Ein unglaublich schoenes Land! 10-taegige Rundreise durch Bolivien.

Am 7. April war es soweit. Mein erster und einziger Besuch aus Deutschland kam in Cochabamba an. Fuer meine Eltern war seit meiner Zusage fuer mein Freiwilligenjahr klar, dass sie mich hier besuchen kommen. Auch mein Onkel Bernd hat sich diese Moeglichkeit nicht nehmen lassen, ein wirklich ganz anderes Land kennenzulernen. Ich war sehr gespannt, wie es sein wird, nach acht Monaten ein Teil meiner Familie wiederzusehen. Und ich kann sagen, es war super, mit ihnen zweineinhalb Wochen hier in meinem Gastland zu verbringen. Natuerlich hatte ich bedenken, wie sie mit dem anderen Land, der Hoehe oder dem Essen klarkommen, alles in allem hat es aber super funktioniert und ich bin stolz, dass sie sich so gut auf das Andere eingelassen haben und Bolivien auch wirklich kennenlernen wollten. Schon kurz nach der Ankunft haben wir auf dem Markt eingekauft, der wohl groesste Gegensatz, den Bolivien im Vergleich zu Deutschland zu bieten hat. Der Markt soll der groesste in Bolivien sein, es gibt alles, natuerlich auch Fleisch und Innereien ungekuehlt und in allen Variationen und noch so ganz andere Spezialitaeten. Am Freitag feierten wir dann den Geburtstag meiner Mama. Um die Mittagszeit haben wir mit einem boliviansichen Sekt, der natuerlich so typisch bolivianisch nur suess war, an der Christusstaue ueber Cochabamba auf 2800 Metern ueber dem Meeresspiegel angestossen. Danach gab es bei mir zu Hause den Geburtstagskaffee, ich hatte mich an einer Torte versucht, die besser geschmeckt hat, wie ich es erwartet habe. Bevor es am Abend mit dem Nachtbus nach La Paz ging, haben wir noch zum Abschluss des Geburtstages lecker gegessen. Die Nachtfahrt nach La Paz war eine Aussergewoehnliche. Als ich den Bus gesehen habe, war ich sehr ueberrascht, denn mit so einem modernen Bus bin ich hier in Bolivien noch nie gefahren. Leider hatte wir mit dem Fahrer nicht so viel Glueck, sodass die Fahrt auch meine Schlimmste bisher war. Es war kein guter Einstand in eine Bolivienreise, aber das kann einem hier immer passieren. Am Samstagmorgen kamen wir dann in La Paz auf 3600 Meter ueber dem Meeresspiegel an. Nach einem Fruehstueck haben wir ein bisschen die Stadt angeschaut, gleich schonmal auf dem Souvenirmarkt die Geschenke fuer Deutschland gekauft, da die Auswahl in La Paz einfach die Beste ist, und noch das "Valle de la luna" ("Mondtal") besichtigt, das am Stadtrand von La Paz liegt. Das Mondtal erinnert an eine Mondlandschaft, die Gesteinsformationen sind ueber mehrere Millionen Jahren enstanden. Am Abend haben wir uns vom Aussichtspunkt "Killi-Killi" die Stadt bei Nacht angeschaut. Da La Paz in einem Talkessel liegt, sieht das super schoen aus, die Haeuser auf allen Seiten in den Haengen zu sehen. Muede gings dann natuerlich auch frueh uns Bett, von der Hoehe spuerte zum Glueck niemand etwas. Am naechsten Morgen brachen wir nach Copacabana an den Titikakasee auf, ungefaehr drei Busstunden von La Paz entfernt. Die Landschaft des Andenhochlandes ist schon sehr beeindruckend. Weite Ebenen und im Hintergrund die Ostkordillere der Anden mit schneebedeckten Gipfeln. In Copacabana angekommen, sind wir auch gleich auf die Isla del Sol (Sonneninsel) weitergefahren. Die Bootsfahrt zog sich hin, am Ende waren es auch mehr als zwei Stunden Fahrtzeit. Die Sonneninsel hatte eine besondere Bedeutung in der Inkakultur, heute ist sie Touristenmagnet. Die Nacht haben wir im Norden der Insel, in Challapampa, verbracht. Die Unterkunft war zum ersten Mal eine sehr, sehr Einfache. Aber auch das war fuer meinen Besuch kein Problem, es folgten ja noch Schlimmere. Ein ganz besonderes Erlebnis war der Sonnenuntergang. Der Titikakasee ist elf mal so gross wie der Bodensee, weshalb man auch nicht immer das Ende sieht, man koennte ihn fast fuer ein Meer halten. Mit der Andenkordillere, deren Schnee im Sonnenlicht steht, ergibt das beim Sonnenuntergang ein super Bild. Am naechsten Morgen wurden wir von Hagel ueberrascht, was anscheinend am Titikakasee nichts Seltenes sein soll. Doch nach kurzer Zeit war