Ach wie schoen ist doch das Reisen!

Villa Tunari (Chapare) ; 23. und 24. Oktober

Mitten im Nichts, umgeben von tropischem Regenwald liegt Villa Tunari, ein kleines Oertchen im Tieflandgebiet des Departamentos Cochabamba, ungefaehr 4 Busstunden von der Stadt Cochabamba entfernt. Zusammen mit Julia, die sich fuer insgesamt 2 Wochen von ihrer Arbeitsstelle in Peru hierher nach Bolivien zum Kurzurlaub verabschiedete, brach ich am Freitagabend mit dem Truffi, einem kleinen Bus, ins Chapare, so heisst diese Region, auf. Die Fahrt durchs Nichts war echt eine Herausforderung, zumindest fuer den Fahrer, hat es doch wie aus Kuebeln geregnet und auch der Nebel, der ueber der Strasse lag, machte die Sache nicht einfacher. So waren wir froh, als wir in Villa Tunari ankamen, und der Regen aufhoerte. Schnell war ein Hostel gefunden, sogar mit eigenem Bad und Ventilator, der war bei der Temperatur auf jeden Fall noetig. Auch das Moskitonetz haben wir ueber dem Bett angebracht, sicher ist sicher. Doch hatten wir an diesem Wochenende echt Glueck, es gab kaum Muecken und wir gingen mit wenigen Stichen zurueck nach Cocha. An diesem Abend bekamen wir dann auch noch einen aussergewoehnlichen Besuch. Ein kleiner Frosch hatte sich in unserem Zimmer verirrt und leistete uns nette Gesellschaft.

Am naechsten Morgen machten wir uns frueh auf in den Nationalpark Carrasco. Leider gibt es in Villa Tunari keine Tourismusinfo und auch die Menschen im Dorf hatten keine so wirkliche Ahnung. So machten wir uns einfach mal mit dem Taxi auf den Weg, in der Hoffnung, vor Ort einen Guide zu finden, der uns durch den Park fuehrt. Dies hat dann zum Glueck auch funktioniert, auf einer 3-stuendigen Rundtour hat uns der Guide, dessen Namen ich wieder vergessen habe, einen kleinen Einblick in die Flora und Fauna des Parks gegeben. So richtig wilde oder aussergewoehnliche Tiere konnte man zwar nicht sehen, da muesste man schon weiter in den Norden Boliviens gehen, aber Froesche, riessige Ameisen,  Voegel, eine Riesenschnecke, Pilze, eine Kokaplantage und wirklich schoene Pflanzen und Baeume waren schon zu erblicken, Hoehepunkt war eine Hoehle mit Fledermaeusen. achmittags waren wir dann im Parque Machia, wo Tiere aus Zirkussen oder von der Strasse wieder an ihren natuerlichen Lebensraum herangefuehrt werden. Hauptsaechlich Affen konnte man hautnah erleben, landschaftlich ist doch alles vergleichbar, Dschungel eben. Danach hatten wir uns einen leckeren Fisch und auch ein gemuetliches Bett echt verdient. Am Sonntag starteten wir eine weitere Tour. Dieses Mal mit einem Guide und drei anderen quer durch den tropischen Regenwald, ohne einen

Weg, bergauf und bergab. Zwischenzeitlich sprangen wir von Felsen, badeten im Fluss, seilten uns einen Wasserfall hinab, standen mit Kleider und Schuhen bis zum Oberkoerper im Wasser, rutschten aus oder fuhren mit einem Kanu ueber den Fluss. Es war wirklich ein gelungener Abschluss eines tollen Wochenendausfluges. Nachdem wir dann nach einer Stunde Warten auch ein Truffi nach Cochabamba gefunden haben, ging die Heimreise los, meine bisher schlimmste Busfahrt in Bolivien. Wir waren froh, als wir am Sonntagabend ohne einen Unfall in der Stadt angekommen waren.

Santa Cruz - Samaipata - Vallegrande ; 30. Oktober bis 2. November

Da das Reisen doch so schoen ist, ging es am naechsten Wochenende gleich wieder los. Gluecklicherweise ist hier in Bolivien der 2. November ein Feiertag, sodass wir ein verlaengertes Wochenende von vier Tagen hatten. Zu fuenft machten wir uns am Freitagabend auf den Weg nach Santa Cruz, der groessten Stadt Bolivien, die im Tieflandgebiet liegt. Diesesmal fuhren wir mit einem grossen Reisebus ab dem Busterminal. Da uns eine 11-stuendige Nachtfahrt bevorstand, waehlten wir einen Cama-Bus, das heisst, einen Bus mit nur 3 Reihen und Sitzen, die man fast horizontal stellen kann. Die Strasse war nicht so schlecht, wie wir es erwartet hatten, sodass wir ziemlich gut schlafen konnten und die 11 Stunden schnell verflogen. Um 7 Uhr am Samstagmorgen kamen wir in Santa Cruz an, es hat geregnet und war ziemlich frisch, eigentlich total untypisch fuer Santa Cruz, hatten wir uns doch auf 35 Grad und Dauerschwitzen eingestellt. Nach einem Kaffee haben wir die anderen Frewilligen aus Quillacollo getroffen, die 2 Stunden nach uns in Cocha losgefahren sind. Zusammen suchten wir uns dann ein Hostel.

