bedenken, wie sie mit dem anderen Land, der Hoehe oder dem Essen klarkommen, alles in allem hat es aber super funktioniert und ich bin stolz, dass sie sich so gut auf das Andere eingelassen haben und Bolivien auch wirklich kennenlernen wollten. Schon kurz nach der Ankunft haben wir auf dem Markt eingekauft, der wohl groesste Gegensatz, den Bolivien im Vergleich zu Deutschland zu bieten hat. Der Markt soll der groesste in Bolivien sein, es gibt alles, natuerlich auch Fleisch und Innereien ungekuehlt und in allen Variationen und noch so ganz andere Spezialitaeten. Am Freitag feierten wir dann den Geburtstag meiner Mama. Um die Mittagszeit haben wir mit einem boliviansichen Sekt, der natuerlich so typisch bolivianisch nur suess war, an der Christusstaue ueber Cochabamba auf 2800 Metern ueber dem Meeresspiegel angestossen. Danach gab es bei mir zu Hause den Geburtstagskaffee, ich hatte mich an einer Torte versucht, die besser geschmeckt hat, wie ich es erwartet habe. Bevor es am Abend mit dem Nachtbus nach La Paz ging, haben wir noch zum Abschluss des Geburtstages lecker gegessen. Die Nachtfahrt nach La Paz war eine Aussergewoehnliche. Als ich den Bus gesehen habe, war ich sehr ueberrascht, denn mit so einem modernen Bus bin ich hier in Bolivien noch nie gefahren. Leider hatte wir mit dem Fahrer nicht so viel Glueck, sodass die Fahrt auch meine Schlimmste bisher war. Es war kein guter Einstand in eine Bolivienreise, aber das kann einem hier immer passieren. Am Samstagmorgen kamen wir dann in La Paz auf 3600 Meter ueber dem Meeresspiegel an. Nach einem Fruehstueck haben wir ein bisschen die Stadt angeschaut, gleich schonmal auf dem Souvenirmarkt die Geschenke fuer Deutschland gekauft, da die Auswahl in La Paz einfach die Beste ist, und noch das "Valle de la luna" ("Mondtal") besichtigt, das am Stadtrand von La Paz liegt. Das Mondtal erinnert an eine Mondlandschaft, die Gesteinsformationen sind ueber mehrere Millionen Jahren enstanden. Am Abend haben wir uns vom Aussichtspunkt "Killi-Killi" die Stadt bei Nacht angeschaut. Da La Paz in einem Talkessel liegt, sieht das super schoen aus, die Haeuser auf allen Seiten in den Haengen zu sehen. Muede gings dann natuerlich auch frueh uns Bett, von der Hoehe spuerte zum Glueck niemand etwas. Am naechsten Morgen brachen wir nach Copacabana an den Titikakasee auf, ungefaehr drei Busstunden von La Paz entfernt. Die Landschaft des Andenhochlandes ist schon sehr beeindruckend. Weite Ebenen und im Hintergrund die Ostkordillere der Anden mit schneebedeckten Gipfeln. In Copacabana angekommen, sind wir auch gleich auf die Isla del Sol (Sonneninsel) weitergefahren. Die Bootsfahrt zog sich hin, am Ende waren es auch mehr als zwei Stunden Fahrtzeit. Die Sonneninsel hatte eine besondere Bedeutung in der Inkakultur, heute ist sie Touristenmagnet. Die Nacht haben wir im Norden der Insel, in Challapampa, verbracht. Die Unterkunft war zum ersten Mal eine sehr, sehr Einfache. Aber auch das war fuer meinen Besuch kein Problem, es folgten ja noch Schlimmere. Ein ganz besonderes Erlebnis war der Sonnenuntergang. Der Titikakasee ist elf mal so gross wie der Bodensee, weshalb man auch nicht immer das Ende sieht, man koennte ihn fast fuer ein Meer halten. Mit der Andenkordillere, deren Schnee im Sonnenlicht steht, ergibt das beim Sonnenuntergang ein super Bild. Am naechsten Morgen wurden wir von Hagel ueberrascht, was anscheinend am Titikakasee nichts Seltenes sein soll. Doch nach kurzer Zeit war wieder blauer Himmer, weswegen wir unsere Inselwanderung ohne Probleme durchfuehren konnten. Die Inselwanderung auf der Sonneninsel war ein Highlight, auch wenn es mit unseren grossen Rucksaecken sehr anstrengend war. Nach ungefaehr 5 Stunden mit einigen Pausen und super Ausblicken auf den Titiakasee und die umliegende Bergwelt kamen wir im Sueden der Insel an, wo wir mit dem Boot wieder nach Copacabana uebersetzten. Am Abend ging es von da aus wieder zurueck nach La Paz, wo wir dann auch diese Nacht uebernachteten. Am naechsten Morgen zeigte sich dann Bolivien wieder von seiner besten Seite. Als ich am Terminal die Bustickets fuer den Bus nach Oruro kaufen wollte, wurde mir gesagt, dass an diesem Tag vom Terminal keine Busse mehr nach Oruro fahren, da die Hauptstrasse, die aus La Paz herausfuehrt, blockiert ist. Die Lehrer forderten eine Erhoehung ihres Lohnes und haben so den ganzen Verkehr lahmgelegt. Da aber um 15.30 Uhr desselben Tages unser Zug von Oruro nach Uyuni fuhr, mussten wir irgendwie nach Oruro kommen. So habe ich alles Moegliche versucht und auch schon Alternativen ueberlegt, doch es hat eigentlich wie immer geklappt. Mit einem Taxi sind wir aus La Paz an den Stadtrand von El Alto gefahren, die Zwillingsstadt von La Paz, wo die Blockaden waren. Am Beginn der streikenden Lehrer und mit Steinen belagerten Strassen, sind wir aus dem Taxi ausgestiegen, zu Fuss durch die Blockaden, danach haben wir das naechste Taxi genommen und sind zum Terminal in El Alto gefahren. Eigentlich sollte man dieses meiden, es ist naemlich kein Gebaeude, sondern nur ein Strasse, wo die Busse abfahren. Und El Alto gilt sowieso als die gefaehrlichste Stadt Boliviens. Unter dem Schutz einer Polizisten sind wir in den Bus eingestiegen. In Oruro puenktlich angekommen, sind wir mit dem Zug sieben Stunden in Richtung Sueden nach Uyuni gefahren, der Ausgangspunkt fuer die Touren in die Salzwueste. Diese Zugstrecke ist die einzig intakte in Bolivien. In der Nacht kamen wir in Uyuni an, wo wir dann auch die Nacht verbrachten. Am naechsten Morgen ging die Dreitagestour in die Salzwueste und zu den farbigen Lagunen los. Es war das Highlight der Rundreise. Am ersten Tag stand der Salar de Uyuni an. Bevor es aber dahin ging, haben wir noch den Eisenbahnfriedhof in Uyuni angeschaut. Als die alten Wagen ausgedient hatten, wurden sie einfach abgestellt und rosten jetzt vor sich hin. Danach gings dann endlich in den Salzsee. Der Salzsee ist der groesste der Welt mit einer Flaeche von 12.000 km2 . Normalerweise ist der Salzsee Mitte April trocken. Da aber die Regenzeit in diesem Jahr um einen Monat verzoegert ist, stand er noch unter Wasser, weshalb man nicht ganz hineinfahren konnte. Doch schon das, was wir gesehen haben, wir ueberaus beeindruckend. Ein Farbenspiel zwischen weissem Salz und dem blau des Himmels, Salzberge, die Spiegelungen im Wasser und die Endlosigkeit dieser Salzwueste. Bilder koennen diese Impressionen leider nur schwer darstellen. Um die Mittagszeit waren wir in einem der vielen Salzhotels, die aussschlieslich aus Salz gebaut wurden. Die Tour hatten wir zu viert mit unserem Fahrer Max in einem Jeep gemacht, der das Essen immer morgens zubereiten liess und es uns dann servierte. Es war naturlich sehr einfach, aber dafuer typisch bolivianisch. Auch die zwei Unterkuenfte waren sehr einfach, was fuer meine drei Mitreisenden natuerlich nicht so ganz einfach war. Das Gute war, dass wir immer unser eigenes Zimmer hatten. Das Bad musste mit bis zu 30 anderen Reisenden geteilt werden und die Duschen wollte man nicht benutzen, einmal gab es gar keine. Diese Touren kann man aber eigentlich nicht anders buchen, da diese Gebiete nicht erschlossen sind, weshalb alle Unterkuenfte so einfach sind. In diesen drei Tagen haben wir den Lebensstandard in Bolivien noch einmal hautnah mitbekommen. Mit vielen warmen Kleidungsstuecken und dem Schlafsack konnte man auch der Kaelte in den unisolierten Haeusern entgehen, einmal hatte es in der Nacht minus 15 Grad, wurde uns zumindest berichtet. Doch die Landschaften haben eigentlich fuer fast alles entschaedigt. Am zweiten Tag, es war der Donnerstag, haben wir viel gesehen. Zuerst das Tal der Felsen, das im Laufe von Millionen Jahren aufgrund von Vulkaneruptionen entstanden ist. Danach die rote Lagune, die aufgrund ihres hohen Kupfergehaltes zu bestimmten Tageszeiten rot schimmert, mit ihren drei verschiedenen Flamingoarten. Danach ging es weiter in Richtung Sueden zur gruenen Lagune und zum hoechsten Berg Boliviens, einem Vulkan, den sich Bolivien aber mit Chile teilen muss. Von dort aus konnte man auch ein argentinische Bergkette sehen. Auf dem Rueckweg haben wir dann noch in einem unglaublichen Panorama in einer 38 Grad heissen Thermalquelle gebadet, bevor wir noch Geysire besichtigten. Die Nacht verbrachten wir an der roten Lagune. Am naechsten Morgen ging es zurueck in Richtung Uyuni. Noch einmal kamen wir an 5 weiteren Lagunen vorbei, die in verschieden Farben schimmerten und in denen sich die umliegenden Vulkane und Berge spiegelten. Einfach super schoene Augenblicke. Auf dem Weg lagen noch der "Arbol de Piedra", der "Steinbaum", eines der bekanntesten Fotomotive aus Bolivien, eine kleine Sandwueste, ein Berghang, der mit Sand in den sieben verschiedenen Ockertoenen bedeckt ist und einen noch aktiven, rauchenden Vulkan, jedoch auf chilenischem Staatsgebiet. Auf dem ganzen Weg konnten wir noch einmal Lamas und Vicuñas beobachten, die Bewohner der Andenhochebene. Die ganzen drei Tage waren wir auf einer Hoehe von 4000 Metern ueber dem Meeresspiegel unterwegs. Der hoechste Punkt, den wir erreichten, waren 5000 Meter. Schon irgenwie unglaublich, wenn man sich vorstellt, dass der hoechste Berg Europas, der Mont Blanc, gerade einmal 4800 Meter hat. Am spaeten Nachmittag endete die Tour in Uyuni. Am Abend ging es dann schon wieder weiter nach Potosi, der alten Silberstadt. Am Samstag-Morgen haben wir eine Mine besichtigt, in denen noch heute gearbeitet wird. Doch der Gewinn ist gering, der Grossteil der Bodenschaetze wurde von den Spaniern in der Kolonialzeit nach Europa verschifft. Man schaetzt, dass ungefaehr 8 Millionen Ureinwohner in den Minen unter menschenunwuerdigen Bedingungen ums Leben gekommen sind. Zu dieser Zeit war Potosi noch eine der reichsten und groessten Staedte der Welt , woran heute noch die vielen Kirchen erinnern. Heute ist Potosi wohl die aermste Stadt Boliviens, gerade das Umland gehoert zu den aermsten Gebieten des Landes. Die Stadt ist aufgrund der vielen Kolonialgebaeuden Weltkulturerbe. Am Nachmittag haben wir uns diese angeschaut, gerade bei Nacht ist die Stadt sehenswert. Am naechsten Morgen ging es dann weiter nach Sucre, zum Schluss in die Hauptstadt Boliviens. Am Sonntag waren wir auf dem Markt in der Tarabuco, ungefaehr eineinhalb Busstunden von Sucre entfernt. Der Sonntagsmarkt ist in ganz Bolivien bekannt und ist auch der schoenste, den ich bisher hier in Bolivien gesehene habe. Abends haben wir dann auch Sucre bei Nacht angeschaut. Aehnlich wie in Potosi sehen die beleuchteten Kirchen, von denen es in Sucre auch jede Menge gibt, sehr schoen aus. Am naechsten Tag, dem letzten Tag der Rundreise haben wir ein bisschen in der "weissen Stadt Sucre" entspannt und uns noch den sehr beeindruckenden Zentralfriedhof angeschaut. Am Abend ging es dann wenig komfortabel ueber eine sehr schlechte Strasse zurueck nach Cochabamba. Damit war die 10-taegige Rundreise leider viel zu schnell vorbei. In den folgenden Tagen habe ich meinen Eltern und meinem Onkel dann noch meine Arbeit gezeigt und am Karfreitag sind wir dann noch fuer einen Tag ins Chapare, in die Regenwaldregion des Bundesslandes Cochabamba gefahren, wo ich ja schon einmal im Oktober war, weshalb ich davon auch keine Bilder mehr hochgeladen habe. Am Sonntag, den 24. April, ging es dann fuer meinen Besuch zurueck nach Deutschland, viel zu schnell ist die Zeit vergangen. Mir bleiben jetzt noch 4 Monate hier in Suedamerika, ein ganz komisches Gefuehl, wenn ich bedenke, dass neun Monate schon vergangen sind. Die letzte Zeit will ich jetzt noch mal so richtig geniessen.

