Zwischenseminar und Urlaub in Chile!

Als ich am 29. Januar in La Paz ins Flugzeug in Richtung Santiago de Chile einstieg, konnte ich nicht so recht glauben, dass ich auf dem Weg zum Zwischenseminar bin, was bedeutet, dass seit meinem Abflug in Deutschland schon ein halbes Jahr vergangen ist. Das Zwischenseminar fand dieses Jahr fuer uns bolivianische und chilenische Freiwillige meiner Entsendeorganisation „Amntena e. V.“ in La Serena in Chile statt. Diese Gelegenheit der weiten An- und Abreise durch das halbe Chile habe ich zusammen mit Daniel dazu genutzt, noch ein bisschen Urlaub in Chile zu machen, wozu ich meine ersten Urlaubstage ueberhaupt in Anspruch genommen habe. Und dies war wirklich notwendig. Nach einem halben Jahr ohne einen einzigen Urlaubstag war die Zeit gekommen, ein bisschen Abstand zu gewinnen und natuerlich dann auch auf dem Seminar ueber das zurueckliegende halbe Jahr zu reflektieren. Die Arbeit hatte mich schon sehr viel Kraft gekostet, was auch daran liegt, dass ich vorher nur wenig Erfahrung in der Arbeit mit Kindern im Kindergartenalter hatte. So war es sehr wichtig, ein paar Tage zu entspannen. Ja, nun aber ein bisschen zu meiner Reise. Am 29. Januar kamen Daniel und ich am Flughafen in Santiago de Chile an und wurden von einem chilenischen Freiwilligen der Stiftung in Empfang genommen. Kurz darauf hatten wir das Glueck, Hermana Karoline, die Praesidentin und Gruenderin der Stifung Cristo Vive in ihrem Haus in Santiago zu treffen. Es ist immer wieder unglaublich zu sehen, welch eine Lebensfreude sie ausstrahlt. Ich freue mich immer riessig, wenn ich sie sehe. Am naechsten Morgen haben wir dann auf eigene Faust eine Stadttour gemacht und uns die wichtigsten Sehenswuerdigkeiten der Hauptstadt von Chile angeschaut. Dazu gehoerte natuerlich der Hauptplatz, die Kathedrale, ein Denkmal fuer die indigene Bevoelkerung, den Regierungspalast, die Universitaet , die Boerse und noch vieles mehr. Auch wenn die Hitze Santiagos uns schwitzen ließ, haben wir viel Schoenes gesehen. Alles in allem ist Santiago eine sehr europaeische Stadt, stark gepraegt von den Spaniern. Chile ist wohl mit Argentinien das weit entwickeltste Land Suedamerikas, was bei mir fuer einen kleinen Kulturschock gesorgt hat, da ich natuerlich den direkten Vergleich mit Bolivien habe, das 30 bis 40 hinter Chile zurueck ist. Chile hat sich nach der Diktatur von Pinochet in den letzten 20 Jahren in hohem Maße weiterentwickelt, was mich auch fuer die anderen aermeren Laender Suedamerikas hoffen laesst. Auch das Preisniveau ist ungefaehr doppelt bis dreifach so hoch wie in Bolivien. Nach einem Tag in Santiago ging es am Sonntag-Abend weiter in Richtung Sueden nach Pucon. Pucon ist eine kleine Stadt im chilenischen Seengebiet, was landschaftlich sehr an die Schweiz erinnert, weshalb diese Region auch den Namen chilenische Schweiz traegt. Gruene Waelder, Seen und kleine Holzhaeuschen waren fuer meine Augen mal wieder etwas Neues, da es das in Bolivien nicht in der Form gibt. In Pucon sind wir am ersten Tag auf dem See Kanu gefahren, am zweiten Tag haben wir dann den Vulkan Villarica bestiegen, was mein persoenliches Highlight in Chile war. Der Vulkan gehoert zu den 10 aktivsten Vulkanen der Erde, vor 23 Jahren ist er das letzte Mal ausgebrochen. Der Aufstieg mit Steigeisen ging 4 Stunden, der Abstieg mit Rodler gerade einmal eine halbe Stunde. Von oben hatte man natuerlich eine super Aussicht ueber das ganze Gebiet, leider kann das kein Foto wiedergeben. Am naechsten Tag fuhren wir nach Valdivia weiter, was an dem Zusammenfluss von zwei Fluessen liegt. Diese Landschaft hat mich dann ein bisschen an den Rhein oder auch Holland erinnert, sodass die Reise in den Sueden von Chile fuer mich ein bisschen eine Heimkehr nach Europa war. In Valdivia habe ich einfach mal die Ruhe genossen, was im Park der Universitaet super moeglich war. Am Donnerstag haben wir dann eine Festungsanlage besucht, von der aus die spanischen Kolonialherren die indigene Bevoelkerung von Chile bebombt haben, als diese Aufstaende machten. An diesem Abend stand dann die Nachtfahrt mit dem Bus nach Santiago an. Das Busfahren in Chile ist super angenehm, die Panamericana, die von Alaska nach Feuerland fuehrt, ist eine zweispurige Autobahn, sowas gibt es in Bolivien nicht. Am Freitag haben wir dann die Einrichtungen der Stiftung in Santiago angeschaut, es