Da war was los ...

In den letzten beiden Wochen ging es bei uns in der Einrichtung drunter und drueber, wie man so schoen sagt. Neben den Adventsbesuchen stand nun dann auch noch die Austellung der gemachten Arbeiten als auch unsere Weihnachtsfeier fuer alle Kinder und deren Eltern an. Da das natuerlich nicht genug ist, waren wir letzte Woche auch noch auf der Hochzeit unserer Koechin Lucy eingeladen. Davon moechte ich gerne ein bisschen naeher erzaehlen. Die dreitaegige Hochzeit begann am Samstag-Nachmittag mit einer Messe in der Stadt. In der Einladung stand geschrieben, dass die Messe um 15.30 Uhr beginnt, sodass wir uns schon Sorgen machten, weil wir erst zehn nach halb drei in der Kirche ankamen. Wie so oft haben wir vergessen, dass wir in Bolivien sind. Wir deutschen Freiwilligen waren mal wieder einmal die Ersten. Die Kirche wurde noch von der Hochzeit davor abdekoriert und auch das Brautpaar war noch nicht zu sehen. Irgendwann erfuhren wir dann, dass die Messe erst um 16 Uhr beginnt. Da jeder weiss, dass die Bolivianer immer zu spaet kommen, wurde auf der Einladung eine halbe Stunde frueher angegeben. Als die Kirche dann kurz nach vier begann, waren ungefaehr die Haelfe der Gaeste anwesend, die anderer Haelfte kam dann im Laufe der Messe hinzu. Da es eine katholische Messe war, war mir die Liturgie bekannt. Es war sehr lustig, dass die Tuer der Kirche aufstand und deshalb eine vorbeiziehende Folklore-Parade dem Priester und dem Saenger in der Kirche die Show stahl. So etwas passiert nur in Bolivien. Vor der Kirche wurde dann dem Brautpaar gratuliert, waehrenddessen wurde man mit einer Art Konfetti gemischt mit Zucker beworfen, das soll wohl Glueck bringen. Von der Kirche ging es dann auf nach Tirani, wo die Feier in Lucys und Juvenals Haus stattfand. Zu Beginn musste das Brautpaar mit allen Paten tanzen. Hier in Bolivien ist es ueblich, dass es fuer jeden Teil der Feier einen Paten gibt, so gibt es zum Beispiel den Paten fuer die Musik, die Torte, die Blumen u.s.w.. Diese Paten helfen dann bei der Organisation dieser Dinge. Nach den vielen Taenzen gab es dann natuerlich auch was zu Essen. Pollo al horno, dass heisst, Haehnchen aus dem Ofen, eines der Lieblingsgerichte der Bolivianer, mit Kartoffeln und Salatbeilage. Natuerlich wurde mit der Hand gegessen, fuer rund 250 Gaeste gibt es kein Besteck. Den restlichen Abend haben wir dann mit Tanzen verbracht, an den ersten beiden Tagen hat eine Live-Band gespielt, so laut und schraeg, dass uns teilweise die Ohren schmerzten. Der Sonntag war dann der Tag der Geschenke und den Cholitas. Fast ganz Tirani war eingeladen, manche kamen drei Tage, andere nur einen Tag, und brachten dann am Sonntag ihre Geschenke. Kleiderschraenke, Betten, einen Herd mit Ofen und natuerlich vieles mehr. Nach dem Essen traten dann 3 Cholitas auf, die um ihr Leben tanzten und zumindest fuer kuze Zeit den schrecklichen Sound der anderen Gruppe ausschalteten. Am Montag, dem letzten Tag der Hochzeit, kamen nur noch Wenige. Viele mussten wohl noch den Rausch der Vortage abbauen. Montags wird traditionsgemaess das geschenkte Geld vor den Augen ller gezaehlt um heruaszufinden, ob denn nun der Mann oder die Frau gewonnen hat. In unserem Fall hat Juvenal seine Braut Lucy eindeutig besiegt. Wie alle Geschenke, wurde auch das Geld mit einer Bierdusche versehen, das soll Glueck bringen. Genauso wie die Haelfte der Chicha, die zu Ehren der Pachamama auf den Boden gekippt wird. Die drei Tage Hochzeit in Tirani haben mir gezeigt, dass dieses Fest eigentlich nur zum Trinken genutzt wird. So viele Betrunkene auf einem Fleck habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Trotzdem bin ich sehr froh, dabei gewesen zu sein, ich will ja schliesslich so richtig ins bolivianische Leben eintauchen. Diese Hochzeit wird wohl die erste als auch die letzte sein, die ich miterlebt habe, da man hier nur in geraden Jahren heiratet und meistens auch im Dezember. Eine Hochzeit im Jahre 2011 wuerde Unglueck bringen, so zumindest die Ansicht auf dem Lande. Nach der Hochzeit, am Dienstag, hatten wir dann die Ehre, unsere Kinder und Jugenlichen in unserer Wohnung zum Adventsbesuch zu empfangen. Den Kindern hat es riessig Spass gemacht, bei uns auf der Terasse zu sein, schon der Weg von Tirani in die Stadt mit ihren Freunden war ein Abenteuer. Die letzte Woche habe ich nicht wie gewohnt im Kindergarten, sondern in der Kueche mit unserer Koechin Lourdes verbracht. Da sie weiss, dass ich gerne backe, hat sie mich gefragt, ob ich ihr helfen will, 600 Weihnachtsplaetzchen und 30 Kuchen zu machen. Natuerlich habe ich ihr geholfen und wir haben es wirklich geschafft, in drei Tagen das Ziel zu erreichen. Am Donnerstag haben wir dann die Handarbeiten der Kinder ausgestellt, damit die Eltern sehen, was die Kinder so bei uns machen und lernen. Bedauerlicherweise sind an diesem Morgen nur vier Muetter gekommen. An diesem Problem muss in Zukunft stark gearbeitet werden, um die Eltern mehr in die Verantwortung zu ziehen und das Interesse an ihren Kindern zu verstaerken. Am Freitag fand dann unsere Weihnachtsfeier der ganzen Einrichtung in Tirani statt. Neben den Kindern waren auch die Eltern und Geschwister eingeladen. Dieses Mal war unser Salon richtig voll. Nach dem gemeinsamen Mittagessen gab es eine Fuehrung fuer die Eltern durch den neuen Kindergarten, Spiele fuer die Kinder, ein kleines Theater ueber die Weihnachtsgeschichte und dann die Geschenke fuer jedes Kind. Dazu gehoerten dann auch ein Stueckchen Kuchen und fuer jeden drei unserer selbstgemachten Plaetzchen. Es war der letzte Tag, an dem Kinder in der Einrichtung waren. Erst ab Februar nach der Einweihung des Kindergartens werden wir wieder Kinder in der Einrichtung machen. Doch es wird uns nicht langweilig. Momentan sind wir dabei, den gesamten Kindergarten auszuraeumen, da wir ja in das neue Gebaeude ziehen. Auch streichen wir die Waende neu, weil die alten Kindergartenraeume nun dem Apoyo gehoeren. Eine andere Arbeit, aber auch mal schoen. Es ist kaum zu glauben, dass in drei Tagen Weihnachten ist. Trotzdem freue ich mich schon sehr darauf, da ich Heiligabend in Tirani verbringen werde. Euch allen, die so fleissig meine Blogeintraege lesen, wuensche ich an dieser Stelle ein frohes, besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2011!

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