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Di

29

Mär

2011

Auf Stippvisite in Paraguay, Brasilien und Argentinien!

Man stelle sich einen breiten Fluss vor, ruhig fliessend, man laeuft auf einem Steg ueber das Wasser, rechts und links fliegen Schmetterlinge, es wird immer lauter, das Rauschen wir immer lauter und lauter. Ploetzlich sieht man ein Naturspektakel, das man sich kaum vorstellen kann, wenn man es nicht selbst gesehen hat. Man blickt in den "Teufelsrachen", eine halbrunde Schlucht, wo aus 70 Metern bis zu 13.000 Kubikmeter Wasser hinunterstuerzen. Man ist eigentlich fassungslos. Der Teufelsrachen ist nur ein Teil der fast 3 Kilometer langen Iguazú-Wasserfaellen im Grenzgebiet zwischen Paraguay, Brasilien und Argentinien, mit 275 einzelnen Faellen die groessten Wasserfaelle der Welt und gleichzeitig das Highlight meiner 12-taegigen Reise in diesen drei Staaten. Gestartet bin ich in Asunciòn, der Hauptstadt Paraguays, wo mich Julia, mit der ich die ganze Reise unternommen habe, herzlich am Flughafen empfangen hatte. Zuerst einmal hat mich die Hitze von Asunción ueberwaeltigt, die hohe Temperatur gepaart mit einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit war am ersten Abend schwer zu ertragen. Asunción war fuer uns nur der Ausgangspunkt der Reise, sodass wir auch nur einen Tag, es war ein Donnerstag, geblieben sind, wo wir die wenigen DInge, die Asunción zu bieten hat, anschauten. Sehr gefreut haben wir uns ueber das bisschen Stueckchen Heimat, das wir in der deutschen Baeckerei gefunden haben. Brezeln, Zwetschgenkuchen, Kirschtaschen und noch vieles mehr. Es war sehr lecker. Am Abend haben wir uns dann auch schon wieder von Asunción verabschiedet, es ging nach Aregua, ungefaehr 50 Kilometer noerdlich der Hauptstadt. Aregua ist eine Kleinstadt, inmitten der Waldlandschaft Paraguays, fuer mich war es sehr ungewoehnlich, so viel gruen zu sehen. Die Nacht hatten wir in einem einfachen Hostel verbracht, wo mich dann auch gleich eine Kakerlake angefallen hat, mit einer weiteren haette ich beinahe geduscht. Man muss sagen, dass Kakerlaken hier nicht wie bei uns nur an schmutzigen Orten anzufinden ist, wobei es natuerlich trotzdem immer ein bisschen eklig ist. In Aregua haben wir uns den Keramikmarkt, den anliegenden See, den Hauptplatz und die Kirche angeschaut. Es war schoen, nicht nur die Hauptstadt, sondern auch ein anderes Gesicht von Paraguay zu sehen. Viel zu bieten hat das Land im Vergleich zu den anderen Laendern Suedamerikas nicht, weswegen es auch nur wenig touristisch erschlossen ist. Deshalb ging es auch am Freitag-Abend direkt nach Ciudad del Este weiter, eine Stadt an der Grenze zu Argentinien und Brasilien, wo wir eine Nacht uebernachtet haben. Um 6 Uhr am naechsten Morgen hiess es aufstehen, da wir so frueh wie moeglich im Nationalpark Iguazú auf der brasilianischen Seite ankommen wollten. Es war mit 2 Grenzuebergaengen und dem ersten Blick auf die Wasserfaelle fuer uns ein ganz besonderer Tag. Puenktlich zur Parkoeffnung waren wir angekommen, kurz darauf konnten wir dann auch die Iguazú-Wasserfaelle in voller Pracht erblicken. In einem vierstuendigen Rundgang haben wir so vieles gesehen, auf einem Steg konnte man von unten sogar ein Stueck in den "Teufelsrachen" hineinlaufen. Trocken blieben wir dabei natuerlich nicht. Das Gefuehl, unterhalb der Faelle zu stehen, war einfach unglaublich. Wir haben es beide sehr genossen und freuten uns schon gleich, dieses Naturspektakel am naechsten Tag von der anderen Seite aus zu sehen. Nach einem Tag in Brasilien ging es am Abend nach Argentinien, in die Kleinstadt Puerto de Iguazú, wo wir uns nach dem anstrengenden Tag erst einmal ein mehr oder weniger leckeres Abendessen goennten. Leider hatten wir das falsche bestellt. Am naechsten Morgen stand dann die argentinische Seite auf dem Programm. Die ersten Eindruecke habe ich ja schon zu Beginn beschreiben, danach ging es auf 2 Rundgaengen durch den Nationalpark, bevor wir dann zum Schluss uns eine Fahrt mit einem Boot in die Wasserfaelle hinein goennten. Das Boot fuhr bis direkt an die Faelle heran, leider dauerte das kleine Abenteuer nur einige Minuten. Aufgrund des Wassers war man auch leider mehr damit beschaeftigt, sich die Augen zuzuhalten. In keinem Augeblick erschien uns das Ganze gefaehrlich, wobei wir uns schon gefragt haben, was passiert, wenn das Boot kentert. Uns war klar, dass die Schwimmwesten dann auch nichts mehr nuetzen. Es war fuer uns ein komisches Gefuehl, ein Tag spaeter zu erfahren, dass an diesem Tag eines dieser Boote gekentert ist und zwei US-Amerikaner dabei gestorben sind und zwei Deutsche verletzt wurden. Der erste Unfall ueberhaupt. Ein Tag davor waren womoeglich wir noch in dem gleichen Boot gesessen. Insgesamt kann ich sagen, dass diese zwei Tage unglaublich schoen waren. Ich kann auch nicht sagen, ob mir die argentinische oder die brasilianische Seite besser gefallen hat. Auf der brasilianischen Seite sieht man die Wasserfaelle im Ganzen, auf der argentinischen mehr im Detail. Ich wuerde wieder beide Seiten besuchen, langweilig war es in keinem Moment. Am Montag haben wir uns dann nach den anstrengenden Tagen einen Tag der Enstpannung in einem Hostel mit Pool gegoennt. Das muss auch mal sein. Am Abend sind wir dann mit dem Bus nach Buenos Aires, der Hauptstadt Argentiniens, aufgebrochen. Die Fahrt sollte 17 Stunden dauern, am Ende waren es dann 20 Stunden. Fuer mich eigentlich unvorstellbar, so lang bin ich hier in Suedamerika noch nie Bus gefahren. Zum Glueck war der Bus super bequem, die Sitze konnte man fast bis auf die Horizontale stellen, es gab Abendessen und Fruehstueck, vergleichbar mit Flugzeugessen. Nach dem Abendessen gab es sogar noch ein Glas Sekt. Willkommen in Argentinien! In Bolivien bin ich froh, wenn ich einen Bus finde, der mich einigermassen sicher ans Ziel bringt, Argentinien erfuellt einen anderen Anspruch, sodass die Busfahrt gefuehlt sehr schnell vorbei war. Um die Mittagszeit kamen wir dann am Dienstag in der Weltstadt Buenos Aires an, wo wir schnell ein sehr gutes Hostel im Stadtzentrum gefunden haben. Am Abend haben wir dann meine Mitfreiwillige Silke am Flughafen abgeholt, die direkt aus Cochabamba angekommen ist. Bis Sonntag haben wir dann Buenos Aires erkundet und das Ambiente dieser so tollen Stadt genossen. Natuerlich ist auch Buenos Aires sehr von der Kolonialzeit gepraegt und wirkt sehr europaeisch. Tolle Strassencafes, huebsche Viertel, beeindruckende Kolonialgebaeude und der ganz besondere Charme machen die Stadt aus. Zu den Highlights gehoerte sicherlich der Friedhof im Stadtviertel Recoleta, wo auch Evita Peron begraben ist, das Kuenstlerviertel "La Boca" mit seinen bunten Gebaeuden, das moderne und reiche Hafenviertel, die Hauptkathedrale und das Regierungsgebaeude "Casa Rozada". Wahrzeichen der Stadt ist der Obelisk auf der zwanzigspurigen Hauptstrasse 9 de Julio, die als die breiteste Strasse der Welt gilt. Gerade bei Nacht wunderschoen anzuschauen. Leider haben wir es aufgrund eines Fehlers unseres Hostelpersonals nicht geschafft, eine Tangeshow anzuschauen. Dafuer haben wir drei Mal die argentinische Kueche genossen, das Fleisch ist einfach super lecker. Ein argentinisches Steak kann man sich nicht entgehen lassen. Desweiteren haben wir in der Kulturnacht das Sinfonieorchester aus Moskau live auf der Buehne vor dem Obelisken erlebt. Die Tage in Buenos Aires waren sehr schoene, auch wenn ich wieder einmal gemerkt habe, dass ich kein Stadtmensch bin. Ich habe es sehr genossen, mit Julia und Silke dies alles zu erleben, da wir uns (fast) immer in unseren Interessen einig waren und das alles wesentlicher einfacher machte. Zu schnell war der Urlaub wieder vorbei, als ich mit Silke am Sonntag-Nachmittag nach Cochabamba zurueckflog. Doch habe ich in dieser doch kurzen Zeit so viel Schoenes gesehen, auf meiner Stippvisite in drei Laendern.

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Di

15

Mär

2011

Farbenspektakel in Oruro

Karneval gibt es nicht nur in Europa, die wohl vielfaeltigsten Kostueme und groessten Umzuege finden in Suedamerika statt. Jeder kennt wohl Bilder vom weltberuehmten Karneval in Rio de Janeiro. Dahin habe ich es nicht geschafft, dafuer war ich in Oruro, einer bolivianischen Stadt, in der alljaehrlich der groesste Karneval des Landes stattfindet, den viele gerne mit dem in Karneval in Rio vergleichen und auf die gleiche Ebene stellen. Der Karneval von Oruro wurde im Jahre 2001 von der UNESCO in die Liste der Meisterwerke des muendlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen. Die Bolivianer widmen den Karneval der Jungfrau der Bergwerksstollen. Er beginnt am Faschingssamstag mit dem grossen Umzug um acht Uhr morgens. Dafuer reisen aus dem ganzen Land Gruppen und Zuschauer an, weswegen die Stadt ueberfuellt ist. Der Umzug ging in diesem Jahr 24 Stunden, nach einer Pause von wenigen Stunden ging es am Sonntag weiter. Die einzelnen Gruppen verkoerpern ein Teil der bolivianischen Geschichte. So lebt die indigene Kultur und Religion in diesem Event immer wieder von Neuem auf. Auch die jahrelange Sklaverei der Schwarzen und Indigenen in Suedamerika wird durch die verschiedenen typischen Taenze und Kostueme ausgedrueckt. Es war echt ein Spektakel der Farben, wie man es in Deutschland nicht kennt. Dazwischen gibt es natuerlich auch Musikgruppen, die die passende Musik zu den Taenzen spielen. Fuer mich als Musiker manchmal kaum zu ertragen, mit den Worten schrill und chaotisch koennte man es gut beschreiben. Intonation ist fuer die Bolivianer ein Fremdwort. Fuer Samstag hatten wir uns einen Platz auf der Tribuene gekauft, auf der Haupttribuene kostet ein Platz fuer einen Tag 45 Euro, man muss sich das mal vorstellen, ich meine fuer bolivianische Verhaeltnisse. Und diese Tribuenen sind voll, ein Bolivianer wuerde echt alles fuer Karneval geben. Waehrend Karneval haben sie einst das Meer an Chile verloren, das zeigt die Wichtigkeit dieses Events. Auf den Tribuenen wird man ganz schoen nass. Es ist Tradition an Karneval mit Schaum zu spruehen und mit Wasserluftballons oder auch mit Farben gefuellten Eiern zu werfen. Unglaublich, diese Bolivianer. Leider war auch das Wetter nicht so gut, Wasser von oben von vorne durch die Ballons. Natuerlich ist Karneval fuer die Bolivianer auch ein Grund, um sich mal wieder so richtig zu betrinken, was zu spaeter Stunde dann schon oft ausartet. Leider. Am Sonntag Morgen wird dann um vier Uhr auf dem Platz vor der Kirche auf dem Berg die Sonne begruesst. Dazu versammeln sich alle Musik- und Tanzgruppen und geben ihre Musik und Taenze zur Ehre der Sonne zum Besten. Am Montag wird dann der Abschied vom Karneval noch einmal gebuehrend gefeiert. Ich habe es sehr genossen, den einen Tag bei diesem grossen Ereigniss dabei zu sein. Es war wirklich Kultur pur und von meiner gewohnten Fasnacht in Deutschland so verschieden. Ich geniesse es sehr, immer wieder in die Kultur meines Gastlandes Bolivien einzutauchen.