ist unglaublich, was Schwester Karoline da in den letzten Jahren auf die Beine gestellt hat. Leider haben die chilenischen Kinder im Februar Ferien, weswegen wir nur die Gebaeude sehen konnten, was trotzdem sehr interessant war. Am Samstag habe ich mich alleine auf den Weg gemacht. Mein Ziel war zuerst einmal Isla Negra, das Dorf, in dem Pablo Neruda, chilenischer Schriftsteller und Friedensnobelpreistraeger gewohnt hatte, um den sich meine Pflichtlektuere fuer das Spanisch-Abitur drehte. Sein Haus liegt am Meer und hat seinen ganz eigenen Charme. Man muss es gesehen haben, beschreiben kann ich es nicht. Danach bin ich nach Valparaiso, der weltbekannten Hafenstadt, weitergefahren.Vor der Eroeffnung des Panama-Kanals war der Hafen der wohl wichtigste Umschlagplatz Suedamerikas. Heute hat er seine Bedeutung verloren. Ich habe mir die Stadt angeschaut und bin dann mit einem der weltbekannten Aufzuege hochgefahren ,von wo aus ich einen super Blick ueber die Stadt hatten, die wunderschoen in einer grossen Bucht liegt. Am Sonntag haben wir dann zusammen einen der vielen Huegel Santiagos mit dem Fahrrad bestiegen. Von oben hatten wir einen super Ausblick ueber die riessige Stadt, auch wenn der Smog einen richtig weiten Blick leider nie zulaesst. Damit haben wir uns dann aus Santiago verabschiedet und sind nach La Serena zum Zwischenseminar gefahren. Es war eine Freude, alle Freiwilligen nach einem halben Jahr wieder zu sehen. Wir haben ueber Hoehen und Tiefen, Probleme in kultureller Hinsicht, ueber die Projekte, ueber unsere Erfahrungen mit den Kindern und vieles mehr gesprochen. Es war ein interessantes Seminar, das nicht nur vom Austausch in der Sitzungszeit, sondern auch ausserhalb gespraegt war. Ich war sehr froh, ueber meine Eindruecke des Entwicklungsstandes von Chile mit den Freiwilligen aus Santiago zu sprechen und so meine Meinung zu festigen.Auch war es natuerlich schoen, dass sich die Freiwillige aus Chile fuer unsere Arbeit in Bolivien interessierten, was insgesamt ein super Austausch darstellte. Oft hat man dann gemerkt, dass die Probleme und Schwieriegkeiten auch im Umgang mit der Mentalitaet der Suedmerikaner gleich sind. Mit schoenen Tagen der Reflexion und auch neuen Erkenntnissen ging es dann nach dem Seminar eine Woche spaeter am Samstag-Abend mit dem Bus in Richtung Cochabamba los. Da eine 50-stuendige Busfahrt nicht am Stueck zu meistern ist, haben wir uns dazu entschieden, da uns auch zwei Urlaubstage extra fuer diese doch lange und anstrengende Reise zustanden, auf dem Weg noch ein bisschen was von Chile anzuschauen. In Antofagasta hatten wir nur kurz Zeit um uns die Stadt anzuschauen, weil wir auf der Durchreise nach Calama in die Atacama-Wueste waren. Dort wollten wir eigentlich eine Minentour machen, was aber nicht moeglich war, weshalb wir nach San Pedro de Atacama weitergefahren sind. Dieses weltbekannte Oase in der Wueste ist sehr sehenswert, auch wenn es mittlerweile leider sehr touristisch ist. Am Montag haben wir dann das Valle de la luna („Mondtal“) besichtigt, zusammen mit dem anschliessenden Sonnenuntergang ein wunderschoenes Erlebniss. Danach haben wir die Nacht unter Sternenhimmel in der trockensten Wueste der Erde verbracht. Am Dienstag stand dann zum Abschluss in San Pedro Sandboarden an. Da ich noch nie auf einem Snowboard gestanden bin, war das fuer mich eine Premiere. Aber schon nach kurzer Zeit ging es ganz gut, sodass es auch richtig Spass machte. Am Mittwoch verbrachten wir dann noch den Morgen in Iquique am Meer, bevor es am Nachmittag nach Cochabamba ging, mit einem bolivianichen Busunternehmen und bolivianischen Strassen, besser gesagt Schotterpisten. Zuletzt war ich dann froh, wieder hier zu sein. Ich habe Bolivien doch vermisst. Am Donnerstag stand dann eigentlich wieder Arbeiten an, doch gab es mal wieder Streik und keine Moeglichkeit, nach Tirani zu kommen. Mir wurde klar, ich bin wieder in Bolivien. Am Freitag war dann mein erster Arbeitstag, es hat sich so Einiges geaendert. Der neue Kindergarten ist eingeweiht und auch viele neue Kinder sind fuer dieses Jahr eingeschrieben. Im Moment sind noch Wenige da, was das Arbeiten leicht macht. Das wird sich aber bald aendern. Ich bin froh, die Kinder wieder um mich herum zu haben, nach zwei Monaten Schulferien habe ich sie richtig vermisst!

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