Die erschreckenden Folgen eines unzureichenden Gesundheitssystems.

Ein funktionierendes Gesundheitssystem ist fuer uns in Deutschland die Basis fuer jegliche Behandlungen. Trotzdem finden wir immer etwas, um uns ueber das System zu beschweren. Doch was passiert, wenn ein Staat ein unzureichendes Gesundheitssytem hat und viele Menschen in diesem Punkt auf sich selbst verantwortlich sind. Ich finde das Thema so spannend, dass ich es hier gerne einmal extra beleuchten moechte, auch aufgrund eines aktuellen Falls bei mir in der Einrichtung. Oft kommen die Kinder und Jugendliche krank in die Einrichtung, sei es Husten, eine Grippe oder andere kleinere Krankheiten. Nur wenige der Eltern bringen ihre Kinder zum Arzt, nur wenige kaufen Medikamente. Der Grund ist einfach. Der Grossteil der bolivianischen Landbevoelkerung ist nicht krankenversichert. Eine Arztbehandlung oder Medikamente koennen sich so nur die Wenigsten leisten, viele wollen auch ihr Kinder nicht zum Arzt bringen, haben Angst und sind skeptisch. So werden teilweise auch irgenwelche Naturheilkraeuter zur Hilfe genommen. Seit kurzem gibt es einige Programme des Staates fuer Kinder bis 5 Jahren oder schwangere Frauen, die Behandlungen kostenlos bekommen. Trotzdem fehlt es an allen Ecken und Enden. Die Stadtbevoelkerung, die das Geld zur Verfuegung hat, laesst sich privat versichern. Diese Beitraege kann und will sich ein armer Bauer natuerlich nicht leisten. Da fehlt es natuerlich auch an Aufklaerungsarbeit. Bei kleineren Dingen wird immer eine Loesung gefunden, wenn ein groesserer Eingriff bevorsteht, kann dieser meist nicht bezahlt werden. Ich moechte gerne ein bisschen die Geschichte des kleinen Manuels erzaehlen. Manuel ist 8 Jahre alt und der Sohn unserer Koechin Lourdes. Manuel ist nun schon seit 3 Jahren bei uns in der Hausaufgabenbetreuung, mittlerweile ist er in der dritten Klasse. Es ist ein sehr lebensfrohes Kind, er ist super integriert, ein verhaeltnissmaessig sehr guter Schueler und spielt hervoragend Fussball. Wenn man ihn so sieht, koennte man nicht meinen, dass er fast blind ist. Auf dem staerkeren Auge sieht er noch 5 Prozent, auf dem schwaecheren Auge 1 Prozent. Es steht fest, dass er ohne Eingriff in den naechsten Jahren vollstaendig erblinden wird. Vor vier Jahren hat sich die Familie zusammengerafft, um die erste Operation an einem Auge durchzufuehren, da er schon seit da an Sehkraft verliert. Ein Arzt, der wohl wie viele hier in Bolivien nicht an genuegend Kompetenz verfuegte, hatte Manuel als 4-Jaehrigen wie einen Erwachsenen operiert und somit das Auge ruiniert. Danach hatte die Familie kein Geld mehr, um eine zweite Operation zeitnah zu finanzieren. Eine Krankenversicherung, die eine solche Operation uebernimmt, gibt es nicht. In den letzten Monaten hat das Ganze dann eine Brisanz angenommen. Die Sehleistung hat sich nochmal dramatisch verschlimmert, die vollstaendige Erblindung steht kurz bevor. Da eine Operation nur bis zum 9. Lebensjahr Sinn macht, haben wir Freiwillige und das Team aus Tirani uns dazu entschieden, die Operation von Manuel finanziell zu unterstuetzen. Mit Aktiviaeten will auch die Gemeinde in Tirani einen Beitrag leisten, eine Institution aus der Stadt hat auch schon Hilfe angekuendigt. Ein solches Krankheitsbild mit einem folgenschweren operativen EIngriff zeigt auf, wo es hier in Bolivien wirklich noch fehlt. Die Gesundheit ist wohl das Wichtigste, was wir haben, und leider wird sie hier nicht geschuetzt. Diese Defizite machen mich traurig. Lourdes, so hart es klingen mag, blieb bisher nichts anderes uebrig, der Erblindung ihres Kindes zuzusehen. Manuels sehnlichster Wunsch ist es, wenigstens ein bisschen besser zu sehen. Aus eigener Kraft koennte die Familie diese Operation nie bezahlen. Und so geht es noch vielen Muettern und Vaetern hier in Bolivien. Besonders weit verbreitet sind die Folgenkrankheiten der Unterernaehrung, gegen die auch kaum etwas unternommen wird. Nach der neuesten Untersuchung bei uns im Kindergarten sind die Haelfte der Kinder in meiner Gruppe unterernaehrt, man muss sich das einmal vorstellen. Mit Vortraegen fuer die Eltern soll daran gearbeitet werden, ein Bewusstsein fuer eine gesunde und ausreichende Ernaehrung der Kinder zu schaffen, um Folgekrankheiten, die dann auch eine kostenintensive Operation erfordern wuerden, fruehzeitig zu verhindern. Ende Juni wird Manuel operiert, ich hoffe, dass dieses Mal der Eingriff erfolgreich ablaeuft und ihm so sein Augenlicht erhalten bleibt. Ich wuerde es mir so fuer ihn und seine Familie wuenschen. 

 

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