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So

13

Mär

2011

Alles Neu!

Als ich am 15. Februar aus Chile zurueckkam, hat sich bei der Arbeit so Einiges geaendert. Am 10. Februar wurde das neue Kindergartengebaeude feierlich eingeweiht. Neben der Praesidentin der Stiftung Cristo Vive Karoline Mayer und dem Praesidenten der luxemburgischen Organisation, die den Bau finanzierte, waren eine Menge Freunde und Foerderer der Stiftung Cristo Vive nach Tirani eingeladen. Es war ein grosses Fest, bei dem ich leider nicht dabei sein konnte. Bis heute sind jedoch zwei Raeume und die Kueche noch nicht fertiggestellt, weshalb wir im Moment ziemlich improvisiert arbeiten. Ja, in Bolivien kann eine Einwiehung auch stattfinden, wenn der Bau noch nicht vollendet ist.

Mit dem neuen Jahr habe ich nun auch eine neue Kindergartengruppe bekommen, die Erzieherin, mit der ich zusammenarbeite, habe ich zum Glueck beibehalten. Viele meiner Kindergartenkinder, mit denen ich im letzten Jahr gearbeitet haben, sind jetzt schon in der Vorschule, nur wenige sind mir geblieben. So muss ich mich jetzt erst wieder von Neuem auf die Kinder einstellen, was ein bisschen Zeit in Anspruch nehmen wird. Wenn wir demnaechst dann auch von unserem improvisierten Raum in unseren endgueltigen ziehen werden, wird uns ein eigenes Bad mit drei eigenen kleinen Toiletten und Waschbecken sowie ein eigenes Depot zur Verfuegung stehen. Auch sind die jetzigen Raeume doppelt so gross wie die im letzten Jahr, was das Arbeiten leichter macht. Aus diesem Grund wird jetzt auch die Zahl der Kindergartenkinder von ungefaehr 40 im letzten Jahr auf 100 aufgestockt, da wir anstatt drei nun fuenf Kindergartengruppen haben. Ich bin froh, wenn Ende April wahrscheinlich das Gebaeude endlich komplett fertiggestellt ist. Die Kinder fuehlen sich richtig wohl in den grossen Raeumlichkeiten, viele befinden sich noch in der Eingewoehnungsphase, was immer mit sehr viel Geschrei verbunden ist. Schon von Anfang an sind wir dabei, klare Regeln und Strukturen in unserer Gruppe vorzugeben, um aus den Fehlern des letzten Jahres zu lernen. Vorletzte Woche haben wir am Freitag mit den Kindern Karneval gefeiert. Wir haben Masken gebastelt, unseren Saal mit Luftschlangen und Luftballons verziert und dann natuerlich auch einen Tanz aufgefuehrt. Es hat allen Kindern und auch den ErzieherInnen der Einrichtung richtig Spass gemacht. 

Die Hausaufgabenbetreuung besteht im Moment auch nur auf improvisatorischer Basis, da die zukuenftigen Raeumlichkeiten im Moment noch als Kueche benutzt werden. So werden wir unsere konkreten Planungen so typisch bolivianisch wieder neu machen, wenn es dann endgueltig ab Anfang April nach Plan losgeht und man weiss, wie viele Kinder jetzt schlussendlich dieses Jahr eingeschrieben sind. Dann werden wir Freiwilligen uns auch auf neue Arbeitskollegen in der Hausaufgabenbetreuung einstellen muessen, da das Team fast komplett ausgewechselt wird. Aufgrund dieser Dinge ist mein Tagesablauf im Moment auch nicht so streng geregelt, sodass ich oft da bin, wo gerade Hilfe benoetigt wird. Ich bin froh, wenn ich jedoch wieder fest in den verschiedenen Diensten eingeplant bin. Man kann gespannt sein, wann es soweit sein wird!

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Di

22

Feb

2011

Zwischenseminar und Urlaub in Chile!

Als ich am 29. Januar in La Paz ins Flugzeug in Richtung Santiago de Chile einstieg, konnte ich nicht so recht glauben, dass ich auf dem Weg zum Zwischenseminar bin, was bedeutet, dass seit meinem Abflug in Deutschland schon ein halbes Jahr vergangen ist. Das Zwischenseminar fand dieses Jahr fuer uns bolivianische und chilenische Freiwillige meiner Entsendeorganisation „Amntena e. V.“ in La Serena in Chile statt. Diese Gelegenheit der weiten An- und Abreise durch das halbe Chile habe ich zusammen mit Daniel dazu genutzt, noch ein bisschen Urlaub in Chile zu machen, wozu ich meine ersten Urlaubstage ueberhaupt in Anspruch genommen habe. Und dies war wirklich notwendig. Nach einem halben Jahr ohne einen einzigen Urlaubstag war die Zeit gekommen, ein bisschen Abstand zu gewinnen und natuerlich dann auch auf dem Seminar ueber das zurueckliegende halbe Jahr zu reflektieren. Die Arbeit hatte mich schon sehr viel Kraft gekostet, was auch daran liegt, dass ich vorher nur wenig Erfahrung in der Arbeit mit Kindern im Kindergartenalter hatte. So war es sehr wichtig, ein paar Tage zu entspannen. Ja, nun aber ein bisschen zu meiner Reise. Am 29. Januar kamen Daniel und ich am Flughafen in Santiago de Chile an und wurden von einem chilenischen Freiwilligen der Stiftung in Empfang genommen. Kurz darauf hatten wir das Glueck, Hermana Karoline, die Praesidentin und Gruenderin der Stifung Cristo Vive in ihrem Haus in Santiago zu treffen. Es ist immer wieder unglaublich zu sehen, welch eine Lebensfreude sie ausstrahlt. Ich freue mich immer riessig, wenn ich sie sehe. Am naechsten Morgen haben wir dann auf eigene Faust eine Stadttour gemacht und uns die wichtigsten Sehenswuerdigkeiten der Hauptstadt von Chile angeschaut. Dazu gehoerte natuerlich der Hauptplatz, die Kathedrale, ein Denkmal fuer die indigene Bevoelkerung, den Regierungspalast, die Universitaet , die Boerse und noch vieles mehr. Auch wenn die Hitze Santiagos uns schwitzen ließ, haben wir viel Schoenes gesehen. Alles in allem ist Santiago eine sehr europaeische Stadt, stark gepraegt von den Spaniern. Chile ist wohl mit Argentinien das weit entwickeltste Land Suedamerikas, was bei mir fuer einen kleinen Kulturschock gesorgt hat, da ich natuerlich den direkten Vergleich mit Bolivien habe, das 30 bis 40 hinter Chile zurueck ist. Chile hat sich nach der Diktatur von Pinochet in den letzten 20 Jahren in hohem Maße weiterentwickelt, was mich auch fuer die anderen aermeren Laender Suedamerikas hoffen laesst. Auch das Preisniveau ist ungefaehr doppelt bis dreifach so hoch wie in Bolivien. Nach einem Tag in Santiago ging es am Sonntag-Abend weiter in Richtung Sueden nach Pucon. Pucon ist eine kleine Stadt im chilenischen Seengebiet, was landschaftlich sehr an die Schweiz erinnert, weshalb diese Region auch den Namen chilenische Schweiz traegt. Gruene Waelder, Seen und kleine Holzhaeuschen waren fuer meine Augen mal wieder etwas Neues, da es das in Bolivien nicht in der Form gibt. In Pucon sind wir am ersten Tag auf dem See Kanu gefahren, am zweiten Tag haben wir dann den Vulkan Villarica bestiegen, was mein persoenliches Highlight in Chile war. Der Vulkan gehoert zu den 10 aktivsten Vulkanen der Erde, vor 23 Jahren ist er das letzte Mal ausgebrochen. Der Aufstieg mit Steigeisen ging 4 Stunden, der Abstieg mit Rodler gerade einmal eine halbe Stunde. Von oben hatte man natuerlich eine super Aussicht ueber das ganze Gebiet, leider kann das kein Foto wiedergeben. Am naechsten Tag fuhren wir nach Valdivia weiter, was an dem Zusammenfluss von zwei Fluessen liegt. Diese Landschaft hat mich dann ein bisschen an den Rhein oder auch Holland erinnert, sodass die Reise in den Sueden von Chile fuer mich ein bisschen eine Heimkehr nach Europa war. In Valdivia habe ich einfach mal die Ruhe genossen, was im Park der Universitaet super moeglich war. Am Donnerstag haben wir dann eine Festungsanlage besucht, von der aus die spanischen Kolonialherren die indigene Bevoelkerung von Chile bebombt haben, als diese Aufstaende machten. An diesem Abend stand dann die Nachtfahrt mit dem Bus nach Santiago an. Das Busfahren in Chile ist super angenehm, die Panamericana, die von Alaska nach Feuerland fuehrt, ist eine zweispurige Autobahn, sowas gibt es in Bolivien nicht. Am Freitag haben wir dann die Einrichtungen der Stiftung in Santiago angeschaut, es ist unglaublich, was Schwester Karoline da in den letzten Jahren auf die Beine gestellt hat. Leider haben die chilenischen Kinder im Februar Ferien, weswegen wir nur die Gebaeude sehen konnten, was trotzdem sehr interessant war. Am Samstag habe ich mich alleine auf den Weg gemacht. Mein Ziel war zuerst einmal Isla Negra, das Dorf, in dem Pablo Neruda, chilenischer Schriftsteller und Friedensnobelpreistraeger gewohnt hatte, um den sich meine Pflichtlektuere fuer das Spanisch-Abitur drehte. Sein Haus liegt am Meer und hat seinen ganz eigenen Charme. Man muss es gesehen haben, beschreiben kann ich es nicht. Danach bin ich nach Valparaiso, der weltbekannten Hafenstadt, weitergefahren.Vor der Eroeffnung des Panama-Kanals war der Hafen der wohl wichtigste Umschlagplatz Suedamerikas. Heute hat er seine Bedeutung verloren. Ich habe mir die Stadt angeschaut und bin dann mit einem der weltbekannten Aufzuege hochgefahren ,von wo aus ich einen super Blick ueber die Stadt hatten, die wunderschoen in einer grossen Bucht liegt. Am Sonntag haben wir dann zusammen einen der vielen Huegel Santiagos mit dem Fahrrad bestiegen. Von oben hatten wir einen super Ausblick ueber die riessige Stadt, auch wenn der Smog einen richtig weiten Blick leider nie zulaesst. Damit haben wir uns dann aus Santiago verabschiedet und sind nach La Serena zum Zwischenseminar gefahren. Es war eine Freude, alle Freiwilligen nach einem halben Jahr wieder zu sehen. Wir haben ueber Hoehen und Tiefen, Probleme in kultureller Hinsicht, ueber die Projekte, ueber unsere Erfahrungen mit den Kindern und vieles mehr gesprochen. Es war ein interessantes Seminar, das nicht nur vom Austausch in der Sitzungszeit, sondern auch ausserhalb gespraegt war. Ich war sehr froh, ueber meine Eindruecke des Entwicklungsstandes von Chile mit den Freiwilligen aus Santiago zu sprechen und so meine Meinung zu festigen.Auch war es natuerlich schoen, dass sich die Freiwillige aus Chile fuer unsere Arbeit in Bolivien interessierten, was insgesamt ein super Austausch darstellte. Oft hat man dann gemerkt, dass die Probleme und Schwieriegkeiten auch im Umgang mit der Mentalitaet der Suedmerikaner gleich sind. Mit schoenen Tagen der Reflexion und auch neuen Erkenntnissen ging es dann nach dem Seminar eine Woche spaeter am Samstag-Abend mit dem Bus in Richtung Cochabamba los. Da eine 50-stuendige Busfahrt nicht am Stueck zu meistern ist, haben wir uns dazu entschieden, da uns auch zwei Urlaubstage extra fuer diese doch lange und anstrengende Reise zustanden, auf dem Weg noch ein bisschen was von Chile anzuschauen. In Antofagasta hatten wir nur kurz Zeit um uns die Stadt anzuschauen, weil wir auf der Durchreise nach Calama in die Atacama-Wueste waren. Dort wollten wir eigentlich eine Minentour machen, was aber nicht moeglich war, weshalb wir nach San Pedro de Atacama weitergefahren sind. Dieses weltbekannte Oase in der Wueste ist sehr sehenswert, auch wenn es mittlerweile leider sehr touristisch ist. Am Montag haben wir dann das Valle de la luna („Mondtal“) besichtigt, zusammen mit dem anschliessenden Sonnenuntergang ein wunderschoenes Erlebniss. Danach haben wir die Nacht unter Sternenhimmel in der trockensten Wueste der Erde verbracht. Am Dienstag stand dann zum Abschluss in San Pedro Sandboarden an. Da ich noch nie auf einem Snowboard gestanden bin, war das fuer mich eine Premiere. Aber schon nach kurzer Zeit ging es ganz gut, sodass es auch richtig Spass machte. Am Mittwoch verbrachten wir dann noch den Morgen in Iquique am Meer, bevor es am Nachmittag nach Cochabamba ging, mit einem bolivianichen Busunternehmen und bolivianischen Strassen, besser gesagt Schotterpisten. Zuletzt war ich dann froh, wieder hier zu sein. Ich habe Bolivien doch vermisst. Am Donnerstag stand dann eigentlich wieder Arbeiten an, doch gab es mal wieder Streik und keine Moeglichkeit, nach Tirani zu kommen. Mir wurde klar, ich bin wieder in Bolivien. Am Freitag war dann mein erster Arbeitstag, es hat sich so Einiges geaendert. Der neue Kindergarten ist eingeweiht und auch viele neue Kinder sind fuer dieses Jahr eingeschrieben. Im Moment sind noch Wenige da, was das Arbeiten leicht macht. Das wird sich aber bald aendern. Ich bin froh, die Kinder wieder um mich herum zu haben, nach zwei Monaten Schulferien habe ich sie richtig vermisst!

