Weihnachten, Silvester und die Benzinpreiserhoehung.

Bewoelkter Himmel, angenehme 25 Grad und die Strassen voller Menschen, so sieht ein 24. Dezember hier in Cochabamba aus. Dieser Heiligabend war fuer mich in aller Hinsicht etwas Neues. Es fing schon am Morgen an. Zum Glueck mussten wir nicht arbeiten, sodass ich noch am Morgen meine Weihnachtsgeschenke einkaufen konnte, da ich vorher einfach keine Zeit dazu hatte. Jahrelang habe ich mich immer gefragt, warum dass viele diesen Einkauf immer bis auf den letzten Tag anstehen lassen, und jetzt habe ich es selbst so gemacht. Am Nachmittag hatten wir einige Arbeitskollegen zu uns in die Wohnung eingeladen, so typisch bolivianisch kamen sie mit fast zwei Stunden Verspaetung an, mein ganzer Plan war dahin, man sollte hier einfach nichts planen. So habe natuerlich auch ich mich verspaetet. Da es auch fast keine Micros gab, bin ich dann erst um halb sieben in Tirani eingetroffen, hatte ich doch eigentlich um fuenf Uhr oben sein wollen. Aber na gut. In Tirani habe ich dann Lourdes, ihren beiden Kindern Marianella und Manuel und der Mutter von Lourdes´ Mann Reinaldo geholfen, die Kartoffeln zu waschen und den Mais und das Huhn vorzubereiten. Danach bin ich dann wieder in die Stadt gefahren. Um halb 10 begann die Christmette in einer kleinen Kapelle im Zentrum der Stadt. Eine Stunde vorher wollten wir uns eigentlich mit dem Chor treffen, um nochmal eine letzte Probe vor der Messe zu machen. Diese Probe begann dann 10 Minuten vor Beginn der Messe, erst da waren wir vollzaehlig, und es war natuerlich auch keine Probe, sondern ein Einsingen mit zwei Stuecken. Doch trotzdem war diese Messe fuer mich eine der schoensten in meinem Leben, es war einfach ein riesiges Gefuehl, mit „meinem“ Chor diese Christmette zu begleiten. Wir waren 15 Personen, so viele, wie noch nie. Drei Violinen, zwei Bratschen, ein Cello, eine Gitarre, fuenf Saengerinnen und drei Saenger. Nach dieser Messe war ich dann zum ersten Mal in Weihnachtsstimmung. Mit Reinaldo, seinem Bruder, seinem Sohn Manuel, Paul, meinem Mitfreiwilligen, die alle auch in der Kirche waren, gings dann auf wieder nach Tirani. Dort warteten wir dann auf zwoelf Uhr. Um Punkt zwoelf gibt es naemlich die cena navideña, das Weihnachtsessen. Bei uns gab es Huehnchen, Mais, Kartoffeln aus dem Ofen und natuerlich Salat. Jeder konnte sich nach seinem Belieben bedienen. Normalerweise sollte der Weihnachtsabend in der Wohnung im 2. Stock verbracht werden, wo es auch ein blinkender Plastikweihnachtsbaum und eine Krippe gab, da aber noch die ganze Grossfamilie von Lourdes mitfeierte, hatte der Platz nicht ausgereicht, sodass im ersten Stock so ganz ohne weihnachtliches Ambiente gefeiert wurde. Zu Beginn lief dann auch noch der Fernseher, nach dem Essen wurde Karaoke gesungen. Ganz witzig irgendwie. Kurz vor dem Essen wird mit Wein angestossen, frohe Weihnachten und auch gleich schon ein frohes neues Jahr gewuenscht. Draussen hoert man dann noch ein Feuerwerk, dies alles hat mich irgendwie an unser Silvester erinnert. Geschenke spielen hier in Bolivien keine grosse Rolle, normalerweise schenkt man nur den Kindern etwas, die beiden Kinder haben jeweils ein Geschenk von einer Tante und einem Onkel bekommen, Manuel ein Spielzeugauto und Marianelle eine Puppe. Wir haben der ganzen Familie ein Gesellschaftsspiel geschenkt. Da Lourdes keine Zeit hatte, Geschenke fuer ihre Kinder zu kaufen, bekommen sie diese einfach spaeter. Hier ist es normal, dass man die Geschenke bis zu den Heiligen Drei Koenigen am 6. Januar verteilt. Erwachsene untereinander schenken sich gewoehnlich nichts. Der Weihnachtsabend klingt nach dem Essen dann schon aus, es wird noch Bier getrunken, wir sassen im Kreis, oft war es einfach still. Einige der Familie gingen schon gleich ins Bett, andere haben sogar das Essen verschlafen, wieder andere schliefen beinahe auf ihren Stuehlen ein. Um halb drei haben wir, Paul und ich, uns dann verabschiedet. Typisch bolivianisch waere jetzt gewesen, noch in die Disco zu gehen. Das machen die meisten Jugendlichen, nachdem sie mit ihrer Familie gegessen haben. Wir waren aber auch so