Hautnah mit Alligatoren, Delfinen, Anakondas, Piranhas und vielem mehr! Eine Woche in der Pampa und im Dschungel des bolivianischen Amazonasbeckens.

Nach den anstrengenden Projektvorbereitungen mit viel Stress war es Zeit, ein bisschen auszuspannen. Meine letzten beiden Urlaubstage habe ich zusammen mit den Feiertagen in der letzten Woche genutzt, das letzte Mal hier in Bolivien reisen zu gehen. Lange war ich mir nicht sicher, ob ich das Abenteuer Amazonastiefland wirklich riskieren sollte. Hatte ich doch ein bisschen Respekt vor giftigen Schlangen und Spinnen. Doch es hat mich dann doch zu stark gereizt. Letzten Sonntag bin ich dann zusammen mit Daniel, einem Freiwilligen aus dem anderen Projekt der Stiftung, nach La Paz gefahren. Fuer Montag waren Streiks im ganzen Land angekuendigt, sodass wir bis zuletzt nicht genau wussten, ob wir unsere Plaene wirklich auch verwirklichen koennen. Als wir am spaeten Abend in La Paz ankamen, wurde uns mitgeteilt, dass die Streiks kurzfristig abgesagt sind. Am naechsten Morgen konnten wir dann zum Glueck noch zwei Flugtickets nach Rurrenabaque ergattern, denn aufgrund der geplanten Streiks haben wir vorher nichts gebucht. Der Flug nach Rurrenabaque ins bolivianische Tiefland dauerte genau eine Stunde. Es war wieder einmal unglaublich, die Diversitaet von Bolivien zu sehen. Wir starteten auf 4000 Meter ueber dem Meeresspiegel in La Paz bei vllt. 10 Grad und landeten in Rurrenabaque auf 300 Meter bei feuchten 30 Grad im bolivianischen Dschungel. Der Flughafen ist nur eine Piste, es gibt kein Gebaeude. Den Tag haben wir in den Haengematten verbracht und auch noch unsere Tour in die Pampa fuer die naechsten drei Tage gebucht. Am Dienstag-Morgen ging es dann mit unserem Guide fuer drei Tage in die Pampa. Zuerst mit dem Jeep und dann mit einem kleinen Boot auf einem kleinen Fluss entlang zu unserer Uebernachtungsstaette. Auf dem Weg haben wir schon Alligatoren an den Ufern, Schildkroeten, Wasserschweine, Affen, fliegende Fische, Storche, Pelikane und eine Vielzahl anderer Vogelarten gesehen. Nach dem Beziehen unserer kleinen Huetten mit zum Glueck einem guten Moskitonetz haben wir uns den Sonnenuntergang angeschaut. In der Nacht konnte man mit Taschenlampen Krokodile aufspueren, da ihre Augen das Licht sehr stark reflektieren. Auf dem kurzen Weg haben wir bestimmt ein Dutzend an Alligatoren gesehen. Am naechsten Morgen ging es auf die Suche nach Anakondas. Wir hatten Glueck, nach ungefaehr zwei Stunden hat der Guide eine 3 Meter lange und 12 Kilo schwere Anakonda aufgespuert. Es war ein ganz besonderer Anblick, komischerweise sind die Anakondas ganz ruhige und faule Schlangen, die eigentlich nicht attackieren. Nach dem Mittagessen sind wir dann alle schwimmen gegangen, und zwar in dem Fluss, wo wir die ganze Zeit die Alligatoren gesehen haben. Grund waren die Delfine, die auch in diesem Gewaesser leben, und mit denen wir schwimmen wollten. Das Ganze hat mir schon Angst gemacht, kurz bevor wir ins Wasser gestiegen sind, habe ich am Ufer ein Krokodil schwimmen gehen sehen. Es heisst, dass die Delfine die Alligatoren vertreiben und wir deswegen beruhigt ins Wasser gehen koennen. Da das Wasser sehr trueb ist, konnte man nie so genau so sehen, von was man umgeben ist. Einige Delfine haben wir in ein paar Metern Entfernung immer kurz auftauchen sehen. Wie nahe ich ihnen wirklich war, kann ich nicht sagen. Ich weiss nur, dass das das Gefaehrlichste war, was ich je in meinem Leben gemacht habe, auf jeden Fall viel gefaehrlicher als die gefaehrlichste Strasse der Welt. Aber es hat sich gelohnt, Nervenkitzel pur. Am Donnerstag-Morgen sind wir frueh aufgestanden, um die Geraeusche der Tiere zu hoeren und den Sonnenaufgang zu sehen. Danach haben wir Piranhas gefischt. Ich hatte leider nicht so viel Glueck und habe nichts gefangen. Daniel konnte 3 Stueck aus dem Wasser holen, da war ich schon ein bisschen neidisch. Unser Guide hatte natuerlich 5 gefischt. So hatten wir zum Schluss eine stolze Anzahl an Piranhas, die wir auch gegessen haben. Der Geschmack laesst sehr zu wuenschen uebrig, er schmeckt eigentlich nur nach Flusswasser. Nach dem Mittagessen ging es dann zurueck nach Rurrenabaque. Auf dem Weg konnten wir noch einmal die unglaubliche Tierwelt der Pampa sehen. In Rurre angekommen, haben wir den restlichen Tag in Ruhe genossen. Am naechsten Morgen stand ja schon wieder die naechste Tour an. Wir wollten auch noch das andere Gesicht des Tieflandes sehen, den Urwald. Fuer zwei Tage haben wir eine Tour in den Madidi-Nationalpark unternommen, einem der artenreichsten Nationalparks der Welt. Im Dschungel ist es ein bisschen schwieriger, Tiere zu sehen, wenn man nur wenige Tage da ist. Man sieht mehr die Pflanzenwelt, die fuer mich fast genauso beeindruckend war. Am ersten Tag haben wir mit unserem Guia zu Fuss den Urwald erkundet. Wir haben den Blut- und Milchbaum sowie ein Mammutbaum mit einem unglaublichen Durchmesser, Wildsschweine, unterschiedliche Baumarten, verschiedene Affenarten und eine Vielzahl an Pilzen gesehen. In der Nacht haben wir dann eine Nachtwanderung unternommen auf der Suche nach Taranteln. Wir hatten Glueck und haben eine gesehen, ausserdem eine Puppe eines Schmetterlings und ein Opossum. Am naechsten Morgen stand eine weitere Wanderung an. Der Guide hat uns erklaert, mit welchen Pflanzen die Dschungelbewohner ihre Krankheiten heilen, wir haben Riessenameisen beobachtet und Spuren eines Jaguars gesehen. Nach dieser Wanderung ging es auch schon wieder zurueck mit dem Boot nach Rurrenabaque. Unsere Dschungel- und Pampatouren waren damit schon wieder vorbei. Die 5 Tage waren sehr beeindruckend und unterschiedlich, ich habe es nicht bereut, die Reise gemacht zu haben. Am Sonntag flogen wir dann mit dem Flugzeug nach La Paz, am Abend dann fuhren wir mit dem Bus nach Cochabamba zurueck. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie viele Facetten Bolivien zu bieten hat. Ich bin sehr froh, fast alle schon gesehen zu haben.

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