wieder blauer Himmer, weswegen wir unsere Inselwanderung ohne Probleme durchfuehren konnten. Die Inselwanderung auf der Sonneninsel war ein Highlight, auch wenn es mit unseren grossen Rucksaecken sehr anstrengend war. Nach ungefaehr 5 Stunden mit einigen Pausen und super Ausblicken auf den Titiakasee und die umliegende Bergwelt kamen wir im Sueden der Insel an, wo wir mit dem Boot wieder nach Copacabana uebersetzten. Am Abend ging es von da aus wieder zurueck nach La Paz, wo wir dann auch diese Nacht uebernachteten. Am naechsten Morgen zeigte sich dann Bolivien wieder von seiner besten Seite. Als ich am Terminal die Bustickets fuer den Bus nach Oruro kaufen wollte, wurde mir gesagt, dass an diesem Tag vom Terminal keine Busse mehr nach Oruro fahren, da die Hauptstrasse, die aus La Paz herausfuehrt, blockiert ist. Die Lehrer forderten eine Erhoehung ihres Lohnes und haben so den ganzen Verkehr lahmgelegt. Da aber um 15.30 Uhr desselben Tages unser Zug von Oruro nach Uyuni fuhr, mussten wir irgendwie nach Oruro kommen. So habe ich alles Moegliche versucht und auch schon Alternativen ueberlegt, doch es hat eigentlich wie immer geklappt. Mit einem Taxi sind wir aus La Paz an den Stadtrand von El Alto gefahren, die Zwillingsstadt von La Paz, wo die Blockaden waren. Am Beginn der streikenden Lehrer und mit Steinen belagerten Strassen, sind wir aus dem Taxi ausgestiegen, zu Fuss durch die Blockaden, danach haben wir das naechste Taxi genommen und sind zum Terminal in El Alto gefahren. Eigentlich sollte man dieses meiden, es ist naemlich kein Gebaeude, sondern nur ein Strasse, wo die Busse abfahren. Und El Alto gilt sowieso als die gefaehrlichste Stadt Boliviens. Unter dem Schutz einer Polizisten sind wir in den Bus eingestiegen. In Oruro puenktlich angekommen, sind wir mit dem Zug sieben Stunden in Richtung Sueden nach Uyuni gefahren, der Ausgangspunkt fuer die Touren in die Salzwueste. Diese Zugstrecke ist die einzig intakte in Bolivien. In der Nacht kamen wir in Uyuni an, wo wir dann auch die Nacht verbrachten. Am naechsten Morgen ging die Dreitagestour in die Salzwueste und zu den farbigen Lagunen los. Es war das Highlight der Rundreise. Am ersten Tag stand der Salar de Uyuni an. Bevor es aber dahin ging, haben wir noch den Eisenbahnfriedhof in Uyuni angeschaut. Als die alten Wagen ausgedient hatten, wurden sie einfach abgestellt und rosten jetzt vor sich hin. Danach gings dann endlich in den Salzsee. Der Salzsee ist der groesste der Welt mit einer Flaeche von 12.000 km2 . Normalerweise ist der Salzsee Mitte April trocken. Da aber die Regenzeit in diesem Jahr um einen Monat verzoegert ist, stand er noch unter Wasser, weshalb man nicht ganz hineinfahren konnte. Doch schon das, was wir gesehen haben, wir ueberaus beeindruckend. Ein Farbenspiel zwischen weissem Salz und dem blau des Himmels, Salzberge, die Spiegelungen im Wasser und die Endlosigkeit dieser Salzwueste. Bilder koennen diese Impressionen leider nur schwer darstellen. Um die Mittagszeit waren wir in einem der vielen Salzhotels, die aussschlieslich aus Salz gebaut wurden. Die Tour hatten wir zu viert mit unserem Fahrer Max in einem Jeep gemacht, der das Essen immer morgens zubereiten liess und es uns dann servierte. Es war naturlich sehr einfach, aber dafuer typisch bolivianisch. Auch die zwei Unterkuenfte waren sehr einfach, was fuer meine drei Mitreisenden natuerlich nicht so ganz einfach war. Das Gute war, dass wir immer unser eigenes Zimmer hatten. Das Bad musste mit bis zu 30 anderen Reisenden geteilt werden und die Duschen wollte man nicht benutzen, einmal gab es gar keine. Diese Touren kann man aber eigentlich nicht anders buchen, da diese Gebiete nicht erschlossen sind, weshalb alle Unterkuenfte so einfach sind. In diesen drei Tagen haben wir den Lebensstandard in Bolivien noch einmal hautnah mitbekommen. Mit vielen warmen Kleidungsstuecken und dem Schlafsack konnte man auch der Kaelte in den unisolierten Haeusern entgehen, einmal hatte es in der Nacht minus 15 Grad, wurde uns zumindest berichtet. Doch die Landschaften haben eigentlich fuer fast