Ein Arbeitstag

Nach einem Monat Arbeit in meinem Projekt in Tirani moechte ich Euch nun mal einen Arbeitstag vorstellen.

Um halb 8 klingelt mein Wecker. Meistens bleibe ich noch ein bisschen liegen, stehe dann auf und mache mir ein kleines Fruehstueck. Komisch eiegntlich, da ich in Deutschland nie gefruehstueckt habe. Um 20 nach 8, manchmal frueher aber eher spaeter, verlasse ich zusammen mit Friedrich das Haus, wir laufen eine cuadra (einen Haeuserblock) und steigen dann in unser Truffi 35 ein, mit dem wir je nach Tag zwischen 30 und 40 Minuten brauchen, bis wir oben in Tirani auf dem Gelaende der Stiftung angekommen sind. Zur Erklaerung: Truffis, Micros und Taxi Truffis sind die ueblichen Fortbewegungsmittel hier in Bolivien, also Kleinbusse in verschiedenen Groessen. Natuerlich gibt es keinen Fahrplan und man weiss auch nie genau, welche Route sie fahren, denn sowas wie ein Streckennetz gibt es nicht. Da es keine Haltestellen gibt, kann man mit der ausgestreckten Hand die Truffis an jeder Stelle anhalten und auch ueberall aussteigen. Der Preis betraegt 1,50 Bolivianos (15 Cent), unabhaengig von der Strecke, die man faehrt. Soviel dazu.

Um 9 Uhr beginne ich dann im Kindergarten zu arbeiten. Ich arbeite in der Gruppe mit den aeltesten Kindern, die 4 bis 5 Jahre alt sind. Momentan sind es bis zu 25 Kinder in der Gruppe auf engstem Raum, da die Platzkapazitaet in Tirani ziemlich begrent ist. Zum Glueck wird die Gruppe jetzt aber bald geteilt und ab Februar ist auch das neue Kindergartengebaeude fertig, sodass wir viel mehr Platz haben werden. Wenn ich in den Kindergarten komme, haben die Kinder schon gefruehstueckt, um 10 Uhr gibt es dann Obst und ab halb 12 Mittagessen. Dazwischen wird gespielt und tareas (Aufgaben) gemacht. Momentan ist noch alles ziemlich chaotisch, die Erzieherinnen sind Muetter aus dem Dorf, die nebenher eine Ausbildung machen, aber deswegen noch wenig Erfahrung haben. Da der Kindergarten erst seit April existiert, ist alles noch am Anfang, aber es verbessert sich von Woche zu Woche.

Nach dem Mittagsessen, das sich ungefaehr eine Stunde zieht, gehe ich um 12.30 in den Comedor. Im Comedor kommen die Schulkinder aus der Schule, um dort gemeinsam zu essen. Ich habe die Aufgabe, zu schauen, dass die Kinder nicht waehrend dem Essen spielen und danach mit ihnen die Zaehne zu putzen. Momentan ist noch ein Zahnarzt da, der den Kindern das Zaehne putzen beibringt, da viele sich zu Hause die Zaehne nicht

putzen. Wenn der Zahnarzt nicht mehr kommt, muessen wir diese Aufgabe vollstaendig uebernehmen. Um 14 Uhr habe ich dann eine halbe Stunde Pause, die ich dringend zum Entspannen brauche. Denn gerade die Arbeit im Kindergarten ist doch ziemlich anstrengend. Nach der Pause gehe ich dann in den Apoyo (Hausaufgabenbetreuung). Im ersten Turnus bis 16 Uhr sind Schueler von der ersten bis zur vierten Klasse im Apoyo. In dieser Zeit arbeite ich in dem Kurs mit den Kindern der dritten und vierten Klasse zusammen und unterstuetze sie in jeglichen Faechern, zumeist aber in Mathe und Lenguaje, also Spanisch, ihrer Muttersprache. Die Kinder haben starke Schwierigkeiten in fast allen Faechern. Oft koennen sie sich nicht konzentrieren oder haben einfach keine Lust, ihre Aufgaben zu machen. Als Freiwilliger aus Europa kommt man auch schonmal an seine Grenzen, wenn man fuenf mal das Gleiche erklaert und das Kind es trotzdem noch nicht versteht. Es braucht hier alles viel mehr Zeit, aber daran gewoehnt man sich und freut sich so schon ueber kleine Erfolge. Wenn die Kinder mit ihren Aufgaben fertig sind, duerfen sie spielen gehen, wir haben eine grosse Spielesammlung mit den verschiedensten Spielen. Je nachdem wieviel Arbeit es noch im Apoyo gibt, begleite ich manchmal die Kinder auch dabei und bringe ihnen die Regeln von Spielen bei, die sie bisher noch nicht kennen,

Um 16 Uhr kommt dann die naechste Gruppe, die Schueler der fuenften bis achten Klasse. Zu dieser Zeit ist es viel ruhiger, da es weniger Schueler sind, die auch schon konzentrierter arbeiten koennen. Einige machen erstaunlicherweise ihr Aufgaben auch selbst, was mich immer wieder freut. Ich helfe da, wo ich gebraucht werde, eine strickte Trennung der Klassen gibt es zu dieser Zeit nicht mehr. Oft brauchen die Schueler auch Hilfe in Englisch, da die Paedagogen, die im Apoyo angestellt sind, diese Sprache selbst nicht so gut sprechen. Darum sind wir dabei immer herzlich willkommen.

Ja, um 17 Uhr geht mein Arbeitstag zu Ende, meistens gehe ich danach noch auf den Markt, um Einkaeufe zu erledigen oder ins Internet. Die ersten vier Arbeitswochen war ich abends so muede, dass ich schon oft frueh ins Bett gegangen bin. Es zehrt halt doch an der Kraft und an der Energie. Trotzdem macht mir die Arbeit riessen Spass, es gibt Hoch- und Tiefpunkte, aber das war mir auch vorher schon klar. Von Tag zu Tag lernt man die KInder mehr kennen und kann so auch besser mit ihnen arbeiten. Ich bin rundum zufrieden.

Genug geschrieben, que les vaya bien! (dass es Euch gut geht)

 

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