Advent, Advent ...

Wir schreiben den 5. Dezember 2010, zumindest nach bolivianischer Zeit. Vor genau vier Monaten bin ich von Deutschland aus in mein grosses Abenteuer aufgebrochen. Es kommt mir vor, als sei es gestern gewesen. Wie schnell doch die Zeit vergeht. Dezember bedeutet normalerweise fuer mich Minusgrade, Schnee und eine besinnliche Adventszeit. Doch davon ist hier in Bolivien keine Spur. Bei 30 Grad und Sonnenschein kommt keine so richtige Weihnachtsstimmung auf, da nuetzen auch der Aventskranz und die Weihnachtsplaetzchen nichts, die wir letzte Woche gemacht haben. Die Regenzeit, die eigentlich jetzt beginnen sollte, laesst so typisch bolivianisch auch auf sich warten. Vor zwei Wochen war der erste Tag, an dem es mal so richtig geregnet hat, sodass die ganzen Strassen ueberflutet waren. Aber seitdem gab es wieder hoechstens zwei bewoelkte Tage. Irgendwie total seltsam. Cochabamba hat sich nun in eine nordamerikanische Weihnachtslandschaft verwandelt. Ueberall haengen Lichterketten, funkelt Weihnachtsschmuck und auch auch die sich bewegenden Weihnachtsmaenner in den Schaufenstern fehlen nicht. Fuer meinen Geschmack ist das alles ein bisschen uebertrieben, aber die Bolivianer stehen auf Funkeln und Glitzern, umso mehr, umso besser. In Tirani merkt man davon nicht viel. Um doch ein bisschen Weihnachtsstimmung zu verbreiten, besuchen wir momentan jeden Tag am Nachmittag die Familien mit einem Adventskranz, einer Bibelgeschichte und ein paar Liedern, natuerlich wird danach auch was getrunken und Kekse gegessen. Diese Tradition besteht schon seit mehreren Jahren und ist eine wirklich gute Sache. Zur Vorbereitung haben wir mit den Kindern die Zweige fuer die Adventskraenze gesammelt, natuerlich gibt es hier keine Tannenzweige und auch die Art, wie die Kraenze gemacht werden, unterscheidet sich von unsrer in Deutschland. So konnte ich unsere Methode zeigen und die Bolivianer waren ganz ueberrascht, wie schoen man doch solche Kraenze machen kann. Des Weiteren machen wir mit den Kindern im Apoyo nun auch Weihnachtskarten und Weihnachtsschmuck, was ihnen riessig Spass macht. Durch die Haeuserbesuche bekommen wir Freiwilligen nun auch einen Einblick, wie die Menschen in Tirani leben. Doch trotz allem bleiben die Tueren der Haeuser immer geschlossen, auch die Eltern der Kinder nehmen nicht an der kleinen Feier teil. Die Menschen in Tirani sind verschlossen, haben teilweise auch Angst vor uns Frewilligen, sogar vor den bolivianschen Angestellten der Stiftung. Trotzdem sind die Familienbesuche immer wieder sehr schoen und stimmen wenigstens ein bisschen auf Weihnachten ein. Die Arbeit ist deswegen momentan sehr entspannt, nach vier Monaten fuehle ich mich nun so richtig in der Arbeit angekommen. Alle Kinder kennen mich und auch ich kenne mittlerweile die Namen aller Kinder, ihre Eigenheiten und weiss, wie ich mit ihnen umgehen muss. Die letzten beiden Wochen hatten wir nur wenige Kinder im Apoyo, die Aufgaben machen mussten. Es waren nur diejenigen da, die nochmal eine letzte Chance bekamen, ins naechste Schuljahr einzutreten. So konnte ich mich diese beiden Wochen intensiv mit einzelnen Kindern beschaeftigen und eine spuerbare Veraenderung erleben. Dieses Gefuehl habe ich im normalen Apoyo-Alltag leider oft nicht, wenn ich mich gleichzeitig um zehn Kinder kuemmern muss. Diese Phase ist nun aber auch beendet, sodass wir ab morgen nur noch Aktivitaeten machen, die nichts mit der Schule zu tun haben. Dabei lernt man auch die Kinder besser kennen und muss auch nicht immer so streng sein und sie zum Arbeiten motivieren. Das geniesse ich momentan sehr. Auch im Kindergarten ist es ruhiger geworden, da viele Schueler nun die Zeit haben, auf ihre kleinen Geschwister aufzupassen. Auch mit den Kindergartenkindern haben wir Adventskraenze gemacht, haben kleine Weihnachtsbaeume gemacht und studieren nun ein kleinen Theater ueber die Weihnachtsgeschichte ein. Auf meine Initiative haben wir letztens unseren Schrank neu gestrichen und Plaetzchen gebacken, was fuer die Kinder neu war ein ihnen riessig gefallen hat. Es ist eine schoene Zeit, mit vielen Aktivitaeten und neuen Ideen. Gerade im Kindergarten verbessert sich sie Arbeit des Teams von Woche zu Woche, die Erzieherinnen haben immer wieder tolle, neue Ideen, die sie verwirklichen wollen. Damit veraendert sich auch das Verhalten der Kinder zum Positiven. Es wird weniger geschlagen, sie konzentrieren sich mehr auf ihre Aufgaben, es entwickeln sich Freundschaften unter den Kindern und auch die Regeln und Grenzen sind den Kinder nun bekannt. Da momentan wenige Kinder kommen, haben wir auch im Kindergarten die Moeglichkeit, mit den einzelnen Kindern individueller zu arbeiten. Mal schauen wie es im naechsten Jahr wird, wenn die Gruppen wieder vollstaendig sind. Alles in allem kann ich sagen, dass ich mich ueber die Verbesserungen sehr freue, auch wenn noch viel Arbeit fehlt. Das Projekt in Tirani steckt ja auch noch in den Kinderschuhen. So viel zum aktuellen Stand in Tirani. Zum Abschluss wuensche ich Euch nun allen eine besinnliche Adventszeit mit Schnee und Kaelte! Ich muss sagen, dass vermisse ich schon ein bisschen.

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