alles entschaedigt. Am zweiten Tag, es war der Donnerstag, haben wir viel gesehen. Zuerst das Tal der Felsen, das im Laufe von Millionen Jahren aufgrund von Vulkaneruptionen entstanden ist. Danach die rote Lagune, die aufgrund ihres hohen Kupfergehaltes zu bestimmten Tageszeiten rot schimmert, mit ihren drei verschiedenen Flamingoarten. Danach ging es weiter in Richtung Sueden zur gruenen Lagune und zum hoechsten Berg Boliviens, einem Vulkan, den sich Bolivien aber mit Chile teilen muss. Von dort aus konnte man auch ein argentinische Bergkette sehen. Auf dem Rueckweg haben wir dann noch in einem unglaublichen Panorama in einer 38 Grad heissen Thermalquelle gebadet, bevor wir noch Geysire besichtigten. Die Nacht verbrachten wir an der roten Lagune. Am naechsten Morgen ging es zurueck in Richtung Uyuni. Noch einmal kamen wir an 5 weiteren Lagunen vorbei, die in verschieden Farben schimmerten und in denen sich die umliegenden Vulkane und Berge spiegelten. Einfach super schoene Augenblicke. Auf dem Weg lagen noch der "Arbol de Piedra", der "Steinbaum", eines der bekanntesten Fotomotive aus Bolivien, eine kleine Sandwueste, ein Berghang, der mit Sand in den sieben verschiedenen Ockertoenen bedeckt ist und einen noch aktiven, rauchenden Vulkan, jedoch auf chilenischem Staatsgebiet. Auf dem ganzen Weg konnten wir noch einmal Lamas und Vicuñas beobachten, die Bewohner der Andenhochebene. Die ganzen drei Tage waren wir auf einer Hoehe von 4000 Metern ueber dem Meeresspiegel unterwegs. Der hoechste Punkt, den wir erreichten, waren 5000 Meter. Schon irgenwie unglaublich, wenn man sich vorstellt, dass der hoechste Berg Europas, der Mont Blanc, gerade einmal 4800 Meter hat. Am spaeten Nachmittag endete die Tour in Uyuni. Am Abend ging es dann schon wieder weiter nach Potosi, der alten Silberstadt. Am Samstag-Morgen haben wir eine Mine besichtigt, in denen noch heute gearbeitet wird. Doch der Gewinn ist gering, der Grossteil der Bodenschaetze wurde von den Spaniern in der Kolonialzeit nach Europa verschifft. Man schaetzt, dass ungefaehr 8 Millionen Ureinwohner in den Minen unter menschenunwuerdigen Bedingungen ums Leben gekommen sind. Zu dieser Zeit war Potosi noch eine der reichsten und groessten Staedte der Welt , woran heute noch die vielen Kirchen erinnern. Heute ist Potosi wohl die aermste Stadt Boliviens, gerade das Umland gehoert zu den aermsten Gebieten des Landes. Die Stadt ist aufgrund der vielen Kolonialgebaeuden Weltkulturerbe. Am Nachmittag haben wir uns diese angeschaut, gerade bei Nacht ist die Stadt sehenswert. Am naechsten Morgen ging es dann weiter nach Sucre, zum Schluss in die Hauptstadt Boliviens. Am Sonntag waren wir auf dem Markt in der Tarabuco, ungefaehr eineinhalb Busstunden von Sucre entfernt. Der Sonntagsmarkt ist in ganz Bolivien bekannt und ist auch der schoenste, den ich bisher hier in Bolivien gesehene habe. Abends haben wir dann auch Sucre bei Nacht angeschaut. Aehnlich wie in Potosi sehen die beleuchteten Kirchen, von denen es in Sucre auch jede Menge gibt, sehr schoen aus. Am naechsten Tag, dem letzten Tag der Rundreise haben wir ein bisschen in der "weissen Stadt Sucre" entspannt und uns noch den sehr beeindruckenden Zentralfriedhof angeschaut. Am Abend ging es dann wenig komfortabel ueber eine sehr schlechte Strasse zurueck nach Cochabamba. Damit war die 10-taegige Rundreise leider viel zu schnell vorbei. In den folgenden Tagen habe ich meinen Eltern und meinem Onkel dann noch meine Arbeit gezeigt und am Karfreitag sind wir dann noch fuer einen Tag ins Chapare, in die Regenwaldregion des Bundesslandes Cochabamba gefahren, wo ich ja schon einmal im Oktober war, weshalb ich davon auch keine Bilder mehr hochgeladen habe. Am Sonntag, den 24. April, ging es dann fuer meinen Besuch zurueck nach Deutschland, viel zu schnell ist die Zeit vergangen. Mir bleiben jetzt noch 4 Monate hier in Suedamerika, ein ganz komisches Gefuehl, wenn ich bedenke, dass neun Monate schon vergangen sind. Die letzte Zeit will ich jetzt noch mal so richtig geniessen.

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