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Sa

22

Jan

2011

Gartenarbeit, Streichen und Planen

Mit diesen drei Worten kann man treffend die derzeitige Arbeit in der Einrichtung beschreiben. Da wir immer noch keine Kinder haben, bleibt Zeit, um einige Dinge grundlegend zu veraendern. In den zwei Wochen um den Jahreswechsel hatte das Team Urlaub, das heisst, dass nur zwei Angestellte und wir Freiwillige in der Einrichtung gearbeitet haben. Unsere Aufgabe war es, den neuen Innenhof des Kindergartens mit Rasen zu versehen. Da wir hier in Bolivien sind, war das alles nicht ganz so einfach. Normalerweise bereitet man den Boden mit guter Erde vor und saeht dann den Rasen darueber und wartet einfach nur ab. Da es in Tirani so viele Steine gibt und die Erde von so schlechter Qualitaet ist, bleibt nur eine Moeglichkeit: Den Rasen an einer anderen Stelle aus der Erde nehmen um ihn dann neu zu verplanzen. Dies hat sich als eine sehr anstrengende Arbeit herausgestellt, da der Innenhof ziemlich gross ist. Doch nach zwei Wochen konnte man zumindest einen kleinen Erfolg sehen, mittlerweile ist fast der ganze Innenhof bedeckt. Neben der Arbeit in den Gaerten steht die Dekoration der Raeume an. Friedrich, mein Mitfreiwilliger, ist gerade dabei, ein neues Wandbild in einem der Raeume zu gestalten, das dann noch ausgemalt werden muss. Mittlerweile sind alle Raeume in neuen Farben gestrichen. Da wird hoffentlich das Lernen leichter fallen! Die Erzieherinnen gestalten nebenher Buchstaben, Zahlen, Figuren und Tiere in den verschiedensten Ausfuehrungen, um damit die Waende zu verschoenern. Die wohl groesste Arbeit aber liegt in der Planung des neuen Jahres. Da im Kindergarten die Planung relativ gut klappt, arbeite ich momentan an der Planung fuer den Apoyo Escolar mit. Da erst in den naechsten Wochen die zwei neuen Mitarbeiter kommen, machen wir Freiwillige die Hauptarbeit. Gerade meine Mitfreiwillige aus Luxemburg, die Lehrein ist und eine jede Menge an Berufserfahrung hat, bringt mit super Ideen die Planung voran. Neben der groben Jahresplanung sowie der Planung fuer den Monat Februar haben wir die Formulare fuer die Einschreibungen vorbereitet ein ein neues Gesamtkonzept fuer den Apoyo erarbeitet. So wie im letzten Jahr kann es naemlich nicht weitergehen. Mal schauen, wie schnell sich die Dinge umsetzen lassen, es wird Monate, wenn nicht sogar Jahre dauern, der Anfang ist aber schonmal gemacht. Jetzt muessen nur noch die neuen Mitarbeiter mit an unserem Strang ziehen. Auch erstellen wir gerade kleine Tests fuer die SchuelerInnen in den verschiedenen Faechern, um gleich festzustellen, wo verstaerkt Hilfe gebraucht wird. Der Apoyo soll in diesem Jahr nicht nur ein Ort sein, wo die Hausuafgaben gemacht werden, sondern auch ein Ort, wo eine individuelle Unterstuetzung zur Behebung der Grundschwierigkeiten gegeben ist. All dies ist eine eine andere Arbeit, die aber fast noch mehr Kraft und Konzentration kostet als die Arbeit mit den Kindern. Deswegen bin ich auch froh, dass ich am Freitag endlich mal wieder auf Reise gehen kann. Ich werde zweieinhalb Wochen in Chile sein, davon habe ich 5 Tage Zwischenseminar, den Rest der Zeit werde ich dazu nutzen, ein bisschen von Chile zu entdecken. Ich freue mich riessig. Ihr koennt gespannt auf den Bericht und die Bilder sein!

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Mo

03

Jan

2011

Weihnachten, Silvester und die Benzinpreiserhoehung.

Bewoelkter Himmel, angenehme 25 Grad und die Strassen voller Menschen, so sieht ein 24. Dezember hier in Cochabamba aus. Dieser Heiligabend war fuer mich in aller Hinsicht etwas Neues. Es fing schon am Morgen an. Zum Glueck mussten wir nicht arbeiten, sodass ich noch am Morgen meine Weihnachtsgeschenke einkaufen konnte, da ich vorher einfach keine Zeit dazu hatte. Jahrelang habe ich mich immer gefragt, warum dass viele diesen Einkauf immer bis auf den letzten Tag anstehen lassen, und jetzt habe ich es selbst so gemacht. Am Nachmittag hatten wir einige Arbeitskollegen zu uns in die Wohnung eingeladen, so typisch bolivianisch kamen sie mit fast zwei Stunden Verspaetung an, mein ganzer Plan war dahin, man sollte hier einfach nichts planen. So habe natuerlich auch ich mich verspaetet. Da es auch fast keine Micros gab, bin ich dann erst um halb sieben in Tirani eingetroffen, hatte ich doch eigentlich um fuenf Uhr oben sein wollen. Aber na gut. In Tirani habe ich dann Lourdes, ihren beiden Kindern Marianella und Manuel und der Mutter von Lourdes´ Mann Reinaldo geholfen, die Kartoffeln zu waschen und den Mais und das Huhn vorzubereiten. Danach bin ich dann wieder in die Stadt gefahren. Um halb 10 begann die Christmette in einer kleinen Kapelle im Zentrum der Stadt. Eine Stunde vorher wollten wir uns eigentlich mit dem Chor treffen, um nochmal eine letzte Probe vor der Messe zu machen. Diese Probe begann dann 10 Minuten vor Beginn der Messe, erst da waren wir vollzaehlig, und es war natuerlich auch keine Probe, sondern ein Einsingen mit zwei Stuecken. Doch trotzdem war diese Messe fuer mich eine der schoensten in meinem Leben, es war einfach ein riesiges Gefuehl, mit „meinem“ Chor diese Christmette zu begleiten. Wir waren 15 Personen, so viele, wie noch nie. Drei Violinen, zwei Bratschen, ein Cello, eine Gitarre, fuenf Saengerinnen und drei Saenger. Nach dieser Messe war ich dann zum ersten Mal in Weihnachtsstimmung. Mit Reinaldo, seinem Bruder, seinem Sohn Manuel, Paul, meinem Mitfreiwilligen, die alle auch in der Kirche waren, gings dann auf wieder nach Tirani. Dort warteten wir dann auf zwoelf Uhr. Um Punkt zwoelf gibt es naemlich die cena navideña, das Weihnachtsessen. Bei uns gab es Huehnchen, Mais, Kartoffeln aus dem Ofen und natuerlich Salat. Jeder konnte sich nach seinem Belieben bedienen. Normalerweise sollte der Weihnachtsabend in der Wohnung im 2. Stock verbracht werden, wo es auch ein blinkender Plastikweihnachtsbaum und eine Krippe gab, da aber noch die ganze Grossfamilie von Lourdes mitfeierte, hatte der Platz nicht ausgereicht, sodass im ersten Stock so ganz ohne weihnachtliches Ambiente gefeiert wurde. Zu Beginn lief dann auch noch der Fernseher, nach dem Essen wurde Karaoke gesungen. Ganz witzig irgendwie. Kurz vor dem Essen wird mit Wein angestossen, frohe Weihnachten und auch gleich schon ein frohes neues Jahr gewuenscht. Draussen hoert man dann noch ein Feuerwerk, dies alles hat mich irgendwie an unser Silvester erinnert. Geschenke spielen hier in Bolivien keine grosse Rolle, normalerweise schenkt man nur den Kindern etwas, die beiden Kinder haben jeweils ein Geschenk von einer Tante und einem Onkel bekommen, Manuel ein Spielzeugauto und Marianelle eine Puppe. Wir haben der ganzen Familie ein Gesellschaftsspiel geschenkt. Da Lourdes keine Zeit hatte, Geschenke fuer ihre Kinder zu kaufen, bekommen sie diese einfach spaeter. Hier ist es normal, dass man die Geschenke bis zu den Heiligen Drei Koenigen am 6. Januar verteilt. Erwachsene untereinander schenken sich gewoehnlich nichts. Der Weihnachtsabend klingt nach dem Essen dann schon aus, es wird noch Bier getrunken, wir sassen im Kreis, oft war es einfach still. Einige der Familie gingen schon gleich ins Bett, andere haben sogar das Essen verschlafen, wieder andere schliefen beinahe auf ihren Stuehlen ein. Um halb drei haben wir, Paul und ich, uns dann verabschiedet. Typisch bolivianisch waere jetzt gewesen, noch in die Disco zu gehen. Das machen die meisten Jugendlichen, nachdem sie mit ihrer Familie gegessen haben. Wir waren aber auch so muede, dass wir unser Bett der Disco vorzogen. So ging ein ganz anderer Heiligabend zu Ende. Wir haben gemerkt, dass Weihnachten zumindest auf dem Land keine so wichtige Bedeutung wie bei uns hat. Am 25. Dezember, auch hier in Feiertag, was die Bauarbeiter in Tirani nicht vom Arbeiten abhaelt, waren wir zum Mittagessen bei unserer Kollegin Lidia, die aus Luxemburg stammt und als Freiwillige bei uns im Apoyo arbeitet, zum Mittagessen eingeladen. Es gab ein leckeres Haehnchen-Cordon-Bleu mit Gemuesebeilage und Kartoffelbrei. Da habe ich mich wenigstens ein bisschen an Europa versetzt gefuehlt. Am Nachmittag habe ich dann mit meiner Grossfamilie in Deutschland geskypt, ein schoenes Gefuehl, alle per Kamera an Weihnachten zu sehen. Am Abend waren wir dann wieder  einmal auf einem Geburtstag einer Arbeitskollegin in Tirani eingeladen. Es war ein zwanzigster Geburtstag, der mich so ein bisschen an die Hochzeit von Lucy erinnert hat. Hier feiert man den 20. Geburtstag sehr gross mit vielen Gaesten, da freue ich mich ja schon auf den 25. Mai. Der 26. Dezember war dann ein ganz normaler Sonntag. An Silvester wollte ich eigentlich an den Titikakasee reisen. Doch am 26. Dezember verkuendete Staatspraesident Evo Morales, dass die Benzinpreise in Bolivien nun um fast das Doppelte steigen. Was fuer ein schoenes Weihnachtsgeschenk. Der Grund ist Folgender: Da Evo Morales alle Energieunternehmen verstaatlicht hat, hat er die voellige Gewalt ueber den Energiesektor. Hier in Bolivien werden sehr viel Energierohstoffe gefoerdert und exportiert. Um die Kosten fuer das Benzin fuer die Bolivianer niedrig zu halten, subventioniert der Staat die Foerderung. Folge davon ist natuerlich, dass Chilenen, Perunaner oder Argentinier hier in Bolivien ihr Benzin kaufen und ueber die Grenze schmuggeln. Um dies zu verhindern, hat Evo die Subventionen gestrichen. Schon am naechtsen Tag sind die Fahrtkosten um fast das Doppelte gestiegen, genauso wie die Kosten fuer diverse Lebensmittel. Natuerlich protestierten die Bolivianer gegen diese Erhoehung, in La Paz brennten Autos auf den Strassen, es wurde gepluendert und der Ruecktritt von Evo Morales gefordert. Auch in Cochabamba wurden Feuer auf den Strassen gelegt und Demonstrationsmaersche gestartet. Am Donnerstag wurde gestreikt, sodass es keine Busse gab, so fiel meine Reise flach. Zwei Menschen sind bei den Demos ums Leben gekommen, viele wurden verletzt. Um die Situation zu entschaerfen und auch seinen eigenen Stuhl zu retten, hat Evo Morales am Freitag das Gesetz zuerueckgenommen. Nun ist wieder alles beim Alten. Fuer uns ist es unverstaendlich, wie man so ein Vorhaben von einem auf den anderen Tag durchsetzen will, es waere sinnvoll gewesen, den Preis ueber mehrere Jahre schrittweise zu erhoehen und gleichzeitig natuerlich auch die Loehne. Mal schauen, wie sich das entwickelt. So habe ich Silvester hier in Cochabamba gefeiert. Ueber den Jahreswechsel war ich mit meinem Mitbewohner und einem Freund auf unserer Dachterasse. Traditionell haben wir mit Sekt angestossen und 12 Weintrauben gegessen, symbolisch fuer die naechsten zwoelf Monate. Das Feuerwerk ueber Cochabamba war nicht ganz so spektakulaer. Normalerweise verbringen die Jugendlichen den Jahreswechsel in der Disco, bei irgendwelchen Hausparties oder bei grossen organisierten Feiern in Salons, die unglaublich hohe Eintrittspreise verlangen. Ich war mit zwei bolivianischen Freundinnen zuerst in einer kleinen Disco, danach auf einer Hausparty. Am ersten Januar war schon wieder ein Geburtstag, dieses Mal von Justina, die sich bei uns in der Einrichtung um die Gaerten und Beete kuemmert. Es war eine ruhige Feier, mit sehr leckerem Essen und mal ohne Tanzen. Mit den letzten Verbliebenen haben wir dann „Ich packe meinen Koffer“ gespielt, den Bolivianern hat es gefallen. So habe ich meinen Jahreswechsel gefeiert, das Fondue hat mir irgendwie schon gefehlt, aber gut. Jetzt geht es wieder in den Alltag, nach den vielen Feiern. Aber schon Anfang Februar reise ich ja zum Zwischenseminar nach Chile. Ich freue mich schon jetzt! Hasta luego ...