muede, dass wir unser Bett der Disco vorzogen. So ging ein ganz anderer Heiligabend zu Ende. Wir haben gemerkt, dass Weihnachten zumindest auf dem Land keine so wichtige Bedeutung wie bei uns hat. Am 25. Dezember, auch hier in Feiertag, was die Bauarbeiter in Tirani nicht vom Arbeiten abhaelt, waren wir zum Mittagessen bei unserer Kollegin Lidia, die aus Luxemburg stammt und als Freiwillige bei uns im Apoyo arbeitet, zum Mittagessen eingeladen. Es gab ein leckeres Haehnchen-Cordon-Bleu mit Gemuesebeilage und Kartoffelbrei. Da habe ich mich wenigstens ein bisschen an Europa versetzt gefuehlt. Am Nachmittag habe ich dann mit meiner Grossfamilie in Deutschland geskypt, ein schoenes Gefuehl, alle per Kamera an Weihnachten zu sehen. Am Abend waren wir dann wieder  einmal auf einem Geburtstag einer Arbeitskollegin in Tirani eingeladen. Es war ein zwanzigster Geburtstag, der mich so ein bisschen an die Hochzeit von Lucy erinnert hat. Hier feiert man den 20. Geburtstag sehr gross mit vielen Gaesten, da freue ich mich ja schon auf den 25. Mai. Der 26. Dezember war dann ein ganz normaler Sonntag. An Silvester wollte ich eigentlich an den Titikakasee reisen. Doch am 26. Dezember verkuendete Staatspraesident Evo Morales, dass die Benzinpreise in Bolivien nun um fast das Doppelte steigen. Was fuer ein schoenes Weihnachtsgeschenk. Der Grund ist Folgender: Da Evo Morales alle Energieunternehmen verstaatlicht hat, hat er die voellige Gewalt ueber den Energiesektor. Hier in Bolivien werden sehr viel Energierohstoffe gefoerdert und exportiert. Um die Kosten fuer das Benzin fuer die Bolivianer niedrig zu halten, subventioniert der Staat die Foerderung. Folge davon ist natuerlich, dass Chilenen, Perunaner oder Argentinier hier in Bolivien ihr Benzin kaufen und ueber die Grenze schmuggeln. Um dies zu verhindern, hat Evo die Subventionen gestrichen. Schon am naechtsen Tag sind die Fahrtkosten um fast das Doppelte gestiegen, genauso wie die Kosten fuer diverse Lebensmittel. Natuerlich protestierten die Bolivianer gegen diese Erhoehung, in La Paz brennten Autos auf den Strassen, es wurde gepluendert und der Ruecktritt von Evo Morales gefordert. Auch in Cochabamba wurden Feuer auf den Strassen gelegt und Demonstrationsmaersche gestartet. Am Donnerstag wurde gestreikt, sodass es keine Busse gab, so fiel meine Reise flach. Zwei Menschen sind bei den Demos ums Leben gekommen, viele wurden verletzt. Um die Situation zu entschaerfen und auch seinen eigenen Stuhl zu retten, hat Evo Morales am Freitag das Gesetz zuerueckgenommen. Nun ist wieder alles beim Alten. Fuer uns ist es unverstaendlich, wie man so ein Vorhaben von einem auf den anderen Tag durchsetzen will, es waere sinnvoll gewesen, den Preis ueber mehrere Jahre schrittweise zu erhoehen und gleichzeitig natuerlich auch die Loehne. Mal schauen, wie sich das entwickelt. So habe ich Silvester hier in Cochabamba gefeiert. Ueber den Jahreswechsel war ich mit meinem Mitbewohner und einem Freund auf unserer Dachterasse. Traditionell haben wir mit Sekt angestossen und 12 Weintrauben gegessen, symbolisch fuer die naechsten zwoelf Monate. Das Feuerwerk ueber Cochabamba war nicht ganz so spektakulaer. Normalerweise verbringen die Jugendlichen den Jahreswechsel in der Disco, bei irgendwelchen Hausparties oder bei grossen organisierten Feiern in Salons, die unglaublich hohe Eintrittspreise verlangen. Ich war mit zwei bolivianischen Freundinnen zuerst in einer kleinen Disco, danach auf einer Hausparty. Am ersten Januar war schon wieder ein Geburtstag, dieses Mal von Justina, die sich bei uns in der Einrichtung um die Gaerten und Beete kuemmert. Es war eine ruhige Feier, mit sehr leckerem Essen und mal ohne Tanzen. Mit den letzten Verbliebenen haben wir dann „Ich packe meinen Koffer“ gespielt, den Bolivianern hat es gefallen. So habe ich meinen Jahreswechsel gefeiert, das Fondue hat mir irgendwie schon gefehlt, aber gut. Jetzt geht es wieder in den Alltag, nach den vielen Feiern. Aber schon Anfang Februar reise ich ja zum Zwischenseminar nach Chile. Ich freue mich schon jetzt! Hasta luego ...

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