Am Nachmittag haben wir dann ein bisschen die Stadt erkundet, die leider nicht so viel zu bieten hatte, sie schien wie ausgestorben, was wahrscheinlich auch am Regen lag. Da fuer Sonntag auch keine Besserung in Sicht war, haben Julia, Silke und ich uns dazu entschieden, am Sonntagmorgen nach Samaipata zu fahren. Deswegen machten wir uns einen ruhigen Abend, in einem kubischen Restaurant mit Paella, Wein und Livemusik, echt schoen. Am Sonntagmorgen ging es dann los nach Samaipata, das ungefaehr 3 Autostunden von Santa Cruz entfernt liegt. Natuerlich mussten wir wie immer erst einmal eine Stunde auf das Truffi warten, als eines kam und kein Platz fuer unsere Gepaeck war, wurde dieses so typisch bolivianisch nur mit einem Seil auf dem Dach befestigt. Wir waren uns nicht sicher, ob es wirklich mit uns sicher in Samaipata ankommt. Als wir dann in Samaipata ankamen, waren wir froh, dass wir die Entscheidung getroffen haben, nicht laenger in Santa Cruz zu bleiben. Samaipata ist ein kleines Doerfchen auf ungefaehr 2000 Meter mit unglaublich viel Charme. Wir haben vor allem die Ruhe und die Idylle genossen. Nachmittags haben wir uns dann zum Fuerte de Samaipata aufgemacht, einer Ruinenstaette aus der Inkazeit. So richtig beeindruckt haben uns die Ruinen zwar nicht, aber trotzdem sind sie einen Besuch wert. Man muesste mehr Ahnung von dieser Kultur haben, um die Zeichen, eingemeiselten Kanaele und Gemaeuer zu verstehen.

Am Abend ging die Reise dann weiter nach Vallegrande. Da uns gesagt wurde , dass der letzte Bus schon gefahren ist, haben wir uns schon ueberlegt, mit irgendjemandem mitzufahren, da wir unbedingt nach am Abend in Vallegrande ankommen wollten. So stellten wir uns einfach an eine Mautstelle, und warteten ab, fragten immer wieder, ob denn jemand nach Vallegrande fahren wuerde. Letzlich kam dann doch noch ein Bus, keiner weiss so genau warum, der uns nach Vallegrande mitnahm. Da es keine Sitzplaetze mehr gab, wurden uns Plastikstuehle im Gang angeboten, die wir gerne annahmen. Es war wohl die bisher spektakulaerste Busfahrt, unbequem, aber unglaublich schoen, da die Sonne gerade unterging. Nach 3 Stunden Fahrt kamen wir in Vallegrande an, haben auf dem Markt Salchipapa (Wuerstchen mit Pommes) gegessen und sind wieder frueh ins Bett gegangen.

Am naechsten Morgen ging es nach einem kleinen Fruehstueck auf dem oertlichen Markt auf die Spuren von Ernesto Che Guevara, neben Fidel Castro die wohl wichtigste Figur in der Kubanischen Revolution. Nach der kubanischen Revolution hat er versucht, in Bolivien sein Revolutionsmodell zu etablieren, was ihm nicht gelang. 1967 wurde er in La Higuera, das ungefaehr 80 Kilometer von Vallegrande entfernt liegt, erschossen. Sein Leichnam wurde nach Vallegrande gebracht, aufgebahrt, gewaschen und an einer geheimen Stelle begraben. Mit der Zeit wurde jedoch das Schweigen gebrochen, das Grab aufgespuert und die Reste von Che Guevara nach Kuba gebracht. Wir haben mit einem Guide die Stelle, an der er aufgebahrt war, die Graeber seiner Mitkaempfer, die zum Teil noch auf dem Friedhof begraben sind, und sein ehemaliges Grab besucht, das heute ein Mausoleum ist.

Es war schon beeindruckend, an so besonderen Orten zu stehen. Danach haben wir noch einen normalen Friedhof besucht, der gerade fuer Allerseelen geschmueckt wurde, was hier mit Essen, Trinken und einer Feier an den Graebern der Toten gefeiert wird. Es ist schon komisch, wie die Menschen hier bestattet werden, manche Graeber haben nicht einmal einen Namen, andere sind richtige kleine Haeuser. Danach waren wir noch in einem kleinen Museum ueber Che Guevara, bevor wir die 5 Stunden zurueck nach Santa Cruz fuhren. Am naechsten Tag haben uns Julia und ich einen entspannten Tag gegoennt. Dazu sind wir in einen Park mit kleinen Pools, einem Schmetterlingshaus und einem Vogelhaus gefahren. Zum Glueck war wieder blauer Himmel in Santa Cruz, sodass es ein rundum relaxter Tag war. Am Abend ging es dann wieder nach Cochabamba, wo wir um 4 Uhr in der Nacht ankamen. Der folgende Arbeitstag war dann natuerlich sehr anstrengend, aber es hat sich ja wirklich gelohnt. Ich freue mich schon auf meine naechste Reise!

 

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