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Mi

22

Dez

2010

Da war was los ...

In den letzten beiden Wochen ging es bei uns in der Einrichtung drunter und drueber, wie man so schoen sagt. Neben den Adventsbesuchen stand nun dann auch noch die Austellung der gemachten Arbeiten als auch unsere Weihnachtsfeier fuer alle Kinder und deren Eltern an. Da das natuerlich nicht genug ist, waren wir letzte Woche auch noch auf der Hochzeit unserer Koechin Lucy eingeladen. Davon moechte ich gerne ein bisschen naeher erzaehlen. Die dreitaegige Hochzeit begann am Samstag-Nachmittag mit einer Messe in der Stadt. In der Einladung stand geschrieben, dass die Messe um 15.30 Uhr beginnt, sodass wir uns schon Sorgen machten, weil wir erst zehn nach halb drei in der Kirche ankamen. Wie so oft haben wir vergessen, dass wir in Bolivien sind. Wir deutschen Freiwilligen waren mal wieder einmal die Ersten. Die Kirche wurde noch von der Hochzeit davor abdekoriert und auch das Brautpaar war noch nicht zu sehen. Irgendwann erfuhren wir dann, dass die Messe erst um 16 Uhr beginnt. Da jeder weiss, dass die Bolivianer immer zu spaet kommen, wurde auf der Einladung eine halbe Stunde frueher angegeben. Als die Kirche dann kurz nach vier begann, waren ungefaehr die Haelfe der Gaeste anwesend, die anderer Haelfte kam dann im Laufe der Messe hinzu. Da es eine katholische Messe war, war mir die Liturgie bekannt. Es war sehr lustig, dass die Tuer der Kirche aufstand und deshalb eine vorbeiziehende Folklore-Parade dem Priester und dem Saenger in der Kirche die Show stahl. So etwas passiert nur in Bolivien. Vor der Kirche wurde dann dem Brautpaar gratuliert, waehrenddessen wurde man mit einer Art Konfetti gemischt mit Zucker beworfen, das soll wohl Glueck bringen. Von der Kirche ging es dann auf nach Tirani, wo die Feier in Lucys und Juvenals Haus stattfand. Zu Beginn musste das Brautpaar mit allen Paten tanzen. Hier in Bolivien ist es ueblich, dass es fuer jeden Teil der Feier einen Paten gibt, so gibt es zum Beispiel den Paten fuer die Musik, die Torte, die Blumen u.s.w.. Diese Paten helfen dann bei der Organisation dieser Dinge. Nach den vielen Taenzen gab es dann natuerlich auch was zu Essen. Pollo al horno, dass heisst, Haehnchen aus dem Ofen, eines der Lieblingsgerichte der Bolivianer, mit Kartoffeln und Salatbeilage. Natuerlich wurde mit der Hand gegessen, fuer rund 250 Gaeste gibt es kein Besteck. Den restlichen Abend haben wir dann mit Tanzen verbracht, an den ersten beiden Tagen hat eine Live-Band gespielt, so laut und schraeg, dass uns teilweise die Ohren schmerzten. Der Sonntag war dann der Tag der Geschenke und den Cholitas. Fast ganz Tirani war eingeladen, manche kamen drei Tage, andere nur einen Tag, und brachten dann am Sonntag ihre Geschenke. Kleiderschraenke, Betten, einen Herd mit Ofen und natuerlich vieles mehr. Nach dem Essen traten dann 3 Cholitas auf, die um ihr Leben tanzten und zumindest fuer kuze Zeit den schrecklichen Sound der anderen Gruppe ausschalteten. Am Montag, dem letzten Tag der Hochzeit, kamen nur noch Wenige. Viele mussten wohl noch den Rausch der Vortage abbauen. Montags wird traditionsgemaess das geschenkte Geld vor den Augen ller gezaehlt um heruaszufinden, ob denn nun der Mann oder die Frau gewonnen hat. In unserem Fall hat Juvenal seine Braut Lucy eindeutig besiegt. Wie alle Geschenke, wurde auch das Geld mit einer Bierdusche versehen, das soll Glueck bringen. Genauso wie die Haelfte der Chicha, die zu Ehren der Pachamama auf den Boden gekippt wird. Die drei Tage Hochzeit in Tirani haben mir gezeigt, dass dieses Fest eigentlich nur zum Trinken genutzt wird. So viele Betrunkene auf einem Fleck habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Trotzdem bin ich sehr froh, dabei gewesen zu sein, ich will ja schliesslich so richtig ins bolivianische Leben eintauchen. Diese Hochzeit wird wohl die erste als auch die letzte sein, die ich miterlebt habe, da man hier nur in geraden Jahren heiratet und meistens auch im Dezember. Eine Hochzeit im Jahre 2011 wuerde Unglueck bringen, so zumindest die Ansicht auf dem Lande. Nach der Hochzeit, am Dienstag, hatten wir dann die Ehre, unsere Kinder und Jugenlichen in unserer Wohnung zum Adventsbesuch zu empfangen. Den Kindern hat es riessig Spass gemacht, bei uns auf der Terasse zu sein, schon der Weg von Tirani in die Stadt mit ihren Freunden war ein Abenteuer. Die letzte Woche habe ich nicht wie gewohnt im Kindergarten, sondern in der Kueche mit unserer Koechin Lourdes verbracht. Da sie weiss, dass ich gerne backe, hat sie mich gefragt, ob ich ihr helfen will, 600 Weihnachtsplaetzchen und 30 Kuchen zu machen. Natuerlich habe ich ihr geholfen und wir haben es wirklich geschafft, in drei Tagen das Ziel zu erreichen. Am Donnerstag haben wir dann die Handarbeiten der Kinder ausgestellt, damit die Eltern sehen, was die Kinder so bei uns machen und lernen. Bedauerlicherweise sind an diesem Morgen nur vier Muetter gekommen. An diesem Problem muss in Zukunft stark gearbeitet werden, um die Eltern mehr in die Verantwortung zu ziehen und das Interesse an ihren Kindern zu verstaerken. Am Freitag fand dann unsere Weihnachtsfeier der ganzen Einrichtung in Tirani statt. Neben den Kindern waren auch die Eltern und Geschwister eingeladen. Dieses Mal war unser Salon richtig voll. Nach dem gemeinsamen Mittagessen gab es eine Fuehrung fuer die Eltern durch den neuen Kindergarten, Spiele fuer die Kinder, ein kleines Theater ueber die Weihnachtsgeschichte und dann die Geschenke fuer jedes Kind. Dazu gehoerten dann auch ein Stueckchen Kuchen und fuer jeden drei unserer selbstgemachten Plaetzchen. Es war der letzte Tag, an dem Kinder in der Einrichtung waren. Erst ab Februar nach der Einweihung des Kindergartens werden wir wieder Kinder in der Einrichtung machen. Doch es wird uns nicht langweilig. Momentan sind wir dabei, den gesamten Kindergarten auszuraeumen, da wir ja in das neue Gebaeude ziehen. Auch streichen wir die Waende neu, weil die alten Kindergartenraeume nun dem Apoyo gehoeren. Eine andere Arbeit, aber auch mal schoen. Es ist kaum zu glauben, dass in drei Tagen Weihnachten ist. Trotzdem freue ich mich schon sehr darauf, da ich Heiligabend in Tirani verbringen werde. Euch allen, die so fleissig meine Blogeintraege lesen, wuensche ich an dieser Stelle ein frohes, besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2011!

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Mo

06

Dez

2010

Advent, Advent ...

Wir schreiben den 5. Dezember 2010, zumindest nach bolivianischer Zeit. Vor genau vier Monaten bin ich von Deutschland aus in mein grosses Abenteuer aufgebrochen. Es kommt mir vor, als sei es gestern gewesen. Wie schnell doch die Zeit vergeht. Dezember bedeutet normalerweise fuer mich Minusgrade, Schnee und eine besinnliche Adventszeit. Doch davon ist hier in Bolivien keine Spur. Bei 30 Grad und Sonnenschein kommt keine so richtige Weihnachtsstimmung auf, da nuetzen auch der Aventskranz und die Weihnachtsplaetzchen nichts, die wir letzte Woche gemacht haben. Die Regenzeit, die eigentlich jetzt beginnen sollte, laesst so typisch bolivianisch auch auf sich warten. Vor zwei Wochen war der erste Tag, an dem es mal so richtig geregnet hat, sodass die ganzen Strassen ueberflutet waren. Aber seitdem gab es wieder hoechstens zwei bewoelkte Tage. Irgendwie total seltsam. Cochabamba hat sich nun in eine nordamerikanische Weihnachtslandschaft verwandelt. Ueberall haengen Lichterketten, funkelt Weihnachtsschmuck und auch auch die sich bewegenden Weihnachtsmaenner in den Schaufenstern fehlen nicht. Fuer meinen Geschmack ist das alles ein bisschen uebertrieben, aber die Bolivianer stehen auf Funkeln und Glitzern, umso mehr, umso besser. In Tirani merkt man davon nicht viel. Um doch ein bisschen Weihnachtsstimmung zu verbreiten, besuchen wir momentan jeden Tag am Nachmittag die Familien mit einem Adventskranz, einer Bibelgeschichte und ein paar Liedern, natuerlich wird danach auch was getrunken und Kekse gegessen. Diese Tradition besteht schon seit mehreren Jahren und ist eine wirklich gute Sache. Zur Vorbereitung haben wir mit den Kindern die Zweige fuer die Adventskraenze gesammelt, natuerlich gibt es hier keine Tannenzweige und auch die Art, wie die Kraenze gemacht werden, unterscheidet sich von unsrer in Deutschland. So konnte ich unsere Methode zeigen und die Bolivianer waren ganz ueberrascht, wie schoen man doch solche Kraenze machen kann. Des Weiteren machen wir mit den Kindern im Apoyo nun auch Weihnachtskarten und Weihnachtsschmuck, was ihnen riessig Spass macht. Durch die Haeuserbesuche bekommen wir Freiwilligen nun auch einen Einblick, wie die Menschen in Tirani leben. Doch trotz allem bleiben die Tueren der Haeuser immer geschlossen, auch die Eltern der Kinder nehmen nicht an der kleinen Feier teil. Die Menschen in Tirani sind verschlossen, haben teilweise auch Angst vor uns Frewilligen, sogar vor den bolivianschen Angestellten der Stiftung. Trotzdem sind die Familienbesuche immer wieder sehr schoen und stimmen wenigstens ein bisschen auf Weihnachten ein. Die Arbeit ist deswegen momentan sehr entspannt, nach vier Monaten fuehle ich mich nun so richtig in der Arbeit angekommen. Alle Kinder kennen mich und auch ich kenne mittlerweile die Namen aller Kinder, ihre Eigenheiten und weiss, wie ich mit ihnen umgehen muss. Die letzten beiden Wochen hatten wir nur wenige Kinder im Apoyo, die Aufgaben machen mussten. Es waren nur diejenigen da, die nochmal eine letzte Chance bekamen, ins naechste Schuljahr einzutreten. So konnte ich mich diese beiden Wochen intensiv mit einzelnen Kindern beschaeftigen und eine spuerbare Veraenderung erleben. Dieses Gefuehl habe ich im normalen Apoyo-Alltag leider oft nicht, wenn ich mich gleichzeitig um zehn Kinder kuemmern muss. Diese Phase ist nun aber auch beendet, sodass wir ab morgen nur noch Aktivitaeten machen, die nichts mit der Schule zu tun haben. Dabei lernt man auch die Kinder besser kennen und muss auch nicht immer so streng sein und sie zum Arbeiten motivieren. Das geniesse ich momentan sehr. Auch im Kindergarten ist es ruhiger geworden, da viele Schueler nun die Zeit haben, auf ihre kleinen Geschwister aufzupassen. Auch mit den Kindergartenkindern haben wir Adventskraenze gemacht, haben kleine Weihnachtsbaeume gemacht und studieren nun ein kleinen Theater ueber die Weihnachtsgeschichte ein. Auf meine Initiative haben wir letztens unseren Schrank neu gestrichen und Plaetzchen gebacken, was fuer die Kinder neu war ein ihnen riessig gefallen hat. Es ist eine schoene Zeit, mit vielen Aktivitaeten und neuen Ideen. Gerade im Kindergarten verbessert sich sie Arbeit des Teams von Woche zu Woche, die Erzieherinnen haben immer wieder tolle, neue Ideen, die sie verwirklichen wollen. Damit veraendert sich auch das Verhalten der Kinder zum Positiven. Es wird weniger geschlagen, sie konzentrieren sich mehr auf ihre Aufgaben, es entwickeln sich Freundschaften unter den Kindern und auch die Regeln und Grenzen sind den Kinder nun bekannt. Da momentan wenige Kinder kommen, haben wir auch im Kindergarten die Moeglichkeit, mit den einzelnen Kindern individueller zu arbeiten. Mal schauen wie es im naechsten Jahr wird, wenn die Gruppen wieder vollstaendig sind. Alles in allem kann ich sagen, dass ich mich ueber die Verbesserungen sehr freue, auch wenn noch viel Arbeit fehlt. Das Projekt in Tirani steckt ja auch noch in den Kinderschuhen. So viel zum aktuellen Stand in Tirani. Zum Abschluss wuensche ich Euch nun allen eine besinnliche Adventszeit mit Schnee und Kaelte! Ich muss sagen, dass vermisse ich schon ein bisschen.

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Sa

20

Nov

2010

Wie nahe doch Freud und Lied beineinander liegen

In dieser Woche erlebte ich den schlimmsten als auch einer der schoensten Tage hier in Bolivien. Ein wirklich komisches Gefuehl. Als ich am Montag nach Tirani zur Arbeit gefahren bin, kamen wir Erwachsene und Kinder aus Tirani, entweder zu Fuss oder im Micro, demonstrierend entgegen. Sie waren auf dem Weg in die Stadt, sowas habe ich nocht nicht gesehen. Ich konnte mir noch nicht erklaeren, wozu das alles dienen sollte. Als ich dann in der Einrichtung ankam, lag eine traurige Stimmung in der Luft. Doña Lourdes, unserer Koechin, erklaerte mir dann, was passiert ist. Seit einer Woche war ein achtjaehriger Junge in Tirani verschwunden, am Samstag wurde er dann 500 Meter von seinem Haus entfernt tot aufgefunden. Ein grausames Gewaltverbrechen, sein Kopf lag abgetrennt einige Meter vom Rest der Leiche entfernt, auch ein Arm fehlte dem Jungen. Der Moerder war der einundzwanzigjaehrige Onkel des Jungen, im betrunkenen Zustand hat er seinen Neffen zuerst vergewaltigt und dann mit Steinen umgebracht. Die Tat war geplant, um es nun um Rache oder Landbesitz ging, ist noch unklar. Die Bewohner von Tirani, worueber ich nun Bescheid weiss, haben am Gerichtsgebaeude dafuer demonstriert, dass der Taeter lebenslang ins Gefaengnis kommt, jedoch ohne Erfolg. Natuerlich kannten viele aus dem Dorf den kleinen Cristian, vor einem Jahr war er auch noch fuer kurze Zeit bei uns im Apoyo, also in der Hausaufgabenbetreeung, ich selbst kannte ihn nicht. Am Mittag wurde dann eine Messe in Tirani fuer den Jungen gehalten, wozu extra ein Priester eingeladen wurde. Inmitten der Menge stand der kleine, weisse Sarg, umschlossen von einer grossen Menge von weissen Blumen. Ich hatte das Gefuehl, dass fast ganz Tirani anwesend war. Natuerlich wurde kurz vor der Messe am Sarg gegessen, waehrend der Messe klingelte dauernd ein Handy. Fuer mich irgendwie unvorstellbar. In seiner Predigt hat der Priester eine Veraenderung in Tirani gefordert, dass sich eine solche schlimme Tat nicht mehr

wieerholt. Er hat gefordert, dass der Alkoholkonsum abnimmt, die Eltern besser ihre Kinder erziehen und besser auf sie aufpassen. Beeindruckend war, dass er die Predigt in 2 Sprachen (Quechua und Spanisch) hielt, so dass ihn auch die nicht spanisch-sprechende Bevoelkerung verstanden hatte. Mal schauen, ob sich was veraendert, das Buergermeisteramt hat schon begonnen, den Cicha (Maisschnaps), der in Tirani hauptsaechlich getrunken wird, auszuschuetten. Ich hoffe, dass bald einige der 12 Chicharias, da wo der Chicha getrunken wird, geschlossen werden. Der Alkohlkonsum ist einfach das groesste Problem in Tirani! Nach der Messe gings zum Friedhof, da es in Tirani keinen gibt, stand uns eine halbstuendige Fahrt bevor, die ersten Meter zu Fuss in einer Art Prozession, danach mit dem Micro. Das ganze war ein richtiges Medienspektakel, da die Eltern zur Suchaktion die Presse und das Fernsehen eingeschaltet haben, begleitete ein Kamerateam den ganzen Tag. Die Bewohner nutzten dies, um ihren Standpunkt zu zeigen. Am Sarg des Jungen forderten sie Gerechtigkeit, eine lebenslange Strafe fuer den Moerder, einige forderten sogar die Todesstrafe. So war die Beerdingung eigentlich eine Demonstration, fuer mich kein wuerdiger Abschied von einem Verstorbenen, solche Dinge kann man an einer anderen Stelle klaeren, doch ich bin auf einem anderen Kontinent.

Danach wurde der Sarg in das Grab gestellt, nicht unter der Erde vergraben, wie bei uns. Es war wirklich ein schwarzer Tag, am Abend habe ich lange darueber nachgedacht. Welche Strafe der Moerder jetzt bekommt, ist immer noch unklar, wahrscheinlich 30 Jahre, die Frage ist nur, ob er solange ueberlebt, da die Behandlung in den bolivianischen Gefaengnissen unmenschlich ist. Das Schlimme ist, dass es in den letzten vier Jahren zwei weitere Morde gegeben hat. Ich hoffe, dass ich keinen weiteren miterleben muss. Doch auf schlimme Tage folgen auch wieder sehr schoene. Am Mittwoch stand die OP des fuenfjaehrigen Kevin an. Kevin ist in meiner Kindergartengruppe, seine Zunge war mit seinem Gaumen so stark verbunden, dass er sie kaum bewegen kann. Das hat Konsequenzen auf sein ganzes Sozialverhalten. Er spricht kaum, und wenn er spricht, versteht man ihn nicht, was dazu fuehrt, dass er keinen Anschluss in der Gruppe hat. Er spielt nicht, er isst nicht alleine und wuerde sich am liebsten unter einer Decke verkriechen. Seit mehreren Jahren geht seine Mutter mit Kevin zu verschiedenen Aerzten, alle sagen, dass dies normal sei und eine Operation nicht notwendig sei. Ueber den Grund kann man spekulieren. Kindern bis zu fuenf Jahren finanziert der Staat die Behandlungen und Operationen. Doch es ist so, dass wenn es nicht unbedingt notwendig ist, die Aertze, um Kostern zu sparen, bestimmt auch vom Staat beeinflusst, nicht zu solchen Eingriffen raten. Da Kevin im September fuenf Jahre alt geworden ist, habe ich beschlossen, die Kosten fuer die Operation zu uebernehmen, an dieser Stelle vielen Dank an meine vielen Spender! Die Operation lief gut, der Arzt, ein Bekannter der Familie, hat den Eingriff kostenlos gemacht, nur die Narkose und die Zeit im Krankenhaus musste bezahlt werden. Leider hat Kevin ein weiteres Problem, er ist stark unterernaehrt, ihm fehlen 3 Kilo, was in seinem Alter ziemlich viel ist. Dafuer haben wir auf Rat des Arztes noch ein Pulver gekauft,

ich hoffe, dass dieses seinen Zweck erfuellt und dass die Operation Kevin nun das Sprechen leichter macht. Ich bin mir sicher, dass es einige Zeit dauern wird, bis er sich in seinem Verhalten aendert, wozu wir jetzt auch mit seiner Mutter zusammenarbeiten. Sie soll fuer die Erziehung und die Ernaehrung von Kevin ihre Verantwortung uebernehmen, sie hat im Vergleich zu anderen Eltern in Tirani zum Glueck das Potential dazu. Ja, so geht eine weitere Woche zu Ende, sie verfliegen momentan wie im Flug! Bis bald ... ich hoffe, mit nicht so traurigen Eindruecken ...

 

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So

07

Nov

2010

Ach wie schoen ist doch das Reisen!

Villa Tunari (Chapare) ; 23. und 24. Oktober

Mitten im Nichts, umgeben von tropischem Regenwald liegt Villa Tunari, ein kleines Oertchen im Tieflandgebiet des Departamentos Cochabamba, ungefaehr 4 Busstunden von der Stadt Cochabamba entfernt. Zusammen mit Julia, die sich fuer insgesamt 2 Wochen von ihrer Arbeitsstelle in Peru hierher nach Bolivien zum Kurzurlaub verabschiedete, brach ich am Freitagabend mit dem Truffi, einem kleinen Bus, ins Chapare, so heisst diese Region, auf. Die Fahrt durchs Nichts war echt eine Herausforderung, zumindest fuer den Fahrer, hat es doch wie aus Kuebeln geregnet und auch der Nebel, der ueber der Strasse lag, machte die Sache nicht einfacher. So waren wir froh, als wir in Villa Tunari ankamen, und der Regen aufhoerte. Schnell war ein Hostel gefunden, sogar mit eigenem Bad und Ventilator, der war bei der Temperatur auf jeden Fall noetig. Auch das Moskitonetz haben wir ueber dem Bett angebracht, sicher ist sicher. Doch hatten wir an diesem Wochenende echt Glueck, es gab kaum Muecken und wir gingen mit wenigen Stichen zurueck nach Cocha. An diesem Abend bekamen wir dann auch noch einen aussergewoehnlichen Besuch. Ein kleiner Frosch hatte sich in unserem Zimmer verirrt und leistete uns nette Gesellschaft.

Am naechsten Morgen machten wir uns frueh auf in den Nationalpark Carrasco. Leider gibt es in Villa Tunari keine Tourismusinfo und auch die Menschen im Dorf hatten keine so wirkliche Ahnung. So machten wir uns einfach mal mit dem Taxi auf den Weg, in der Hoffnung, vor Ort einen Guide zu finden, der uns durch den Park fuehrt. Dies hat dann zum Glueck auch funktioniert, auf einer 3-stuendigen Rundtour hat uns der Guide, dessen Namen ich wieder vergessen habe, einen kleinen Einblick in die Flora und Fauna des Parks gegeben. So richtig wilde oder aussergewoehnliche Tiere konnte man zwar nicht sehen, da muesste man schon weiter in den Norden Boliviens gehen, aber Froesche, riessige Ameisen,  Voegel, eine Riesenschnecke, Pilze, eine Kokaplantage und wirklich schoene Pflanzen und Baeume waren schon zu erblicken, Hoehepunkt war eine Hoehle mit Fledermaeusen. achmittags waren wir dann im Parque Machia, wo Tiere aus Zirkussen oder von der Strasse wieder an ihren natuerlichen Lebensraum herangefuehrt werden. Hauptsaechlich Affen konnte man hautnah erleben, landschaftlich ist doch alles vergleichbar, Dschungel eben. Danach hatten wir uns einen leckeren Fisch und auch ein gemuetliches Bett echt verdient. Am Sonntag starteten wir eine weitere Tour. Dieses Mal mit einem Guide und drei anderen quer durch den tropischen Regenwald, ohne einen

Weg, bergauf und bergab. Zwischenzeitlich sprangen wir von Felsen, badeten im Fluss, seilten uns einen Wasserfall hinab, standen mit Kleider und Schuhen bis zum Oberkoerper im Wasser, rutschten aus oder fuhren mit einem Kanu ueber den Fluss. Es war wirklich ein gelungener Abschluss eines tollen Wochenendausfluges. Nachdem wir dann nach einer Stunde Warten auch ein Truffi nach Cochabamba gefunden haben, ging die Heimreise los, meine bisher schlimmste Busfahrt in Bolivien. Wir waren froh, als wir am Sonntagabend ohne einen Unfall in der Stadt angekommen waren.

Santa Cruz - Samaipata - Vallegrande ; 30. Oktober bis 2. November

Da das Reisen doch so schoen ist, ging es am naechsten Wochenende gleich wieder los. Gluecklicherweise ist hier in Bolivien der 2. November ein Feiertag, sodass wir ein verlaengertes Wochenende von vier Tagen hatten. Zu fuenft machten wir uns am Freitagabend auf den Weg nach Santa Cruz, der groessten Stadt Bolivien, die im Tieflandgebiet liegt. Diesesmal fuhren wir mit einem grossen Reisebus ab dem Busterminal. Da uns eine 11-stuendige Nachtfahrt bevorstand, waehlten wir einen Cama-Bus, das heisst, einen Bus mit nur 3 Reihen und Sitzen, die man fast horizontal stellen kann. Die Strasse war nicht so schlecht, wie wir es erwartet hatten, sodass wir ziemlich gut schlafen konnten und die 11 Stunden schnell verflogen. Um 7 Uhr am Samstagmorgen kamen wir in Santa Cruz an, es hat geregnet und war ziemlich frisch, eigentlich total untypisch fuer Santa Cruz, hatten wir uns doch auf 35 Grad und Dauerschwitzen eingestellt. Nach einem Kaffee haben wir die anderen Frewilligen aus Quillacollo getroffen, die 2 Stunden nach uns in Cocha losgefahren sind. Zusammen suchten wir uns dann ein Hostel.

Am Nachmittag haben wir dann ein bisschen die Stadt erkundet, die leider nicht so viel zu bieten hatte, sie schien wie ausgestorben, was wahrscheinlich auch am Regen lag. Da fuer Sonntag auch keine Besserung in Sicht war, haben Julia, Silke und ich uns dazu entschieden, am Sonntagmorgen nach Samaipata zu fahren. Deswegen machten wir uns einen ruhigen Abend, in einem kubischen Restaurant mit Paella, Wein und Livemusik, echt schoen. Am Sonntagmorgen ging es dann los nach Samaipata, das ungefaehr 3 Autostunden von Santa Cruz entfernt liegt. Natuerlich mussten wir wie immer erst einmal eine Stunde auf das Truffi warten, als eines kam und kein Platz fuer unsere Gepaeck war, wurde dieses so typisch bolivianisch nur mit einem Seil auf dem Dach befestigt. Wir waren uns nicht sicher, ob es wirklich mit uns sicher in Samaipata ankommt. Als wir dann in Samaipata ankamen, waren wir froh, dass wir die Entscheidung getroffen haben, nicht laenger in Santa Cruz zu bleiben. Samaipata ist ein kleines Doerfchen auf ungefaehr 2000 Meter mit unglaublich viel Charme. Wir haben vor allem die Ruhe und die Idylle genossen. Nachmittags haben wir uns dann zum Fuerte de Samaipata aufgemacht, einer Ruinenstaette aus der Inkazeit. So richtig beeindruckt haben uns die Ruinen zwar nicht, aber trotzdem sind sie einen Besuch wert. Man muesste mehr Ahnung von dieser Kultur haben, um die Zeichen, eingemeiselten Kanaele und Gemaeuer zu verstehen.

Am Abend ging die Reise dann weiter nach Vallegrande. Da uns gesagt wurde , dass der letzte Bus schon gefahren ist, haben wir uns schon ueberlegt, mit irgendjemandem mitzufahren, da wir unbedingt nach am Abend in Vallegrande ankommen wollten. So stellten wir uns einfach an eine Mautstelle, und warteten ab, fragten immer wieder, ob denn jemand nach Vallegrande fahren wuerde. Letzlich kam dann doch noch ein Bus, keiner weiss so genau warum, der uns nach Vallegrande mitnahm. Da es keine Sitzplaetze mehr gab, wurden uns Plastikstuehle im Gang angeboten, die wir gerne annahmen. Es war wohl die bisher spektakulaerste Busfahrt, unbequem, aber unglaublich schoen, da die Sonne gerade unterging. Nach 3 Stunden Fahrt kamen wir in Vallegrande an, haben auf dem Markt Salchipapa (Wuerstchen mit Pommes) gegessen und sind wieder frueh ins Bett gegangen.

Am naechsten Morgen ging es nach einem kleinen Fruehstueck auf dem oertlichen Markt auf die Spuren von Ernesto Che Guevara, neben Fidel Castro die wohl wichtigste Figur in der Kubanischen Revolution. Nach der kubanischen Revolution hat er versucht, in Bolivien sein Revolutionsmodell zu etablieren, was ihm nicht gelang. 1967 wurde er in La Higuera, das ungefaehr 80 Kilometer von Vallegrande entfernt liegt, erschossen. Sein Leichnam wurde nach Vallegrande gebracht, aufgebahrt, gewaschen und an einer geheimen Stelle begraben. Mit der Zeit wurde jedoch das Schweigen gebrochen, das Grab aufgespuert und die Reste von Che Guevara nach Kuba gebracht. Wir haben mit einem Guide die Stelle, an der er aufgebahrt war, die Graeber seiner Mitkaempfer, die zum Teil noch auf dem Friedhof begraben sind, und sein ehemaliges Grab besucht, das heute ein Mausoleum ist.

Es war schon beeindruckend, an so besonderen Orten zu stehen. Danach haben wir noch einen normalen Friedhof besucht, der gerade fuer Allerseelen geschmueckt wurde, was hier mit Essen, Trinken und einer Feier an den Graebern der Toten gefeiert wird. Es ist schon komisch, wie die Menschen hier bestattet werden, manche Graeber haben nicht einmal einen Namen, andere sind richtige kleine Haeuser. Danach waren wir noch in einem kleinen Museum ueber Che Guevara, bevor wir die 5 Stunden zurueck nach Santa Cruz fuhren. Am naechsten Tag haben uns Julia und ich einen entspannten Tag gegoennt. Dazu sind wir in einen Park mit kleinen Pools, einem Schmetterlingshaus und einem Vogelhaus gefahren. Zum Glueck war wieder blauer Himmel in Santa Cruz, sodass es ein rundum relaxter Tag war. Am Abend ging es dann wieder nach Cochabamba, wo wir um 4 Uhr in der Nacht ankamen. Der folgende Arbeitstag war dann natuerlich sehr anstrengend, aber es hat sich ja wirklich gelohnt. Ich freue mich schon auf meine naechste Reise!

 

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Sa

02

Okt

2010

Ein Arbeitstag

Nach einem Monat Arbeit in meinem Projekt in Tirani moechte ich Euch nun mal einen Arbeitstag vorstellen.

Um halb 8 klingelt mein Wecker. Meistens bleibe ich noch ein bisschen liegen, stehe dann auf und mache mir ein kleines Fruehstueck. Komisch eiegntlich, da ich in Deutschland nie gefruehstueckt habe. Um 20 nach 8, manchmal frueher aber eher spaeter, verlasse ich zusammen mit Friedrich das Haus, wir laufen eine cuadra (einen Haeuserblock) und steigen dann in unser Truffi 35 ein, mit dem wir je nach Tag zwischen 30 und 40 Minuten brauchen, bis wir oben in Tirani auf dem Gelaende der Stiftung angekommen sind. Zur Erklaerung: Truffis, Micros und Taxi Truffis sind die ueblichen Fortbewegungsmittel hier in Bolivien, also Kleinbusse in verschiedenen Groessen. Natuerlich gibt es keinen Fahrplan und man weiss auch nie genau, welche Route sie fahren, denn sowas wie ein Streckennetz gibt es nicht. Da es keine Haltestellen gibt, kann man mit der ausgestreckten Hand die Truffis an jeder Stelle anhalten und auch ueberall aussteigen. Der Preis betraegt 1,50 Bolivianos (15 Cent), unabhaengig von der Strecke, die man faehrt. Soviel dazu.

Um 9 Uhr beginne ich dann im Kindergarten zu arbeiten. Ich arbeite in der Gruppe mit den aeltesten Kindern, die 4 bis 5 Jahre alt sind. Momentan sind es bis zu 25 Kinder in der Gruppe auf engstem Raum, da die Platzkapazitaet in Tirani ziemlich begrent ist. Zum Glueck wird die Gruppe jetzt aber bald geteilt und ab Februar ist auch das neue Kindergartengebaeude fertig, sodass wir viel mehr Platz haben werden. Wenn ich in den Kindergarten komme, haben die Kinder schon gefruehstueckt, um 10 Uhr gibt es dann Obst und ab halb 12 Mittagessen. Dazwischen wird gespielt und tareas (Aufgaben) gemacht. Momentan ist noch alles ziemlich chaotisch, die Erzieherinnen sind Muetter aus dem Dorf, die nebenher eine Ausbildung machen, aber deswegen noch wenig Erfahrung haben. Da der Kindergarten erst seit April existiert, ist alles noch am Anfang, aber es verbessert sich von Woche zu Woche.

Nach dem Mittagsessen, das sich ungefaehr eine Stunde zieht, gehe ich um 12.30 in den Comedor. Im Comedor kommen die Schulkinder aus der Schule, um dort gemeinsam zu essen. Ich habe die Aufgabe, zu schauen, dass die Kinder nicht waehrend dem Essen spielen und danach mit ihnen die Zaehne zu putzen. Momentan ist noch ein Zahnarzt da, der den Kindern das Zaehne putzen beibringt, da viele sich zu Hause die Zaehne nicht

putzen. Wenn der Zahnarzt nicht mehr kommt, muessen wir diese Aufgabe vollstaendig uebernehmen. Um 14 Uhr habe ich dann eine halbe Stunde Pause, die ich dringend zum Entspannen brauche. Denn gerade die Arbeit im Kindergarten ist doch ziemlich anstrengend. Nach der Pause gehe ich dann in den Apoyo (Hausaufgabenbetreuung). Im ersten Turnus bis 16 Uhr sind Schueler von der ersten bis zur vierten Klasse im Apoyo. In dieser Zeit arbeite ich in dem Kurs mit den Kindern der dritten und vierten Klasse zusammen und unterstuetze sie in jeglichen Faechern, zumeist aber in Mathe und Lenguaje, also Spanisch, ihrer Muttersprache. Die Kinder haben starke Schwierigkeiten in fast allen Faechern. Oft koennen sie sich nicht konzentrieren oder haben einfach keine Lust, ihre Aufgaben zu machen. Als Freiwilliger aus Europa kommt man auch schonmal an seine Grenzen, wenn man fuenf mal das Gleiche erklaert und das Kind es trotzdem noch nicht versteht. Es braucht hier alles viel mehr Zeit, aber daran gewoehnt man sich und freut sich so schon ueber kleine Erfolge. Wenn die Kinder mit ihren Aufgaben fertig sind, duerfen sie spielen gehen, wir haben eine grosse Spielesammlung mit den verschiedensten Spielen. Je nachdem wieviel Arbeit es noch im Apoyo gibt, begleite ich manchmal die Kinder auch dabei und bringe ihnen die Regeln von Spielen bei, die sie bisher noch nicht kennen,

Um 16 Uhr kommt dann die naechste Gruppe, die Schueler der fuenften bis achten Klasse. Zu dieser Zeit ist es viel ruhiger, da es weniger Schueler sind, die auch schon konzentrierter arbeiten koennen. Einige machen erstaunlicherweise ihr Aufgaben auch selbst, was mich immer wieder freut. Ich helfe da, wo ich gebraucht werde, eine strickte Trennung der Klassen gibt es zu dieser Zeit nicht mehr. Oft brauchen die Schueler auch Hilfe in Englisch, da die Paedagogen, die im Apoyo angestellt sind, diese Sprache selbst nicht so gut sprechen. Darum sind wir dabei immer herzlich willkommen.

Ja, um 17 Uhr geht mein Arbeitstag zu Ende, meistens gehe ich danach noch auf den Markt, um Einkaeufe zu erledigen oder ins Internet. Die ersten vier Arbeitswochen war ich abends so muede, dass ich schon oft frueh ins Bett gegangen bin. Es zehrt halt doch an der Kraft und an der Energie. Trotzdem macht mir die Arbeit riessen Spass, es gibt Hoch- und Tiefpunkte, aber das war mir auch vorher schon klar. Von Tag zu Tag lernt man die KInder mehr kennen und kann so auch besser mit ihnen arbeiten. Ich bin rundum zufrieden.

Genug geschrieben, que les vaya bien! (dass es Euch gut geht)

 

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Di

14

Sep

2010

Wochenendtrip nach La Paz

Am Samstagmorgen war es endlich soweit. Zu sechst starteten wir unsere erste kleine Reise in Bolivien. Ziel war La Paz, Sitz der Regierung und wohl bekannteste Stadt Boliviens, die auf 3700 Meter im Altiplano liegt. Schon die achtstuendige Anfahrt mit dem Bus war ueberaus spannend, sah man doch zum ersten Mal die Landschaft von Bolivien ausserhalb von Cochabamba. Kilometerweite Einoede mit kleinen Doerfchen mitten im Nichts, es ist beeindruckend. Und dann kommt man nach La Paz, eine Stadt, die darauf ausgelegt ist, auf kleinstem Platz moeglichst viele Menschen unterzubringen. La Paz liegt ein einem Talkessel, das heisst, wenn man von oben in die Stadt hinunterfaehrt, hat man einen unglaublichen Blick ueber die ganze Stadt. Das Stadtzentrum bilden im Gegensatz zu Cocha einige Hochhaeuser, ja weiter man die Haenge nach oben geht, desto aermer die Bevoelkerung und desto spaerlicher die Behausungen. Den Samstag verbrachten wir damit, die Stadt zu besichtigen. Am Sonntag stand die Death Road auf dem Programm, die wohl gefaehrlichste Strasse der Welt. Auf 4700 Meter ueber dem Meeresspiegel, im Hochgebirge von La Paz bei gefuehlten 0 Grad starteten wir mit 2 Guides die Tour mit Mountainbikes und einer vollen Ausruestung, schliesslich muss auch fuer Sicherheit gesorgt sein, wenn man die Death Road, Todesstrasse, faehrt, wo bis vor 7 Jahren noch durschnittlich 2 Menschen pro Tag verunglueckt sind. Heute wird die Strasse nicht mehr von LKW´s und Bussen befahren, da es seit 2003 eine neue, sichere Strasse gibt. Nach 5 Stunden Fahrt kamen wir dann auf 1200 Metern in den Yungas, einem subtropischen Gebiet im Uebergang zum Amazonastiefland, bei gefuehlten 40 Grad an. In diesen 5 Stunden haben wir wohl alle Klimazonen, die es in Bolivien gibt, durchfahren und unglaubliche 3500 Hoehenmeter ueberwunden. Das war anstrengend. Bevor es auf die Rueckfahrt nach La Paz ging, bekamen wir noch ein Essen und konnten uns in einem Pool inmitten des "Dschungels" abkuehlen. Ein wirklich toller Tag. Am Montag besichtigten wir nochmal die Stadt, den Palast der Regierung und das Zentrum. Gerade die hinter der Stadt liegenden Andenkette mit dem Berg Illimani macht den Reiz der Stadt aus. Diese Landschaft konnten wir ein weiteres Mal geniessen, als wir am Montag Nachmittag wieder mit dem Bus nach Cochabamba heimfuhren und so den Sonnenuntergang im Altiplano von Bolivien sehen konnten. Bald koennt ihr auch an diesen scheonen Momenten teilhaben, wenn ich die naechsten Bilder hochlade. Ich freue mich schon jetzt auf die naechste Reise, Bolivien hat soviel Schoenes zu bieten.

Machts gut!

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Sa

04

Sep

2010

Ein Monat vorbei ...

Nun bin ich schon 4 Wochen hier in Bolivien, die Zeit ist so schnell vergangen. Das anfaengliche Urlaubsfeeling wandelt sich nun zur Realitaet. Man ist nun so richtig hier in diesem wunderbaren Land angekommen. Mittlerweile habe ich auch mein Zimmer bekommen, sodass ich dieses jetzt so richtig einrichten kann und auch ein Platz zum Zurueckziehen habe.

Von Tag zu Tag bekommt man mehr mit ueber das Leben in Bolivien. Da ich ja schon 3 Tage die Woche gearbeitet habe, habe ich im Kindergarten und der Hausaufgabenbetreuung schon viel erfahren duerfen. Es ist manchmal hart und nicht nachvollziehbar, wenn man die Hintergruende der Kinder nicht kennt. Sie kommen meist aus Familien, wo sich keiner um sie kuemmert, die Eltern in hohem Masse Alkohol konsumieren, der Vater die Mutter schlaegt und die Eltern das Geld, das sie durch eigenen Anbau erwirtschaften, nicht fuer ihre Kinder ausgeben. So ist es auch nicht verwunderlich, wenn sich die Kinder dauernd gegenseitig schlagen, weil sie es nicht anders gewohnt sind. In der Hausaufgabenbetreuung sieht es nicht anders aus. Die Kinder und Jugendlichen wissen nicht, was die Zukunft fuer si bedeutet, sie haben keine Lust, ihre Hausaufgaben selbst zu machen, sie hoffen darauf, dass diese ihnen gemacht werden - kein sinnvolles Lernen. Auch die Aufgaben an sich sind greundlegend anders als die in Deutschland, so wie es halt das Bildungssystem in Bolivien vorschreibt. Viele Kinder haben schwere Probleme mit grundlegenden Faehigkeiten, sodass es fuer sie schwer sein wird, spaeter einmal ueberhaupt einen Beruf zu finden, was fuer mich sehr frustrierend ist. Mal schauen, was wir als Freiwillige in diesem Jahr im Kleinen bewirken koennen. Ich freue mich auf die Arbeit, die ab Montag nun mit geregeltem Tagesablauf voll beginnen wird.

Ich werde dann sicherlich auch nach den ersten Wochen detaillierter berichten koennen.

Endlich habe ich es geschafft, die ersten Fotos hochzuladen! Viel Spass beim Anschauen!

saludos de Cochabamba

 

 

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Mi

18

Aug

2010

Todo bien, alles gut!

Hola a todos en Alemania!

Ich habe gerade ein bisschen Zeit, einen neuen Eintrag zu schreiben. Es geht mir immer noch super hier in Cochabamba, so nach ungefaehr 2 Wochen habe ich mich hier schon richtig eingelebt, auch wenn viele Dinge noch fremd sind. Heute haben wir mit der Arbeit begonnen, waehrend dem Sprachkurs werden wir 3 Vormittage arbeiten. Da wir im Kindergarten erst anfangen, wenn die anderen Freiwilligen Ende August kommen, helfen wir jetzt in der Kueche und bei kleineren Sachen. Trotzdem freue ich mich jetzt schon auf die Kinder. Da wir momentan noch direkt auf dem Gelaende der Stiftung wohnen, kommen wir taeglich in Kontakt mit den kleinen suessen Kids. Wahrscheinlich werden wir am Wochende umziehen, allerdings nicht wie geplant in das Haus in Tirani, sondern in eine Wohnung im Zentrum der Stadt. In den letzten Tagen haben wir schon viel erlebt, wir waren auf einem Konzert eines Reaggeaton-Kuenstlers, haben das Nachtleben der Stadt und schon viele andere Freiwillige kennengelernt. Das Wetter ist eigentlich jeden Tag gleich, blauer Himmel und Sonnenschein bei bis zu  25 Grad, man bedenke, es ist Winter in Suedamerika! Nachts kuehlt es zwar ab, aber mit einer Weste ist alles kein Problem. Demnaechst beginnt der Fruehling, dass heisst, es wird tagsueber noch ein bisschen waermer und nachts nicht mehr so frisch. Cochabamba, so sagt man, hat das angenehmste Klima in Bolivien. Mal schauen, wie es in den anderen Gebieten ist, wenn wir vllt. auch schon bald reisen koennen. In der Sprachschule klappt es gut, wir lernen viel  Vokabular, das man so im taeglichen Leben braucht, was man in der Schule eigentlich in der Oberstufe nicht mehr so braucht. Ob wir 3 Wochen komplett Sprachkurs machen, wissen wir noch nicht, schliesslich sind es 5 Stunden am Tag, nachmittags von 15 bis 20 Uhr, sehr anstrengend! Machts gut, ich denke noch oft an DeutschIand!Melde mich bald wieder. Bis dann!

 

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Di

10

Aug

2010

De Cochabamba!

Buenas dias de Cochabamba!

Es klappt endlich, dass ich meine erste Nachricht aus Cochabamba auf meiner Homepage veroeffentlichen kann. Ich bin mit einer Stunde Verspaetung am Freitag Abend um 21 Uhr Ortszeit in Cochabamba gelandet. Die erste Fahrt auf der Pritsche bei Nacht durch die Stadt war sehr beeindruckend. Mometan wohne ich bei Hermana Mercedes in Tirani, bis die alten Freiwilligen wieder zurueck nach Deutschland gehen und wir dann in 3 Wochen in unsere Wohnung koennen. Tirani hat 3000 Einwohner und schliesst sich direkt an die Stadt an, der Blick bei Nacht von unserem Haus ist einfach genial. Wir haben in den 4 Tagen schon viel gesehen, die Stadt ist riessig, Reichtum und Armut liegen so nah beeinander.

Ich fuehle mich sehr wohl in Cocha und freue mich auf mein Jahr und die Arbeit mit den Kindern. Es ist unglaublich. Morgen beginnt der Sprachkurs, je nach dem koennen wir auch schon ab dieser Woche mittags ein wenig arbeiten und so alles viel besser kennen lernen. Ich hoffe, dass ich bald Bilder von meinem neuen Zuhause hochladen kann.

Bis dann - Hasta luego

 

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Do

29

Jul

2010

Es wird ernst ...

Solo una semana - nur noch eine Woche und die Aufregung kommt mit der Zeit nun doch, besonders immer dann, wenn man sich gerade für ein Jahr von guten Freunden und den Verwandten verabschieden muss. Es ist ein komisches Gefühl, das man nicht mit Worten beschreiben kann.

Mittlerweile habe ich alles, was ich brauche, das glaube ich zumindest, auch wenn man immer das Gefühl hat, man vergisst irgendetwas Wichtiges. Dieses Mal ist es im Vergleich zu früheren Urlauben nicht ganz so tragisch, für ein Jahr lohnt es sich ja, vor Ort in Cochabamba Dinge einzukaufen. Deswegen werde ich auch nicht zu viel zum Anziehen mitnehmen, sondern eher vor Ort einkaufen, um mich dem südamerikanischen Lebensstil nach und nach anzunähern. Mal schaun, ob´s funktioniert.

Jetzt werde ich mal anfangen, meinen Rucksack zu bepacken, hoffentlich bekomme ich da allles rein, was ich unbedingt mitnehmen will, ich befürchte, dass dies nicht so einfach wird. Auch wenn es schwer fällt, lasse ich mein altes Leben hinter mir und nehme einen kleinen Teil von mir mit in mein neues Leben in einem neuen Land, einer neuen Kultur und Sprache sowie mit neuen Begegnungen und Erfahrungen. Sie werden mich prägen.

Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge nach Bolivien, aber trotzdem voller Zuversicht, dass mein Auslandsjahr die richtige Entscheidung war.

Von allen, die ich vor meinem Abflug nicht mehr sehen kann, möchte ich mich an dieser Stelle ganz herzlich verabschieden. Es wird mir was fehlen.

Der nächste Eintrag kommt dann hoffentlich direkt aus einem Internetcafe in Cochabamba nach einer langen und anstrengenden Anreise.

Bis dann - Hasta luego

 

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Do

22

Jul

2010

Endspurt! Noch 2 Wochen bis zum Abflug nach Cochabamba ...

Es sind noch genau 2 Wochen bis zu meinem Abflug in Frankfurt Richtung Cochabamba via Sao Paulo und Santa Cruz. Um 22.35 hebt das Flugzeug der Airline Lufthansa dann hoffentlich in Frankfurt ab, der Beginn meines wohl größten Abenteuers. Ich freue mich rießig. Wir landen dann am 6. August um 19.45 in Cochabamba, sodass ich insgesamt mit einberechneter Zeitverschiebung mehr als 24 Stunden unterwegs sein werde, wobei die reine Flugzeit "nur" 15 Stunden beträgt.

Im Moment laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Nach meiner Abschiedsparty, die zum Glück aufgrund des frühen Termins nicht so traurig wie erwartet war, habe ich nun noch einige wichtige Besorgungen gemacht, darunter ein großer Wander- bzw. Reiserucksack sowie neue Wanderschuhe und eine Menge weiterer Kleinigkeiten. Jetzt bleibt nicht mehr viel Zeit, aufgeregt bin ich komischerweise immer noch nicht. Das wird sicherlich noch kommen, spätestens am Flughafen in Frankfurt, wenn es ans Abschied-Nehmen geht. Trotzdem bin ich zuversichtlich, dass ich das erreiche, was ich mir vorgenommen habe.

Auch möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal für die wirklich überragende Unterstützung mit Spenden bedanken. Ich hätte wirklich nie gedacht, dass so viele nette Menschen bereit sind, ein solches Projekt zu unterstützen. Ich werde versuchen durch meine Anwesenheit den Kindern zu helfen und sie zu unterstützen.

Das wars fürs Erste, bis zum nächsten Eintrag.

muchos saludos - viele Grüße

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